Jörg Phil Friedrich
Philosoph und Publizist

  • Wie Wissenschaft Wissen schafft

    In einem Interview sprach ich am 31.01.2021 über das Verhältnis von Wissenschaft und Gesellschaft in der Pandemie und im Klimawandel, über Grundlagenforschung und über die „Produktion“ wissenschaftlicher Erkenntnisse überhaupt.

  • Welt-Artikel der letzten Wochen

    Folgende Essays und Meinungs-Artikel sind von mir in den letzten Wochen auf welt.de erschienen:

    Das Leopoldina-Desaster

    Veröffentlicht am 11.12.2020

    In der Generaldebatte im Bundestag am 9. Dezember hielt die Bundeskanzlerin es für notwendig, ihre Entscheidung für das Physikstudium zu erläutern, getroffen vor fast einem halben Jahrhundert. Sie habe in der DDR Physik studiert, weil man vieles außer Kraft setzen könne, nicht aber die Schwerkraft – und auch nicht die Lichtgeschwindigkeit.

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    Der Mythos von der Grundversorgung

    Veröffentlicht am 16.12.2020

    Der öffentlich-rechtliche Rundfunk muss sich – wieder einmal – rechtfertigen. Die geplante Beitragserhöhung hat erwartungsgemäß zu einer Diskussion über die Notwendigkeit eines gebührenfinanzierten Rundfunks in Zeiten von Streaming-Angeboten und internetgestützter Medienvielfalt überhaupt geführt.

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    Verteidigung der Verschwörungstheorie

    Veröffentlicht am 21.12.2020

    In der Naturwissenschaft gibt es sogenannte theoretische Entitäten: Das sind die Dinge, die man selbst nicht beobachten kann, mit denen man aber das erklären kann, was sich beobachten lässt. In der Physik sind zum Beispiel die Elektronen solche Dinge: Direkt sehen kann man sie nicht, man ist sogar uneins darüber, wie man sie sich vorstellen könnte, aber man kann eine Menge erklären, wenn man annimmt, dass es sie gibt, zum Beispiel dass Strom fließt, dass auf alten Fernsehern ein Bild zu sehen ist und vieles mehr.

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    Hunderte von Toten

    Veröffentlicht am 26.12.2020

    Es gibt vermutlich nur ganz wenige Menschen, die die täglichen Meldungen von den jeweils gestrigen Infektions- und Todeszahlen im Zusammenhang mit Corona völlig kaltlassen. Es mag sein, dass einige sich schon längst ein „dickes Fell“ wachsen lassen haben, aus Floskeln, die den Unterschied zwischen „an Corona“ und „mit Corona“ betonen, oder Vergleiche mit den Toten bei der letzten Grippeepidemie bemühen oder das Alter der meisten Verstorbenen ins Spiel bringen. Aber wenn man gerade in den Weihnachtstagen jeden Morgen höhere Opferzahlen in den Nachrichten hört, dann kann wohl kaum jemand von sich behaupten, dass ihn oder sie das völlig unberührt lässt.

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    Der schale Geschmack der Meinungsfreiheit

    Veröffentlicht am 31.12.2020

    Wer gegenwärtige gesellschaftliche Zustände kritisieren will, greift gern zu historischen Vergleichen. Das kann gerechtfertigt sein, wenn man auf dramatische Konsequenzen aufmerksam machen möchte, die mit aktuellen Entwicklungen verbunden sein können. Unkritische Jubelchöre und eine Mentalität, die meinte, dass es „so schlimm schon nicht kommen wird“, haben dazu beigetragen, dass der Nationalsozialismus an die Macht kommen konnte. Es ist richtig, darauf hinzuweisen, wenn man heute Ähnliches beobachtet.

