Autor: Jörg Phil Friedrich

  • Verdächtig unproblematisch

    Verdächtig unproblematisch

    Vorheriger Tag: Handtücher und Obstplantagen

    Alles klappte so reibungslos, dass wir misstrauisch wurden. Am Vormittag lagen wir noch am Strand und badeten. Wir hatten mit dem Hotelchef ein Taxi für 13:00 Uhr vereinbart, das uns für 2.500 SOM nach Tokmok bringen sollte. Das Taxi kam pünktlich, im Auto saßen zwei Männer, die aussahen wie Mafiosi, die Schwarzgeld nach Bishkek zu bringen hätten. Ich gab ihnen die korrekte Adresse, es handelte sich um ein Dorf 16 km von Tokmok entfernt. Das erhöhte den Preis zwar auf 3.000 SOM, aber von Karokol nach Kadji-Sai hatten wir auch 3.000 SOM bezahlt und die heutige Strecke war etwa doppelt so lang. Wir fanden das Dorf und auch die Straße, am Haus war zwar keine Nummer, aber die Nachbarn meinten, das sei das Touristen-Haus. Wir wurden in einen großen Raum mit einer langen Tafel geführt, an der wohl 20 Personen gut speisen konnten, und so üppig bewirtet, dass wir Angst vor dem Abendessen bekamen. (mehr …)

  • Handtücher und Obstplantagen

    Handtücher und Obstplantagen

    Vorheriger Tag: Bier und Benzin

    Nach dem Frühstück wollten wir nach Kadji-Sai an der Südküste des Issyk-Kul weiterfahren. Ich fragte Aida, wo wir ein Taxi bekommen könnte, sie meinte zunächst, ein Taxi sei doch sehr teuer und wir könnten doch die Marschrutka  vom Busbahnhof aus nehmen. Aber dann redete sie mit Maksat, ihrem Mann und sagte, er würde sich um das Taxi kümmern. Maksat telefonierte und teilte mir mit, dass das Taxi 3.000 SOM (etwa 40 €) kosten würde. Ich war einverstanden und Maksat versicherte mir, dass das Taxi in 10 min da sein würde.

    Etwas überrascht stellte ich 10 min später fest, dass Maksat selbst vorfuhr mit dem Auto, mit dem wir vor 6 Tagen das Benzin für unseren Kocher besorgt hatten. An der gleichen Tankstelle hielt er auch dieses Mal an und meinte, er bräuchte das Geld jetzt zum tanken. Ich gab ihm die 3.000 SOM, er tankte ein paar Liter und wir fuhren weiter. (mehr …)

  • Bier und Benzin

    Bier und Benzin

    Vorheriger Tag: Nomadentochter und Stadtjunge

    In der Nacht hatte es heftige Gewitter gegeben und morgens regnete es. Wir lagen in unseren Schlafsäcken und beschlossen, dass wir bis 9:00 Uhr warten könnten, dann würden wir immernoch um 10:00 Uhr in Ecklili-Tasch sein, wo wir hoffentlich Tölön treffen würden. Kurz vor 9:00 Uhr hörte der Regen auf. Wir packten rasch, verzichteten aufs Frühstück und marschierten nach Ecklili-Tasch. Schon von weitem entdeckten wir den blauen Mitsubishi, mit dem Tölön uns vor 5 Tagen nach Ken-Suu gebracht hatte. (mehr …)

  • Nomadentochter und Stadtjunge

    Nomadentochter und Stadtjunge

    Vorheriger Tag: I just call…

    Mit Ausnahme einer Nomaden-Familie, die auf der anderen Seite des Flusses ihre Jurte aufgebaut hatte, waren wir in diesen Tagen weitgehend allein im Tjup-Tal südöstlich von Eckili-Tasch. Am Vormittag machten wir eine kleine Wanderung auf einen nahen Hügel, von dem aus wir einen schönen Blick auf die Gipfel des Tien Shan vom Pik Nansen bis Alexander von Humboldt hatten. Plötzlich donnerte es in der Ferne und wir sahen gleich drei Gewitter herankommen. Eilig kehrten wir zu unserem Lager zurück, kochten uns noch eine Brühe und verkrochen uns ins Zelt. Zwar zog der Regen an uns vorbei, dafür rüttelte ein Sturm am Zelt, wie wir ihn zuvor noch nicht erlebt hatten. Ich stemmte mich von innen gegen den Wind, das Zelt und alle Zeltnägel hielten.

    Nachmittags war das Wetter wieder schön, wir spazierten am Fluss auf und ab und warfen Steine in das wilde Wasser. Am Abend dachte ich mir die Geschichte von der Nomadentochter Dshamilja und dem Jungen Tschingis aus Karakol aus – so viele kirgisische Vornamen, die mir gefielen, kannte ich noch nicht. Es war eine langwierige und komplizierte Liebesgeschichte über 15 Jahre, ich erzählte sie Cornelia bis zum Einschlafen.

