Die Physikerin Viola Priesemann gehört neben ihrem Fachkollegen Michael Meyer-Hermann zu den Wissenschaftlern, die als Modellierer der Pandemie in den letzten Monaten bekannt und zu begehrten Interviewpartnern der Medien geworden sind. Es ist der Eindruck entstanden, dass sie den weiteren Verlauf des Infektionsgeschehens mit ihren Modellen vorausberechnen könnten, ungefähr so wie die Meteorologen das Wetter der nächsten Tage vorhersagen können – auch die nutzen dazu bekanntlich mathematische Modelle.
Autor: Jörg Phil Friedrich
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Die Bibliothek – Denkraum und Ort analoger Magie
Wenn selbst alte Pergamente und Lutherbibeln inzwischen digital verfügbar sind, wozu braucht man dann noch Bibliotheken? Der Philosoph Jörg Friedrich ist überzeugt, dass die Bibliothek eine Zukunft hat. Und sei es, weil es einer Cloud an Magie fehle.
Ein Politisches Feuilleton auf Deutschlandfunk Kultur – hier zum Nachlesen und Nachhören. -
Der Rassismus, eine Erfindung der Aufklärung
Es gibt im modernen Fernsehen diese Serien, in denen in jeder Folge immer wieder die gleiche Geschichte erzählt wird – aber aus unterschiedlichen Perspektiven. Das Publikum lernt Abend für Abend einen neuen Aspekt, ein paar neue Details, eine neue Sicht auf das Geschehen kennen. Oft sind die neuen Einsichten überraschend, die Sache wird von Teil zu Teil keineswegs langweiliger, sondern eher immer spannender, und erst am Ende hat man ein klares Bild von der ganzen Geschichte, vielfältig, aber gerade durch die Vielschichtigkeit verständlich.
So ähnlich geht es dem interessierten Zuschauer, der die insgesamt sechsteilige Online-Veranstaltungsserie „Kant – ein Rassist?“ verfolgt. Jeder der sechs Teile beginnt mit einem Impulsvortrag von knapp einer halben Stunde, in dem eine Philosophin, ein Historiker oder eine Politikwissenschaftlerin ihre Sicht auf die Frage nach dem Rassismus bei Immanuel Kant darstellt, gefolgt von zwei vorbereiteten Repliken und einer Diskussionsrunde.
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Die Grenzen der weißen Mathematik
Kann Mathematik rassistisch sein? Die Frage klingt absurd, denn Zahlen, Kreise, Rechtecke haben doch gerade nichts an sich, was mit rassistischen Klischees zu tun haben könnte. Sie haben keine Hautfarbe, keine geografische Herkunft, keine Sprache, keinen exotischen Akzent. Selbst, wenn man unterschiedliche Symbole für die gleiche Zahl betrachtet, wenn man die arabischen mit den römischen Zahlzeichen vergleicht, fällt nichts auf, was an rassistische Stereotype erinnern könnte.
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Welt-Artikel der letzten Wochen
Nicht jeder Zweifler ist ein Radikaler
Veröffentlicht am 16.01.2021
Es ist verständlich, wahrscheinlich sogar vernünftig: In einer unsicheren Situation, für die man über keine Erfahrungen verfügt und für die man keine Handlungsweisen eingeübt hat, möchte man auf Experten vertrauen und auf Führungspersönlichkeiten, die Ruhe und Entschlossenheit vermitteln und deren Entscheidungen durchdacht und begründet klingen. Leute, die diesen Experten nicht das gleiche Vertrauen entgegenbringen, die zweifeln und die Entscheidungsbasis in Frage stellen, werden dann als Störenfriede empfunden.
Ich weiß, was sie letzten Sommer nicht getan haben
Veröffentlicht am 18.01.2021
Am 23. September 2020 erregt ein Satz von Christian Drosten Aufmerksamkeit: „Die Pandemie wird jetzt erst richtig losgehen“. Im ZDF-Interview stellte der wichtigste Berater der Bundesregierung einen Tag später klar, dass er diesen Satz bereits in einem Interview gesagt habe, das „schon vor mindestens sechs Wochen geführt“ worden sei.
Biden will Versöhnung, doch seine Politik spricht eine andere Sprache
Veröffentlicht am 23.01.2021
Kurz nach dem Ende seiner Amtszeit soll Barack Obama nachdenklich gefragt haben, ob er vielleicht falsch gelegen habe. Ben Rhodes berichtet in seinem Buch „Die Welt, wie sie ist“ davon, dass Obama fürchtete, vielleicht zu weit gegangen zu sein mit seinen Vorstellungen einer diversen Gesellschaft; dass die Menschen vielleicht in ihre Stammesidentitäten zurückfallen wollten und dass er, Obama, vielleicht zehn oder 20 Jahre zu früh gekommen sei.
Diese Zahlen aus Karlsruhe müssen uns beunruhigen
Veröffentlicht am 26.01.2021
Es gibt eine Gemeinsamkeit zwischen der Präsidentschaft Donald Trumps und der Corona-Pandemie: Beide haben uns gezeigt, wie wenig selbstverständlich die Grundsätze einer gesellschaftlichen Verfassung sind, auch wenn diese als Selbstverständnis der Gesellschaft über Jahrzehnte in der Schule gelehrt, in Sachbüchern und Tageszeitungen hervorgehoben und in politischen Reden gepriesen werden.