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    Die falschen Verdächtigen

    Veröffentlicht am 04.01.2021

    Seit Monaten wird die tägliche Zahl der Neuinfektionen mit dem Coronavirus als die entscheidende, aussagekräftigste Maßzahl für die Dynamik der Pandemie publiziert. Dazu kommen ein paar abgeleitete Werte, die nichts anderes sind als statistische und normierte Mittelwerte.

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    Der Irland-Irrtum der Leopoldina

    Veröffentlicht am 06.01.2021

    Als am 8. Dezember des vergangenen Jahres die Leopoldina in ihrer sogenannten Ad-hoc-Stellungnahme begründen wollte, dass es „aus wissenschaftlicher Sicht unbedingt notwendig“ sei, „die weiterhin deutlich zu hohe Anzahl von Neuinfektionen durch einen harten Lockdown schnell und drastisch zu verringern“, stützte sie ihr Argument vor allem auf den Vergleich der Zahlen der täglichen Neuinfektionen in Irland und in Deutschland.

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    Corona als Generalprobe für die Klimakrise

    Veröffentlicht am 11.01.2021

    Manchmal ist ein alter Witz klüger als alle Philosophie. Der Witz geht so: Kommt ein Mann zum Arzt und fragt: „Was muss ich tun, um 100 Jahre alt zu werden?“ Fragt der Arzt: „Trinken Sie Alkohol?“ Antwortet der Mann: „Eigentlich gar nicht, ich meide auch alle Situationen, in denen man mich zum Trinken verleiten könnte.“ Fragt der Arzt weiter: „Wie sieht es mit Schweinebraten, Gans und anderen üppigen Mahlzeiten aus?“ Der Mann erwidert: „Ich meide das alles, ernähre mich fast nur noch vegetarisch.“ Schließlich der Arzt: „Wie sieht es mit dem Sex aus? Spüren Sie da manchmal nach heftigem Sex Erschöpfung?“ Der gute Mann antwortet: „Ich bin da sehr zurückhaltend.“ Da antwortet der Arzt: „Nun hab ich doch noch eine Frage: Warum wollen Sie 100 Jahre alt werden?“

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  • Die exponentielle Drohkulisse

    Es wird in letzter Zeit gern behauptet, dass sich die meisten Menschen kein exponentielles Wachstum vorstellen könnten. Deshalb würden sie die Gefahren von exponentiellem Wachstum, insbesondere bei Viruspandemien, nicht einschätzen können. Ist das wirklich so?

    Viele Menschen haben schon zwei oder drei Mal in ihrem Leben auf ein exponentielles Wachstum gehofft, nämlich dann, wenn sie an einer Kettenbrief-Aktion teilgenommen haben. Ich erinnere mich noch, als Kind bekam ich so einen Brief, da standen sechs Adressen drin. An die oberste Adresse sollte ich eine Mark schicken, dann sollte ich den Brief abschreiben, die oberste Adresse weglassen und meine eigene Adresse unten ergänzen. Dann, so rechnete der Text mir vor, würde ich in sechs Wochen unvorstellbar reich sein, weil sich der zu erwartende Betrag mit jedem Brief ja versechsfacht, sodass ich am Ende 46.656 Mark erhalten würde. Das leuchtete ein, und so verstand ich zum ersten Mal das exponentielle Wachstum.

    Allerdings lernte ich auch im Verlauf der nächsten sechs Wochen, dass das mit dem exponentiellen Wachstum irgendwie nicht gut funktioniert, denn ich bekam keine einzige Mark geschickt.

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  • Hauptsache gesund?

    Was ist die Hauptsache? Schon lange, bevor wir irgendetwas von Corona gewusst haben, hatte sich eine Floskel in den alltäglichen Sprachgebrauch eingeschlichen, die zum Ausdruck brachte, was die meisten Menschen hierzulande für die Hauptsache halten: „Hauptsache gesund!“. Es gibt eine Vielzahl von Abwandlungen, „ich wünsche dir vor allem Gesundheit, das ist das Wichtigste“, in wie vielen Millionen Glückwunschkarten und Grußnachrichten stand in den letzen Jahrzehnten diese Formel? Und die Verabschiedungsformel „Bleiben Sie gesund!“ konnte nur deshalb zur mantraartigen Beschwörung in Pandemie und Lockdown werden, weil sie uns schon lange vertraut war.

