Archiv der Kategorie: Philosophie

Wortwörtlich

„Denn eben wo Begriffe fehlen, da stellt ein Wort zur rechten Zeit sich ein“ lässt Goethe seinen Mephisto zu Fausts Schüler sagen. Und er fährt fort: „Mit Worten lässt sich trefflich streiten, mit Worten ein System bereiten…“ Solche Streits mit Worten, bei denen Begriffe fehlen, erleben wir auch heute noch tagtäglich, an Kneipentischen und in sozialen Medien hauen wir uns Worte um die Ohren ohne uns auch nur im geringsten darum zu scheren, ob denn da auch ein Begriff sei.

Schon in diesem Moment müssen wir zum ersten Mal innehalten und uns fragen, was denn so ein Satz wie der soeben hingeschriebene überhaupt besagt.

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Die neuen Marxisten

Man könnte inzwischen wahrscheinlich Bücherschränke füllen mit Werken zu der Frage, wie das Internet unser Leben, unser Denken, unsere Art zusammenzuleben verändert hat, und die Zahl der Vorträge, die gehalten, der Artikel, die geschrieben werden, um die Veränderungen zu beschreiben, die das Internet ausgelöst oder angestoßen hat, dürfte inzwischen kaum noch zu zählen sein.

Fernsehsendungen erklären uns die Veränderungen und Gefahren, die vom Internet ausgehen und geben uns Tipps, wie wir uns in dieser neuen Welt, die aus dem Internet kommt, schützen können, wie wir den Fallen des Netzes entgehen können, oder wie wir die neuen Möglichkeiten, die das Internet bietet, nutzen können.

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Im Kriege nichts Neues

Die Methoden der Kriegsführung entwickeln sich ständig weiter, Elektronik und Automatisierung ziehen halten auch in die Militärtechnik Einzug. Ändert sich dadurch der Charakter des Krieges? Verändert sich der militärische Einsatz grundsätzlich dadurch, dass ferngesteuerte Drohnen und programmierte hochkomplexe Kampfroboter zum Einsatz kommen? In einer Beitrag für die FAZ meinte Frank Rieger kürzlich, der Einsatz von Kampfcomputern würde letztlich dazu führen, dass „die Grundfesten moralischen und humanistischen Handelns erodieren“. Aber da hat er offensichtlich das Wesen des Militärischen, wie es sich spätestens im Ersten Weltkrieg manifestiert hat, gründlich missverstanden.

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Was heißt eigentlich „relativieren“

„Man kann nicht Äpfel und Birnen vergleichen“ das ist so eine Floskel, bei der ich mich jedes Mal frage, was für einen Unsinn sie eigentlich behauptet. Natürlich kann man Äpfel und Birnen vergleichen: So z.B. hinsichtlich der Größe, der Haltbarkeit, des Zuckergehaltes, aber auch in Bezug auf den Geschmack. Man kann Äpfel auch mit Pflaumen vergleichen, sogar mit Kartoffeln oder mit Blumenkohl, erst wenn jemand beginnt, Äpfel z.B. mit Hunden oder Mobiltelefonen zu vergleichen, wird es schwierig, noch an sinnvolle Vergleichskriterien zu glauben, und wer versucht, Äpfel mit Mondlandungen zu vergleichen, der wird Schwierigkeiten bekommen, sich verständlich machen zu können.

Man kann also vieles miteinander vergleichen, das kann eine spaßige Sache sein. Nur, wenn jemand verschiedenes miteinander gleichsetzt, dann kann der Spaß ganz schnell vorbei sein: Wer sagt, Äpfel und Birnen seien im Grunde das Gleiche, der fordert die Obst-Spezialisten heraus, die auf die feinen Unterschiede zwischen der runden und der Kanzlerkopf-förmigen Frucht verweisen und bemerken, man dürfe diese Unterschiede nicht relativieren. Relativieren heißt: Unterschiede verwischen, nicht wahrnehmen oder bewusst ausblenden. Was heißt eigentlich „relativieren“ weiterlesen

Das Sprach-Netz

Die Sprache, in der Gruppen von Menschen sich verständigen, gehört zu den zentralen Bestandteilen ihrer Kultur. Durch eine gemeinsame Sprache ist Verständigung, Abstimmung des Handelns und damit das gemeinsame Schaffen einer Kultur überhaupt erst möglich. Unterschiedliche Sprachen führen aber auch zur Abgrenzung von anderen Gemeinschaften. Wittgensteins berühmter Satz „Die Grenzen meiner Sprache sind die Grenzen meiner Welt“ bringt auf den Punkt, wie sehr wir in unserem Umgang mit anderen und bei der Erschließung der Umwelt durch die Sprache begrenzt sind.