    Nächster Tag: Bier und Benzin

  • I just call…

    I just call…

    Vorheriger Tag: Enzian und Edelweiß

    Wir wanderten zurück bis ca. einen Kilometer vor Eckili-Tasch und bauten unser Zelt auf. Gegen 16:00 Uhr ging ich hinüber nach Eckili-Tasch, um Azamat anzurufen. An Stalbeks Jurte stand eine Gruppe Kirgisen, die etwas kochten. Ich ging zu ihnen und erklärte, dass ich telefonieren müsse. Sie meinten, dass man dazu um 18:00 Uhr am Militärposten die Möglichkeit hätte. Außerdem gäbe es eine deutsche Gruppe, die hätten wohl ein Satellitentelefon und wären etwa um 17:00 Uhr wieder da. Sie luden mich ein, mich zu ihnen zu setzen. Ich lehnte ab und erklärte, dass meine Frau im Zelt auf mich wartete. Allgemeines spöttisches Gelächter und Kommentare, die ich nicht verstand.  (mehr …)

  • Enzian und Edelweiß

    Enzian und Edelweiß

    Vorheriger Tag: „Fenster und Fassaden“ im Tien Shan

    Die Nacht über grübelten wir hin und her, ob wir weiter gehen könnten. Irgendwann war klar, dass ich nicht fit genug dafür war. Wir entschieden beim Aufwachen, heute an diesem Ort zu bleiben, am nächsten Tag Richtung Eckili-Tasch zurück zu gehen und Tölön, der uns nach fünf Tagen abholen sollte, dorthin zu beordern. Wichtiger, als unbedingt den geplanten Weg zu schaffen, war die Akklimatisierung, damit wir für die neuntägige Reittour fit wären, die wir im Anschluss geplant hatten.

    Wir verbrachten den Tag mit Spaziergängen, vor allem, um halbwegs sauberes Wasser zu finden, das wir nun immer abkochten. Die Wiesen waren voller Blumen, die wir auch aus den Alpen kannten, verschiedene Sorten Enzian und sogar Edelweiß fanden wir.

    Edelweis im Tien Shan

    Nächster Tag: I just call…

  • „Fenster und Fassaden“ im Tien Shan

    „Fenster und Fassaden“ im Tien Shan

    Vorheriger Tag: In den Tien Shan mit Hindernissen

    Nachdem wir Pancakes gebacken, Tee gekocht, gefrühstückt und unser Zelt abgebaut hatten, wollte ich noch schnell mit GPS unsere Position checken. Merkwürdigerweise passte die überhaupt nicht zu Eckili-Tasch. Trotzdem liefen wir zunächst in die von Tölön angegebene Richtung. Mir fiel ein, dass Azamat mich darauf hingewiesen hatte, dass Eckili-Tasch eine Militärstation sei und auch in der Karte, die zwar alt und im Maßstab 1:100.000 ist, waren Häuser zu sehen. Nach 45 min verglich ich die Landschaft mit der Karte und alles war klar. Tölön hatte uns nicht nach Eckili-Tasch gebracht, sondern schon in Ken-Suu abgesetzt, etwa 12 km vor Ecklili-Tasch. Wir studierten die Karte und entschieden, umzukehren und der Schotterpiste auf der anderen Seite des Flusses bis Ecklili-Tasch zu folgen. (mehr …)

  • In den Tien Shan mit Hindernissen

    In den Tien Shan mit Hindernissen

    Vorheriger Tag: Ein Taxifahrer mit Brüdern

    Um 12:00 Uhr sollte der Fahrer mit den Permits am Hotel sein. Gegen 13:00 Uhr kam er und sagte, die Permits kämen in 10 min. Daraus wurden zwei Stunden. Wir unterhielten uns ein bisschen mit ihm, er hieß Tölön. In Kirgistan wollen alle wissen, wie viele Kinder und Enkel man hat, er hatte sechs Kinder und 10 Enkel und war 57 Jahre alt. Er hatte in der DDR als Soldat gedient, zeigte uns ein Bild von sich als 18jähriger Soldat. In Kirgistan haben alle die wichtigen Bilder ihres Lebens auf dem Smartphone. (mehr …)

  • Ein Taxifahrer mit Brüdern

    Ein Taxifahrer mit Brüdern

    Vorheriger Tag: Zwei Verspätungen und zwei Feuerzeuge

    Der Flug verlief reibungslos. Wie immer in solchen Fällen war nervig, dass auf dem gerade mal vierstündigen Nachtflug von Moskau nach Bishkek trotzdem Essen und Getränke serviert wurden, sodass man nur zwei Stunden schlafen konnte. Gegen 5:00 Uhr waren wir in Bishkek (Ortszeit, also 1:00 Uhr in Deutschland). Dort wandte ich mich an den Mann am Taxischalter, um ein Taxi nach Karokol zu bekommen (100 € für eine sechsstündige Fahrt). Der Taxifahrer unterhielt sich mit uns, indem er russisch in eine App seines Smartphones sprach (Google Translator o.ä.). Die Übersetzung wurde auf englisch angezeigt und vorgelesen, während er am russischen Text prüfte, ob die App ihn richtig verstanden hätte. (mehr …)