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  • Das Zeitalter der Pandemien geht gerade erst los

    Von den Pharmaunternehmen kommen gute Nachrichten: Impfstoffe gegen das Coronavirus sind entwickelt worden und können nun wohl bald in die Massenproduktion gehen. Die Logistik für die vielleicht größte Impfaktion der Weltgeschichte läuft an. Überall auf der Welt werden in ein paar Monaten Millionen von Menschen täglich gegen das Virus immunisiert werden, und dann, im Sommer 2021, spätestens im Herbst, wird die Corona-Krise bewältigt sein.

    So meint man. Darauf richten sich die Hoffnungen von Politikerinnen, Unternehmern, Kino- und Theaterbetreibern, Gastronominnen und Künstlerinnen. Aber diese Hoffnung dürfte trügerisch sein.

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  • Digitalisierung schafft neue Optionen für wissenschaftliche Qualitätssicherung

    In der Corona-Pandemie ist regelmäßig zu beobachten, wie Virologinnen und Epidemiologen ihre Studienergebnisse auf Preprint-Servern veröffentlichen. Noch bevor die Artikel unabhängig begutachtet und anschließend von einem Fachjournal veröffentlicht werden, stehen sie öffentlich zur Diskussion.

    Dies dient meist dem Ziel, die Arbeit reif für die Veröffentlichung in einem anerkannten Journal zu machen. Es könnte sich aber auch eine Alternative zum üblichen Peer-Review-Verfahren entwickeln, das als Hindernis für die Forschung kritisiert wird.

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  • Wir Älteren sollten weniger zornig auf die Jugend sein

    Corona bedeutet auch Generationenkonflikt. Doch verlangen die Älteren zu viel von den jungen Menschen, wenn sie von ihnen fordern, ihre Bedürfnisse in der Corona-Krise aufzuschieben? Ja, meint unser Autor.

    Vielleicht ist es gewissermaßen eine Retourkutsche, mit der die Generation der Babyboomer jetzt den Jungen entgegenfährt. Vor einem Jahr noch sahen sich die 50- und 60-Jährigen den Vorwürfen ihrer Kinder und Enkel ausgesetzt: Sie hatten über Jahrzehnte keine Rücksicht auf Umwelt und Klima genommen, sie hatten Sexismus und Rassismus nicht bekämpft, sie hatten auf Kosten der Dritten Welt gelebt.

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  • Philosophie (in) der Krise

    Die Philosophie hat ein Problem. Konfrontiert mit Klimawandel, Flüchtlingskrise oder Corona-Pandemie muss sie erst einmal nach einer Frage suchen, die sie beantworten könnte. Andere Fächer haben es da leichter: Virologie und Epidemiologie suchen nach Maßnahmen, die die Ausbreitung von Krankheitserregern stoppen könnten, Ökonomen erforschen die Folgen solcher Maßnahmen für die Wirtschaft – selbst Historiker wissen, was zu tun ist: Sie halten nach vergleichbaren Situationen in der Geschichte Ausschau, während Literaturwissenschaftler nach literarischen Aufarbeitungen von Pandemien fahnden. Nur die Philosophie scheint nicht so recht zu wissen, wonach sie überhaupt fragen könnte.

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  • Seminar zu Heideggers Wissenschaftsphilosophie

    Seminar zu Heideggers Wissenschaftsphilosophie

    Am 02.11. startet mein Seminar zur Wissenschaftsphilosophie Martin Heideggers. Die Teilnahme ist auch für Gasthörer (Einschreibung erforderlich) möglich. Weitere Informationen hier.