Das fragwürdige Lockdown-Papier der Leopoldina

Es ist fast genau ein Jahr her, dass die Leopoldina mit einer Ad-hoc-Stellungnahme massiven Druck auf die Politik und die Öffentlichkeit in Deutschland aufgebaut hat, um harte Maßnahmen zur Beschränkung sozialer Kontakte und zur Einschränkung des öffentlichen und privaten Lebens zu erreichen. Die Argumentation, die den Kurs des Bundeskanzleramts unterstützte, und die schmale wissenschaftliche Basis dieser Stellungnahme wurden damals kritisiert – einige Kultusminister hegten den Verdacht, das Papier sei von Kanzleramtsminister Helge Braun „bestellt“ worden, um Schulschließungen durchzudrücken.

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Die Rationalität der Impfentscheidung

Menschen, die sich nicht impfen lassen, wird oft vorgeworfen, dass sie sich irrational verhalten würden, dass sie nicht auf die Wissenschaft und die Erfolge der Medizin achten würden. Mit zunehmender Emotionalisierung der Debatte werden die Attribute stärker: „wirr“ seien sie, „nicht mehr bei Verstand“. Aber ganz so einfach ist es nicht. Dieser Text versucht, die Vernunft in der Impfentscheidung zu entschlüsseln. Achtung, Spoileralarm: Wer sich impfen lassen hat und sich über die Rationalität dieser Entscheidung auf keinen Fall verunsichern lassen will, sollte hier nicht weiterlesen. Alle anderen sollten sich in aller Ruhe und ohne die heimliche Frage „was will er denn damit suggerieren?“ auf den Gedankengang einlassen. Noch ein Spoiler: Am Ende steht, warum (und in welchem Sinn) es rational ist, sich impfen zu lassen.

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Ein Leben mit Stromausfall

Werden wir nach dem Gipfel von Glasgow realistisch: Nichts deutet darauf hin, dass die CO2-Ziele, die erreicht werden müssten, um den Klimawandel erträglich zu halten, global eingehalten werden können. Es ist an der Zeit, sich einmal zu fragen, wie man sich auf den realen Klimawandel einstellen könnte.

Der Klimawandel beginnt damit, dass Extremwetterereignisse, Starkregen, Stürme und damit einhergehende Überschwemmungen, häufiger werden, so häufig, dass die Folgen des einen Unwetters noch nicht beseitigt sind, bevor das nächste hereinbricht.

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Im Vakuum zwischen Wissenschaft und Politik

Gleich in der Überschrift der Keynote des Historikers Caspar Hirschi tauchte das Wort „Bermudadreieck“ als Beschreibung für das Feld zwischen Wissenschaften, Politik und Medien in der Coronapandemie auf. Bekanntlich ist das Bermudadreieck eine Meeresregion, in der angeblich immer wieder Schiffe und Flugzeuge auf mysteriöse Weise verschwinden.

Auf der Konferenz „Follow The Science – aber wohin?“, die die Rudolf-Augstein-Stiftung am Montag in Berlin veranstaltete, wurde allerdings nicht so recht klar, was denn im Corona-Bermudadreieck abhandengekommen sei. Überhaupt wurde, auch wenn viel Interessantes gesagt wurde, nur weniges richtig klar. Womöglich ist es das: Verschwunden ist die Klarheit, das gegenseitige Verstehen, das konstruktive Gespräch. Wie im Bermudadreieck nur die Leere bleibt, so bleibt in der aktuellen Coronadebatte zwischen Wissenschaft, Politik und Journalismus vor allem eine große Sprachlosigkeit. Diese Sprachlosigkeit herauszuarbeiten, das ist der Konferenz gelungen – und das ist vielleicht auch schon ein Erfolg.

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Auf dem Weg in die Expertokratie?