Hier erfährt man, ob es eine gerechte Triage gibt
Veröffentlicht am 28.01.2021
Eine der interessantesten und zugleich ambivalentesten Veränderungen während des Corona-Lockdowns erlebt derzeit das Format der öffentlichen Ringvorlesung, Veranstaltungsreihen, die von Universitäten angeboten werden, um zum einen während eines Semesters ein Thema interdisziplinär diskutieren zu können und zum anderen ein öffentliches Informationsangebot zu gesellschaftlich interessanten Fragen zu machen. Das Zentrum für Wissenschaftstheorie an der Universität Münster führt solche Ringvorlesungen seit 15 Jahren durch, in den insgesamt bisher 29 Veranstaltungsreihen ging es um Fragen wie den Umgang mit Unsicherheit und Risiko, das Klima, die technisierte Welt und das Verhältnis von Wissenschaft und Politik.
Der dialektische Rassismus
Veröffentlicht am 02.02.2021
Das Jahr 2020 stand auch im Zeichen einer intensiven Debatte über die Rolle des Rassismus in der europäischen Geschichte der Aufklärung. Rassistische Äußerungen bei Immanuel Kant, der emblematischen Figur der Aufklärung, wurden ebenso diskutiert wie zuletzt Äußerungen des Philosophen der Freiheit, Georg Wilhelm Friedrich Hegel.
Die Grenzen der Virologie
Wenn Wissenschaftler sich gegenwärtig zu Wort melden, um in Empfehlungen oder Forderungen nach einer Fortsetzung des Lockdowns oder sogar nach Verschärfungen und härteren Kontrollregimen zu rufen, stützen sie sich gern auf wissenschaftliche Modelle und Simulationen, die für bestimmte Szenarien politischer Maßnahmen ein mehr oder weniger drastisches Anwachsen der Infektionszahlen, der Intensivbettenbelegung und der Todesfallzahlen prognostizieren.
„Daraus ist der Verdacht erwachsen, dass Wissenschaft eine illegitime Machtfülle zukommt“
Alexander Bogner ist der Experte für Experten. Um sich auf ein Gespräch mit dem Soziologen an der Universität Wien und am Institut für Technikfolgenabschätzung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften vorzubereiten, könnte man etwa eines seiner Bücher über Experteninterviews lesen. Anlass unseres Gesprächs ist aber sein Buch mit dem etwas sperrigen Titel „Die Epistemisierung des Politischen“ (Reclam Verlag, sechs Euro), in dem es – gar nicht sperrig – um die Frage geht, wie die Macht des Wissens die Demokratie gefährdet, eine Frage, die in der Corona-Pandemie auf breites Interesse stößt.
Der unberechenbare Mensch
Veröffentlicht: 17.02.2021
Die Pandemie ermöglicht überraschende Einsichten über die Lage der Gesellschaft und über das Selbstverständnis der Menschen in dieser Welt. Einiges, was man zuvor vielleicht undeutlich ahnen konnte, tritt jetzt klar hervor. Dazu gehört die Frage nach dem Bild vom Mitmenschen und dem Verständnis vom Bürger, das die politische Klasse und diejenigen, die die sogenannte Öffentlichkeit bilden, Expertinnen, Journalisten, Beraterinnen, Interessenvertreter, haben. Man merkt es an den Maßnahmen der Regierung, an den Handlungsempfehlungen der Berater, an den Urteilen der Journalisten, den Prognosen der Experten.
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„Mein Gewissen bleibt gefangen in Gottes Wort“
Zum 500. Jubiläum des Wormser Reichstags hat die EKD ein Themenheft herausgegeben, das auch einen Essay von mir zum Begriff des Gewissens enthält. Das Themenheft kann man auf der EKD-Seite abrufen.
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Die Neuerfindung des Urlaubs
„Der Philosoph Jörg Phil Friedrich glaubt, dass wir unser Verständnis von Urlaub überdenken müssen. Fernreisen und Massentourismus haben ausgedient, um die Lust nach Außergewöhnlichem zu stillen. Der Urlaub der Zukunft ist lokal und genügsam.“ Mein Politisches Feuilleton auf Deutschlandfunk Kultur gibt es hier zum Nachlesen und Nachhören.
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Wie Wissenschaft Wissen schafft
In einem Interview sprach ich am 31.01.2021 über das Verhältnis von Wissenschaft und Gesellschaft in der Pandemie und im Klimawandel, über Grundlagenforschung und über die „Produktion“ wissenschaftlicher Erkenntnisse überhaupt.
