Wenn über eine Dienstpflicht gesprochen wird, geht es oft um billige Arbeitskräfte in der Pflege oder um Selbst- und Welterfahrung für junge Menschen. Der Sinn einer solchen Pflicht sollte sich aber am Sinn der Wehrpflicht orientieren: Menschen auf diszipliniertes und richtiges gemeinsames Handeln in den Ernstfällen vorzubereiten, die der Gesellschaft bevorstehen. Darüber habe ich für WELT geschrieben.
Kategorie: Gesellschaft
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Warum ich bei PEN Berlin mitmache
Wir befinden uns in Krisenzeiten, die Krisen sind langwierig, miteinander verwickelt und kaum lösbar. Vieles steht auf dem Spiel, Mitmenschlichkeit genauso wie Demokratie und individuelle Freiheit.
Das Stimmengewirr zu den akuten Problemen und den langfristigen Herausforderungen ist vielfältig. Politiker, Wissenschaftler und Wirtschaftsvertreter bieten Lösungen an, die von eigenen engen Perspektiven und Interessen geprägt sind.
Die schreibenden Intellektuellen reflektieren das und können durch ihre Reflexionskraft zu Aushandlungsprozessen beitragen, die so gestaltet werden müssen, dass sie zugleich dynamisch-widersprüchlich als auch konstruktiv-verbindend sind und der soziale Frieden nicht gänzlich in Gefahr kommt.
Ein Teilprozess dieser gesellschaftlichen Aushandlungsprozesse sind die Debatten unter den Schreibenden selbst. Das PEN Berlin kann ein Ort dieser Debatte werden, nicht der einzige, aber er kann ein wichtiger Raum für konstruktiven Streit in wechselseitiger Anerkennung sein. Dass das nicht einfach ist, ist klar, auch die schreibenden Intellektuellen haben unterschiedliche Perspektiven und Überzeugungen, sie sind zudem von Natur aus Individualisten, sie haben ebenfalls Interessen und sie sind vor allem alle Meister des gesprochenen Wortes, haben Freude an ihrer eigenen Sprache und an der Präsentation ihrer Ansichten. Aber gerade deswegen lohnt sich dieser Streit und wenn er von Wertschätzung und Anerkennung den anderen Mit-Streitern gegenüber geprägt ist, wird er kreative Impulse für einen wertschätzenden Streit in der Gesellschaft geben, der die Gemeinschaft der PEN-Mitglieder wie die Gesellschaft insgesamt nicht auseinandertreibt, sondern im Streit zusammenschließt. Dazu werde ich gern beitragen.
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Feeling und Fakten auf der phil.cologne
Auf dem internationalen Festival der Philosophie, der phil.cologne, werde ich am 13.06. zwei Mal gemeinsam mit Nadja el Kassar und Jugendlichen verschiedener Alterstufen über das Thema Feeling statt Fakten? Intuition und Ignoranz diskutieren können. Es moderiert Cornelia Mooslechner-Brüll. Organisiert werden die Diskussionsrunden von der Bundeszentrale für politische Bildung. Ich bin voller Vorfreude und Spannung, was dabei ans Licht gebracht wird.
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Gewaltenteilung oder Arbeitsteilung
Von der Idee der Gewaltenteilung, die Locke und Montesquieu einst entwickelt haben, ist nicht viel übrig geblieben. In modernen Demokratien meint man, dass gegenseitige Kontrolle nicht nötig ist, sondern die Verfassungsorgane kooperativ und Arbeitsteilig zusammenwirken. Das ist für die Demokratie gar nicht gut. Und die Presse als „vierte Gewalt“, nimmt sie ihre Aufgabe wahr? Darum geht es in meinem Essay Die vierte Gewalt und die Gefahr des Guten auf welt.de.
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Solidarität oder Interessen? Warum werden Waffen in die Ukraine geliefert?
In einem Beitrag auf DieKolumnisten analysiere ich die Maximen, nach denen eine Kriegspartei wie die Ukraine vom Ausland unterstützt werden kann, indem man ihre Armee mit schweren Waffen ausstattet. Denn es ist nicht das ukrainische Volk, das Waffen erhält, sondern der Staat und die Armee. Welche Verlässlichkeit muss man da erwarten können? Braucht man nicht Sicherheit darüber, dass man die gleichen Prinzipen zur Gewaltanwendung teilt?
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Politisches Feuilleton: Für einen reflektierten Pazifismus
Der Pazifismus hat es derzeit schwer in Deutschland, schwerer als je zuvor seit dem Zweiten Weltkrieg. Wer politisch ernst genommen werden will, wagt kaum, die Lieferung von Panzern, Geschützen und Gewehren an die Ukraine für ihren Kampf gegen die russische Aggression infrage zu stellen. Wer es dennoch tut, muss darauf gefasst sein, als Putin-Versteherin, als unsolidarisch, im besten Fall als weltfremder Träumer hingestellt und verachtet zu werden. Doch die Politik braucht immer auch mahnende, zögernde und zurückhaltende Stimmen, Menschen, die laut zaudern und zweifeln – gerade dann, wenn die große Mehrheit meint, genau zu wissen, was zu tun ist: Wer unterstützt werden muss, welche Kriegsseite stark gemacht werden soll, damit sie den Aggressor zurückschlagen kann.
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Demokratische Institutionen kommen in Bill Gates’ Masterplan nicht vor
Wenn man ein Buch schreiben will, in dem man der Welt Vorschläge für die Lösung eines großen Problems machen will, dann muss man zwei Dinge klarstellen: zum einen, dass das Problem wirklich sehr groß ist – und zum anderen, dass man zu denen gehört, die diese Größe von Anfang an richtig eingeschätzt haben.
Bill Gates tut dies in seinem Buch „Wie wir die nächste Pandemie verhindern“ gleich im allerersten Satz, in dem er davon berichtet, dass ihm an einem Freitagabend Mitte Februar 2020 beim Dinner klar wurde, „dass sich Covid-19 zu einer globalen Katastrophe auswachsen würde“. Auch im Weiteren lässt Gates kaum eine Gelegenheit aus, die Größe dieser Katastrophe zu beschwören und deutlich zu machen, dass er zu denen gehört, die das nicht nur von Anfang an klar gesehen haben, sondern die auch sofort gehandelt und das Richtige getan haben, um diese Katastrophe zu bekämpfen.
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Wirft Putin die Bomben?
Seit die russische Armee die ukrainische Grenze übertreten hat, wird hierzulande auch über Formulierungen gestritten. War es Putin, der das Nachbarland überfallen hat, oder ist der russische Staat der Aggressor?Klar ist: Es gehören viele Menschen dazu, einen Krieg zu führen. Seien es die Generäle, die die Taktik planen, sei es die Nachrichtensprecherin, die Falschmeldungen verliest, oder sei es der Soldat, der den Panzer steuert. Sie alle treffen konkrete Entscheidungen, handeln und tragen damit zum Angriffskrieg, zur Zerstörung und zum Sterben bei.
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Corona-Messungen – Vielleicht nur erkältet
Das Ende der Coronamaßnahmen ist beschlossen, aber die Diskussion um dieses Ende ist noch lange nicht zu Ende. Sie spaltet das Land, sie spaltet die politischen Entscheider, die Medien und die Bevölkerung. Das Problem ist, dass wir uns bei der Frage, ob etwas jetzt richtig ist, nur schwer von dem lösen können, was uns in den letzten Monaten in Atem gehalten hat, was und Angst und Sorgen bereitet hat.
Aber versuchen wir mal, das einen Moment zu vergessen und die Lage nur aus der heutigen Situation heraus zu betrachten.