Das ist so lange unproblematisch, wie mir in der Welt nur Menschen begegnen, mit denen ich eine gemeinsame Sprache habe – und das ist ja zunächst der Normalfall: Ich lerne als Kind die Sprache meiner Eltern und die der anderen Kinder, in der Schule werde ich mit der Sprache der Lehrer vertraut gemacht, die Sprache meines Berufes lerne ich von Menschen, die mir in der Ausübung dieses Berufes begegnen. Wenn mein Handeln nur von Menschen abhängt, die die gleiche Sprache wie ich sprechen und wenn dieses Handeln nur für diese Menschen relevant ist, dann gibt es kein Problem in der Vermittlung von Handlungen und Sprache. Die Grenzen meiner Sprache sind dann auch die Grenzen der anderen, es sind die Grenzen unserer gemeinsamen Welt. Das Sprach-Netz weiterlesen

Bei ScienceBlogs: Inflation contra Ekpyrosis

Eric Hand beschreibt in seinem News Feature „The Test of Inflation“ (nature 458, 16 April 2009, pp 820-824) die spannende Geschichte der Entwicklung der Big-Bang-Theorie und der Anstrengungen, empirische Evidenz zu finden für die Idee der „Inflation“, also der Annahme, dass das Universum kurz nach dem Urknall erst sehr schnell expandiert ist, dann seine Ausdehnung abgebremst hat und nun nur noch mit einer geringen Rate weiter expandiert.

Am Rande stellt Hand die konkurrierende Theorie der Ekpyrosis vor. Nach dieser ist der Big Bang nicht der Beginn des Universums überhaupt, sondern die Kollision zweier dreidimensionaler Universen innerhalb eines zehndimensionalen Raumes. In diesem Raum pendeln die dreidimensionalen Universen hin und her wie „Wäschestücke an Wäscheleinen“ und stoßen alle paar trillionen Jahre zusammen.
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Für eine Theorie der empirischen Forschung

Die wissenschaftstheoretische Diskussion hat sich lange Zeit auf das Problem der Rechtfertigung wissenschaftlicher Theorien konzentriert. Wissenschaftliche Theoriebildung sowie deren Bestätigung, Weiterentwicklung oder Widerlegung stand im 20. Jahrhundert deutlich im Zentrum des Interesses der Philosophen, die sich mit den Problemen der Wissenschaften beschäftigt haben. Über lange Zeit schien es so, als ob Wissenschaft im Wesentlichen eben aus diesen Tätigkeiten der Theoriebildung sowie deren Prüfung bestehen würde.

Ian Hacking hat diese Sicht zu Beginn der 1980er Jahre einer tiefgreifenden Kritik unterzogen. Der darstellenden Tätigkeit des Theoretikers hat er das gleichberechtigte Eingreifen des Experimentators zur Seite gestellt und gezeigt, dass dessen Tätigkeit zum einen nicht, wie Karl Popper meinte, dem Theoretiker nachgeordnet ist und dass zum anderen der Experimentator über weite Strecken ohne eine Theorie dessen, was er im Experiment veranlasst und beobachtet, auskommt.

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Das Politische jenseits der Politik

Politik im engeren Sinne, das sind die Handlungen der Regierungen und Parlamente, das ist Gesetzgebung und internationale Diplomatie. Aber auch außerhalb dieser Sphäre wird Handeln oft als politisch bezeichnet. Dabei ist nicht gemeint, dass Entscheidungsträger der Politik auch in anderen Bereichen wie der Wirtschaft, der Wissenschaft und der Kultur tätig werden, also Wirtschafts-, Wissenschafts- und Kulturpolitik betreiben. Es ist ein bestimmtes Verhalten der Akteure innerhalb des jeweiligen Systems, welches wir als „politisches“ charakterisieren.

Von solchem politischen Verhalten sprechen wir z.B.

  • wenn Positionen und Ämter nach anderen Kriterien als nach fachlicher oder personeller Eignung vergeben werden, aber auch persönliche Beziehungen und „Seilschaften“ keine unmittelbare Rolle spielen,
  • wenn langfristige Kooperationsvereinbarungen getroffen werden, deren unmittelbarer Nutzen nach den üblichen Kriterien nicht ersichtlich ist,
  • wenn Gemeinsamkeiten innerhalb einer Gruppe und Unterschiede zu anderen Gruppen betont werden ohne dass diese im Einzelfall nachweisbar sind oder ihre Relevanz für die Lösung der anstehenden Probleme klar erkennbar ist.

Was ist das Gemeinsame an diesen Handlungen und was ist an ihnen das spezifisch Politische? Das Politische jenseits der Politik weiterlesen