Jörg Phil Friedrich
Philosoph und Publizist

  • Letztgültige Antworten in den Wissenschaften

    In einem Feature von Florian Felix Weyh über Evidenz und Plausibilität in den Wissenschaften ging es um Higgs-Bosonen und Wetterfronten , um Mikrofone und „Scharen von Journalisten“ – und um die Frage „Was wissen wir wirklich?“ Hier zum Nachlesen und Nachhören.

  • Die Nachhaltigkeit der Wissenschaft – Jörg Phil Friedrich im Gespräch mit Hans von Storch

    Sie haben die These vertreten, dass die Kommunikation der Wissenschaft in der Pandemie eigentlich besser gelungen ist als in der Klimaforschung. Was könnte diese von der Virologie lernen?

    Wenn Wissenschaftler in der Öffentlichkeit auftreten, muss der Grundsatz sein, dass sie nicht Wahrheit, sondern die beste Erklärung im Rahmen des derzeitigen Wissens anbieten. Das ist der Epidemiologie nach meiner Wahrnehmung wesentlich besser gelungen als der Klimawissenschaft, weil wir in der Klimawissenschaft eben doch eine ganze Menge aktivistische Kollegen haben, die vor allem daran interessiert sind, dass eine motivationsstarke Deutung der Situation entsteht, auf der dann möglichst ungehindert eine entsprechende Politik aufbaut. In der Epidemiologie, so ist in meine Wahrnehmung, wurde nicht damit hinter dem Berg gehalten, dass verschiedene Wissenschaftler verschiedene Meinungen haben.

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  • Die Wellen-Wahrsagerin

    Die Physikerin Viola Priesemann gehört neben ihrem Fachkollegen Michael Meyer-Hermann zu den Wissenschaftlern, die als Modellierer der Pandemie in den letzten Monaten bekannt und zu begehrten Interviewpartnern der Medien geworden sind. Es ist der Eindruck entstanden, dass sie den weiteren Verlauf des Infektionsgeschehens mit ihren Modellen vorausberechnen könnten, ungefähr so wie die Meteorologen das Wetter der nächsten Tage vorhersagen können – auch die nutzen dazu bekanntlich mathematische Modelle.

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  • Die Bibliothek – Denkraum und Ort analoger Magie

    Wenn selbst alte Pergamente und Lutherbibeln inzwischen digital verfügbar sind, wozu braucht man dann noch Bibliotheken? Der Philosoph Jörg Friedrich ist überzeugt, dass die Bibliothek eine Zukunft hat. Und sei es, weil es einer Cloud an Magie fehle.
    Ein Politisches Feuilleton auf Deutschlandfunk Kultur – hier zum Nachlesen und Nachhören.

  • Der Rassismus, eine Erfindung der Aufklärung

    Es gibt im modernen Fernsehen diese Serien, in denen in jeder Folge immer wieder die gleiche Geschichte erzählt wird – aber aus unterschiedlichen Perspektiven. Das Publikum lernt Abend für Abend einen neuen Aspekt, ein paar neue Details, eine neue Sicht auf das Geschehen kennen. Oft sind die neuen Einsichten überraschend, die Sache wird von Teil zu Teil keineswegs langweiliger, sondern eher immer spannender, und erst am Ende hat man ein klares Bild von der ganzen Geschichte, vielfältig, aber gerade durch die Vielschichtigkeit verständlich.

    So ähnlich geht es dem interessierten Zuschauer, der die insgesamt sechsteilige Online-Veranstaltungsserie „Kant – ein Rassist?“ verfolgt. Jeder der sechs Teile beginnt mit einem Impulsvortrag von knapp einer halben Stunde, in dem eine Philosophin, ein Historiker oder eine Politikwissenschaftlerin ihre Sicht auf die Frage nach dem Rassismus bei Immanuel Kant darstellt, gefolgt von zwei vorbereiteten Repliken und einer Diskussionsrunde.

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  • Die Grenzen der weißen Mathematik

    Kann Mathematik rassistisch sein? Die Frage klingt absurd, denn Zahlen, Kreise, Rechtecke haben doch gerade nichts an sich, was mit rassistischen Klischees zu tun haben könnte. Sie haben keine Hautfarbe, keine geografische Herkunft, keine Sprache, keinen exotischen Akzent. Selbst, wenn man unterschiedliche Symbole für die gleiche Zahl betrachtet, wenn man die arabischen mit den römischen Zahlzeichen vergleicht, fällt nichts auf, was an rassistische Stereotype erinnern könnte.

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  • Welt-Artikel der letzten Wochen

    Nicht jeder Zweifler ist ein Radikaler

    Veröffentlicht am 16.01.2021

    Es ist verständlich, wahrscheinlich sogar vernünftig: In einer unsicheren Situation, für die man über keine Erfahrungen verfügt und für die man keine Handlungsweisen eingeübt hat, möchte man auf Experten vertrauen und auf Führungspersönlichkeiten, die Ruhe und Entschlossenheit vermitteln und deren Entscheidungen durchdacht und begründet klingen. Leute, die diesen Experten nicht das gleiche Vertrauen entgegenbringen, die zweifeln und die Entscheidungsbasis in Frage stellen, werden dann als Störenfriede empfunden.

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    Ich weiß, was sie letzten Sommer nicht getan haben

    Veröffentlicht am 18.01.2021

    Am 23. September 2020 erregt ein Satz von Christian Drosten Aufmerksamkeit: „Die Pandemie wird jetzt erst richtig losgehen“. Im ZDF-Interview stellte der wichtigste Berater der Bundesregierung einen Tag später klar, dass er diesen Satz bereits in einem Interview gesagt habe, das „schon vor mindestens sechs Wochen geführt“ worden sei.

