Jörg Phil Friedrich
Philosoph und Publizist

  • Unzählige Schattierungen von Grün

    Unzählige Schattierungen von Grün

    Vorheriger Tag: Ins „wilde Kirgistan“

    Als ich kurz nach sieben aus dem Zelt kroch, waren Ruslan und Nursultan schon mit den Pferden beschäftigt. Ich schlenderte zu ihnen hinüber, stellte aber schnell fest, dass ich nicht helfen konnte. Ruslan fragte mich ein bisschen aus, ob Cornelia meine Frau sei, wieviele Kinder wir hätten, wie alt ich sei. Er schien etwas beeindruckt, dass unser jüngstes Kind in seinem Alter ist. Er selbst ist 28. (mehr …)

  • Ins „wilde Kirgistan“

    Ins „wilde Kirgistan“

    Vorheriger Tag: Verdächtig unproblematisch

    Um 9:30 Uhr holte Ülükbek uns ab. Wortlos fuhr er an Burana vorbei, eigentliches eine Besichtigung im Programm der Reittour vorgesehen, aber da wir gestern schon dort gewesen waren, sagten wir nichts. Ülükbek arbeitet als Manager bei einem internationalen Autohändler, nur im Sommer arbeitete er für eine Weile beim CBT. Sein Auto (genauer gesagt: das seiner Frau) war ein moderner SUV, selbst die Klimaanlage funktionierte und es gab auch hinten funktionierende Sicherheitsgurte. Aber auch bei diesem Wagen war das Steuer rechts. Ich sprach Ülükbek darauf an, er erklärte, dass nach dem Ende der Sowjetunion viele Autos aus Japan und Deutschland importiert worden seien, die japanischen mit Rechtslenkung. Aber jetzt wären nur noch linkslenkende erlaubt – sein Auto sei auch schon von 1999. (mehr …)

  • Verdächtig unproblematisch

    Verdächtig unproblematisch

    Vorheriger Tag: Handtücher und Obstplantagen

    Alles klappte so reibungslos, dass wir misstrauisch wurden. Am Vormittag lagen wir noch am Strand und badeten. Wir hatten mit dem Hotelchef ein Taxi für 13:00 Uhr vereinbart, das uns für 2.500 SOM nach Tokmok bringen sollte. Das Taxi kam pünktlich, im Auto saßen zwei Männer, die aussahen wie Mafiosi, die Schwarzgeld nach Bishkek zu bringen hätten. Ich gab ihnen die korrekte Adresse, es handelte sich um ein Dorf 16 km von Tokmok entfernt. Das erhöhte den Preis zwar auf 3.000 SOM, aber von Karokol nach Kadji-Sai hatten wir auch 3.000 SOM bezahlt und die heutige Strecke war etwa doppelt so lang. Wir fanden das Dorf und auch die Straße, am Haus war zwar keine Nummer, aber die Nachbarn meinten, das sei das Touristen-Haus. Wir wurden in einen großen Raum mit einer langen Tafel geführt, an der wohl 20 Personen gut speisen konnten, und so üppig bewirtet, dass wir Angst vor dem Abendessen bekamen. (mehr …)

  • Handtücher und Obstplantagen

    Handtücher und Obstplantagen

    Vorheriger Tag: Bier und Benzin

    Nach dem Frühstück wollten wir nach Kadji-Sai an der Südküste des Issyk-Kul weiterfahren. Ich fragte Aida, wo wir ein Taxi bekommen könnte, sie meinte zunächst, ein Taxi sei doch sehr teuer und wir könnten doch die Marschrutka  vom Busbahnhof aus nehmen. Aber dann redete sie mit Maksat, ihrem Mann und sagte, er würde sich um das Taxi kümmern. Maksat telefonierte und teilte mir mit, dass das Taxi 3.000 SOM (etwa 40 €) kosten würde. Ich war einverstanden und Maksat versicherte mir, dass das Taxi in 10 min da sein würde.

    Etwas überrascht stellte ich 10 min später fest, dass Maksat selbst vorfuhr mit dem Auto, mit dem wir vor 6 Tagen das Benzin für unseren Kocher besorgt hatten. An der gleichen Tankstelle hielt er auch dieses Mal an und meinte, er bräuchte das Geld jetzt zum tanken. Ich gab ihm die 3.000 SOM, er tankte ein paar Liter und wir fuhren weiter. (mehr …)

  • Bier und Benzin

    Bier und Benzin

    Vorheriger Tag: Nomadentochter und Stadtjunge

    In der Nacht hatte es heftige Gewitter gegeben und morgens regnete es. Wir lagen in unseren Schlafsäcken und beschlossen, dass wir bis 9:00 Uhr warten könnten, dann würden wir immernoch um 10:00 Uhr in Ecklili-Tasch sein, wo wir hoffentlich Tölön treffen würden. Kurz vor 9:00 Uhr hörte der Regen auf. Wir packten rasch, verzichteten aufs Frühstück und marschierten nach Ecklili-Tasch. Schon von weitem entdeckten wir den blauen Mitsubishi, mit dem Tölön uns vor 5 Tagen nach Ken-Suu gebracht hatte. (mehr …)