Fünfunddreißig Wissenschaftler, Virologinnen und Ärzte, Physiker, Gesundheitsexpertinnen und Soziologen, haben eine Erklärung zur aktuellen Lage in der Pandemie veröffentlicht. Sie machen sich Sorgen und haben Forderungen an die Politik. Sie wollen die Spaltung der Gesellschaft überwinden, so sagen sie, und sie fordern, dass die Politik in ihrem Handeln auf die Wissenschaft hört. Dafür soll, nach dem Willen der 35, ein Expertenrat eingerichtet werden. Einige aus der Gruppe sind aus den Medien gut bekannt, etwa die Virologin Melanie Brinkmann, der Physiker Michael Meyer-Hermann oder der Soziologe Armin Nassehi. Dass diese Personen in der Politik in den letzten Monaten zu wenig Gehör gefunden hätten, klingt überraschend. Bei genauer Lektüre des Textes drängt sich der Eindruck auf, dass die Autoren eine überraschend simple Vorstellung von Politik in der demokratischen Gesellschaft haben.

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Der 2G-Kurzschluss

Neuseeland ist uns immer ein Stück voraus. Wenn hier noch Sonntagabend ist, starten die Neuseeländer schon in die neue Woche. Aber auch in der Corona-Politik scheinen sie dort immer einen gewissen Vorsprung zu haben: Argumente, wie sie die neuseeländische Ministerpräsidentin Jacinda Ardern zum Thema äußert, tauchen zwar nicht nach zwölf Stunden, aber spätestens nach zwölf Tagen wie selbstverständlich in der politischen Diskussion in Deutschland auf. Am 21. Oktober antwortete Ardern auf die Frage, ob sie nicht im Grunde eine Art Zwei-Klassen-Gesellschaft der Geimpften und der Ungeimpften, plane: „Das ist es, was es ist.“

Die Begründung, warum dies geboten sei, ist inzwischen auch hierzulande bereits fast zu einem gesellschaftlichen Konsens geworden. Ardern sagte in dem Gespräch vor drei Wochen: „Menschen, die geimpft sind, wollen wissen, dass sie von Menschen umgeben sind, die auch geimpft sind. Sie wollen wissen, dass sie in einer sicheren Umgebung sind. Es ist eine Möglichkeit, diesen Menschen das Vertrauen zu geben, dass sie wieder hinausgehen können und sicher sind.“

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Drostens Notizbuch

Die tägliche Zahl der gemeldeten Corona-Neuinfektionen beträgt in Deutschland nun wieder einige Zehntausend. Das klingt viel, aber ist es wirklich dramatisch? Wenn man bedenkt, dass Rundfunksender, Fernsehen und Printmedien diese Zahlen Tag für Tag und Stunde für Stunde prominent vermelden, angereichert durch die Bemerkung, dass es sich dabei um Rekordwerte handelt, die schon über denen des Lockdown-Frühjahres liegen, und ergänzt um den drohenden Hinweis, dass der Winter ja erst noch bevorsteht, könnte man meinen, die Zahlen symbolisierten eine kommende, fast nicht aufzuhaltende Katastrophe. Aber für sich genommen sind diese Zahlen gar kein Problem und sie sind zunächst auch kein Hinweis darauf, dass sich die Bevölkerung wieder mal falsch verhalten habe – nicht mal als Symbol für Politikversagen taugen sie. Der Skandal liegt ganz woanders.

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Das Berater-Problem

An neue Regierungskonstellationen werden neue Erwartungen geknüpft – nicht nur hinsichtlich der Inhalte, sondern auch hinsichtlich der Art, wie Herausforderungen angepackt und Lösungen gefunden werden. Die meisten konkreten Fragen, auf welche die neue Bundesregierung Antworten finden muss, sind heute noch unbekannt.

Umso wichtiger wäre es, sich über die Verfahren der Entscheidungsfindung schon in den Koalitionsgesprächen zu einigen. Dem Umgang der Politik mit der wissenschaftlichen Politikberatung kommt dabei eine besondere Bedeutung zu, ist doch die Ansicht weit verbreitet, dass die Wissenschaft in der Lage wäre, die Probleme richtig zu beschreiben und sogar die besten Vorschläge dafür zu erarbeiten, was politisch und gesellschaftlich zu tun sei, um sie beherrschbar zu machen.

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