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    Biden will Versöhnung, doch seine Politik spricht eine andere Sprache

    Veröffentlicht am 23.01.2021

    Kurz nach dem Ende seiner Amtszeit soll Barack Obama nachdenklich gefragt haben, ob er vielleicht falsch gelegen habe. Ben Rhodes berichtet in seinem Buch „Die Welt, wie sie ist“ davon, dass Obama fürchtete, vielleicht zu weit gegangen zu sein mit seinen Vorstellungen einer diversen Gesellschaft; dass die Menschen vielleicht in ihre Stammesidentitäten zurückfallen wollten und dass er, Obama, vielleicht zehn oder 20 Jahre zu früh gekommen sei.

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    Diese Zahlen aus Karlsruhe müssen uns beunruhigen

    Veröffentlicht am 26.01.2021 

    Es gibt eine Gemeinsamkeit zwischen der Präsidentschaft Donald Trumps und der Corona-Pandemie: Beide haben uns gezeigt, wie wenig selbstverständlich die Grundsätze einer gesellschaftlichen Verfassung sind, auch wenn diese als Selbstverständnis der Gesellschaft über Jahrzehnte in der Schule gelehrt, in Sachbüchern und Tageszeitungen hervorgehoben und in politischen Reden gepriesen werden.

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    Hier erfährt man, ob es eine gerechte Triage gibt

    Veröffentlicht am 28.01.2021

    Eine der interessantesten und zugleich ambivalentesten Veränderungen während des Corona-Lockdowns erlebt derzeit das Format der öffentlichen Ringvorlesung, Veranstaltungsreihen, die von Universitäten angeboten werden, um zum einen während eines Semesters ein Thema interdisziplinär diskutieren zu können und zum anderen ein öffentliches Informationsangebot zu gesellschaftlich interessanten Fragen zu machen. Das Zentrum für Wissenschaftstheorie an der Universität Münster führt solche Ringvorlesungen seit 15 Jahren durch, in den insgesamt bisher 29 Veranstaltungsreihen ging es um Fragen wie den Umgang mit Unsicherheit und Risiko, das Klima, die technisierte Welt und das Verhältnis von Wissenschaft und Politik.

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    Der dialektische Rassismus

    Veröffentlicht am 02.02.2021

    Das Jahr 2020 stand auch im Zeichen einer intensiven Debatte über die Rolle des Rassismus in der europäischen Geschichte der Aufklärung. Rassistische Äußerungen bei Immanuel Kant, der emblematischen Figur der Aufklärung, wurden ebenso diskutiert wie zuletzt Äußerungen des Philosophen der Freiheit, Georg Wilhelm Friedrich Hegel.

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    Die Grenzen der Virologie

    Wenn Wissenschaftler sich gegenwärtig zu Wort melden, um in Empfehlungen oder Forderungen nach einer Fortsetzung des Lockdowns oder sogar nach Verschärfungen und härteren Kontrollregimen zu rufen, stützen sie sich gern auf wissenschaftliche Modelle und Simulationen, die für bestimmte Szenarien politischer Maßnahmen ein mehr oder weniger drastisches Anwachsen der Infektionszahlen, der Intensivbettenbelegung und der Todesfallzahlen prognostizieren.

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    „Daraus ist der Verdacht erwachsen, dass Wissenschaft eine illegitime Machtfülle zukommt“

    Alexander Bogner ist der Experte für Experten. Um sich auf ein Gespräch mit dem Soziologen an der Universität Wien und am Institut für Technikfolgenabschätzung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften vorzubereiten, könnte man etwa eines seiner Bücher über Experteninterviews lesen. Anlass unseres Gesprächs ist aber sein Buch mit dem etwas sperrigen Titel „Die Epistemisierung des Politischen“ (Reclam Verlag, sechs Euro), in dem es – gar nicht sperrig – um die Frage geht, wie die Macht des Wissens die Demokratie gefährdet, eine Frage, die in der Corona-Pandemie auf breites Interesse stößt.

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    Der unberechenbare Mensch

    Veröffentlicht: 17.02.2021

    Die Pandemie ermöglicht überraschende Einsichten über die Lage der Gesellschaft und über das Selbstverständnis der Menschen in dieser Welt. Einiges, was man zuvor vielleicht undeutlich ahnen konnte, tritt jetzt klar hervor. Dazu gehört die Frage nach dem Bild vom Mitmenschen und dem Verständnis vom Bürger, das die politische Klasse und diejenigen, die die sogenannte Öffentlichkeit bilden, Expertinnen, Journalisten, Beraterinnen, Interessenvertreter, haben. Man merkt es an den Maßnahmen der Regierung, an den Handlungsempfehlungen der Berater, an den Urteilen der Journalisten, den Prognosen der Experten.

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  • „Mein Gewissen bleibt gefangen in Gottes Wort“

    „Mein Gewissen bleibt gefangen in Gottes Wort“

    Zum 500. Jubiläum des Wormser Reichstags hat die EKD ein Themenheft herausgegeben, das auch einen Essay von mir zum Begriff des Gewissens enthält. Das Themenheft kann man auf der EKD-Seite abrufen. 

  • Die Neuerfindung des Urlaubs

    „Der Philosoph Jörg Phil Friedrich glaubt, dass wir unser Verständnis von Urlaub überdenken müssen. Fernreisen und Massentourismus haben ausgedient, um die Lust nach Außergewöhnlichem zu stillen. Der Urlaub der Zukunft ist lokal und genügsam.“ Mein Politisches Feuilleton auf Deutschlandfunk Kultur gibt es hier zum Nachlesen und Nachhören.