  • Nomadentochter und Stadtjunge

    Nomadentochter und Stadtjunge

    Vorheriger Tag: I just call…

    Mit Ausnahme einer Nomaden-Familie, die auf der anderen Seite des Flusses ihre Jurte aufgebaut hatte, waren wir in diesen Tagen weitgehend allein im Tjup-Tal südöstlich von Eckili-Tasch. Am Vormittag machten wir eine kleine Wanderung auf einen nahen Hügel, von dem aus wir einen schönen Blick auf die Gipfel des Tien Shan vom Pik Nansen bis Alexander von Humboldt hatten. Plötzlich donnerte es in der Ferne und wir sahen gleich drei Gewitter herankommen. Eilig kehrten wir zu unserem Lager zurück, kochten uns noch eine Brühe und verkrochen uns ins Zelt. Zwar zog der Regen an uns vorbei, dafür rüttelte ein Sturm am Zelt, wie wir ihn zuvor noch nicht erlebt hatten. Ich stemmte mich von innen gegen den Wind, das Zelt und alle Zeltnägel hielten.

    Nachmittags war das Wetter wieder schön, wir spazierten am Fluss auf und ab und warfen Steine in das wilde Wasser. Am Abend dachte ich mir die Geschichte von der Nomadentochter Dshamilja und dem Jungen Tschingis aus Karakol aus – so viele kirgisische Vornamen, die mir gefielen, kannte ich noch nicht. Es war eine langwierige und komplizierte Liebesgeschichte über 15 Jahre, ich erzählte sie Cornelia bis zum Einschlafen.

    Nächster Tag: Bier und Benzin

  • I just call…

    I just call…

    Vorheriger Tag: Enzian und Edelweiß

    Wir wanderten zurück bis ca. einen Kilometer vor Eckili-Tasch und bauten unser Zelt auf. Gegen 16:00 Uhr ging ich hinüber nach Eckili-Tasch, um Azamat anzurufen. An Stalbeks Jurte stand eine Gruppe Kirgisen, die etwas kochten. Ich ging zu ihnen und erklärte, dass ich telefonieren müsse. Sie meinten, dass man dazu um 18:00 Uhr am Militärposten die Möglichkeit hätte. Außerdem gäbe es eine deutsche Gruppe, die hätten wohl ein Satellitentelefon und wären etwa um 17:00 Uhr wieder da. Sie luden mich ein, mich zu ihnen zu setzen. Ich lehnte ab und erklärte, dass meine Frau im Zelt auf mich wartete. Allgemeines spöttisches Gelächter und Kommentare, die ich nicht verstand.  (mehr …)

  • Enzian und Edelweiß

    Enzian und Edelweiß

    Vorheriger Tag: „Fenster und Fassaden“ im Tien Shan

    Die Nacht über grübelten wir hin und her, ob wir weiter gehen könnten. Irgendwann war klar, dass ich nicht fit genug dafür war. Wir entschieden beim Aufwachen, heute an diesem Ort zu bleiben, am nächsten Tag Richtung Eckili-Tasch zurück zu gehen und Tölön, der uns nach fünf Tagen abholen sollte, dorthin zu beordern. Wichtiger, als unbedingt den geplanten Weg zu schaffen, war die Akklimatisierung, damit wir für die neuntägige Reittour fit wären, die wir im Anschluss geplant hatten.

    Wir verbrachten den Tag mit Spaziergängen, vor allem, um halbwegs sauberes Wasser zu finden, das wir nun immer abkochten. Die Wiesen waren voller Blumen, die wir auch aus den Alpen kannten, verschiedene Sorten Enzian und sogar Edelweiß fanden wir.

    Edelweis im Tien Shan

    Nächster Tag: I just call…

  • „Fenster und Fassaden“ im Tien Shan

    „Fenster und Fassaden“ im Tien Shan

    Vorheriger Tag: In den Tien Shan mit Hindernissen

    Nachdem wir Pancakes gebacken, Tee gekocht, gefrühstückt und unser Zelt abgebaut hatten, wollte ich noch schnell mit GPS unsere Position checken. Merkwürdigerweise passte die überhaupt nicht zu Eckili-Tasch. Trotzdem liefen wir zunächst in die von Tölön angegebene Richtung. Mir fiel ein, dass Azamat mich darauf hingewiesen hatte, dass Eckili-Tasch eine Militärstation sei und auch in der Karte, die zwar alt und im Maßstab 1:100.000 ist, waren Häuser zu sehen. Nach 45 min verglich ich die Landschaft mit der Karte und alles war klar. Tölön hatte uns nicht nach Eckili-Tasch gebracht, sondern schon in Ken-Suu abgesetzt, etwa 12 km vor Ecklili-Tasch. Wir studierten die Karte und entschieden, umzukehren und der Schotterpiste auf der anderen Seite des Flusses bis Ecklili-Tasch zu folgen. (mehr …)