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Welt-Artikel der letzten Wochen
Folgende Essays und Meinungs-Artikel sind von mir in den letzten Wochen auf welt.de erschienen:
Das Leopoldina-Desaster
Veröffentlicht am 11.12.2020
In der Generaldebatte im Bundestag am 9. Dezember hielt die Bundeskanzlerin es für notwendig, ihre Entscheidung für das Physikstudium zu erläutern, getroffen vor fast einem halben Jahrhundert. Sie habe in der DDR Physik studiert, weil man vieles außer Kraft setzen könne, nicht aber die Schwerkraft – und auch nicht die Lichtgeschwindigkeit.
Der Mythos von der Grundversorgung
Veröffentlicht am 16.12.2020
Der öffentlich-rechtliche Rundfunk muss sich – wieder einmal – rechtfertigen. Die geplante Beitragserhöhung hat erwartungsgemäß zu einer Diskussion über die Notwendigkeit eines gebührenfinanzierten Rundfunks in Zeiten von Streaming-Angeboten und internetgestützter Medienvielfalt überhaupt geführt.
Verteidigung der Verschwörungstheorie
Veröffentlicht am 21.12.2020
In der Naturwissenschaft gibt es sogenannte theoretische Entitäten: Das sind die Dinge, die man selbst nicht beobachten kann, mit denen man aber das erklären kann, was sich beobachten lässt. In der Physik sind zum Beispiel die Elektronen solche Dinge: Direkt sehen kann man sie nicht, man ist sogar uneins darüber, wie man sie sich vorstellen könnte, aber man kann eine Menge erklären, wenn man annimmt, dass es sie gibt, zum Beispiel dass Strom fließt, dass auf alten Fernsehern ein Bild zu sehen ist und vieles mehr.
Hunderte von Toten
Veröffentlicht am 26.12.2020
Es gibt vermutlich nur ganz wenige Menschen, die die täglichen Meldungen von den jeweils gestrigen Infektions- und Todeszahlen im Zusammenhang mit Corona völlig kaltlassen. Es mag sein, dass einige sich schon längst ein „dickes Fell“ wachsen lassen haben, aus Floskeln, die den Unterschied zwischen „an Corona“ und „mit Corona“ betonen, oder Vergleiche mit den Toten bei der letzten Grippeepidemie bemühen oder das Alter der meisten Verstorbenen ins Spiel bringen. Aber wenn man gerade in den Weihnachtstagen jeden Morgen höhere Opferzahlen in den Nachrichten hört, dann kann wohl kaum jemand von sich behaupten, dass ihn oder sie das völlig unberührt lässt.
Der schale Geschmack der Meinungsfreiheit
Veröffentlicht am 31.12.2020
Wer gegenwärtige gesellschaftliche Zustände kritisieren will, greift gern zu historischen Vergleichen. Das kann gerechtfertigt sein, wenn man auf dramatische Konsequenzen aufmerksam machen möchte, die mit aktuellen Entwicklungen verbunden sein können. Unkritische Jubelchöre und eine Mentalität, die meinte, dass es „so schlimm schon nicht kommen wird“, haben dazu beigetragen, dass der Nationalsozialismus an die Macht kommen konnte. Es ist richtig, darauf hinzuweisen, wenn man heute Ähnliches beobachtet.
Die falschen Verdächtigen
Veröffentlicht am 04.01.2021
Seit Monaten wird die tägliche Zahl der Neuinfektionen mit dem Coronavirus als die entscheidende, aussagekräftigste Maßzahl für die Dynamik der Pandemie publiziert. Dazu kommen ein paar abgeleitete Werte, die nichts anderes sind als statistische und normierte Mittelwerte.
Der Irland-Irrtum der Leopoldina
Veröffentlicht am 06.01.2021
Als am 8. Dezember des vergangenen Jahres die Leopoldina in ihrer sogenannten Ad-hoc-Stellungnahme begründen wollte, dass es „aus wissenschaftlicher Sicht unbedingt notwendig“ sei, „die weiterhin deutlich zu hohe Anzahl von Neuinfektionen durch einen harten Lockdown schnell und drastisch zu verringern“, stützte sie ihr Argument vor allem auf den Vergleich der Zahlen der täglichen Neuinfektionen in Irland und in Deutschland.
Corona als Generalprobe für die Klimakrise
Veröffentlicht am 11.01.2021
Manchmal ist ein alter Witz klüger als alle Philosophie. Der Witz geht so: Kommt ein Mann zum Arzt und fragt: „Was muss ich tun, um 100 Jahre alt zu werden?“ Fragt der Arzt: „Trinken Sie Alkohol?“ Antwortet der Mann: „Eigentlich gar nicht, ich meide auch alle Situationen, in denen man mich zum Trinken verleiten könnte.“ Fragt der Arzt weiter: „Wie sieht es mit Schweinebraten, Gans und anderen üppigen Mahlzeiten aus?“ Der Mann erwidert: „Ich meide das alles, ernähre mich fast nur noch vegetarisch.“ Schließlich der Arzt: „Wie sieht es mit dem Sex aus? Spüren Sie da manchmal nach heftigem Sex Erschöpfung?“ Der gute Mann antwortet: „Ich bin da sehr zurückhaltend.“ Da antwortet der Arzt: „Nun hab ich doch noch eine Frage: Warum wollen Sie 100 Jahre alt werden?“