Alle Beiträge von Joerg

Destruktive Konstruktion

Das Gegenteil von Konstruktion ist nicht Dekonstruktion sondern Destruktion. Deshalb „dekonstruieren“ die meisten Leute auch nicht, wenn sie Begriffe oder Argumente zerstören / zerlegen / kaputtmachen – sie destruieren. Dekonstruieren ist eben immer ein gleichzeitige Konstruieren, und das machen und können meines Wissens nur sehr wenige. Heidegger hat es getan, ohne es zu wissen, ohne den Namen dafür zu haben. Derrida hats dann später „erfunden“.

Stillstand und Veränderung

Manchmal denke ich, dass mein philosophisches Denken sich ständig verändert. Und dann finde ich eine 8 Jahre alte kleine Skizze, die ganz wunderbar zu den Gedanken passt, die ich gerade jetzt Stück für Stück entwickle. Offensichtlich gibt es mehr Konsistenz in meinem Denken, als ich gemeinhin glaube.

Soziale Medien liest man nicht, man teilt und liked

Ich liebe diese so genannten sozialen Medien von Tag zu Tag mehr. Gerade wird ganz fleißig ein Artikel des Independent geteilt. Im Link kann man den Anfang der Überschrift lesen: „Nur drei der 58 Männer, die wegen der Kölner Sex Attacken festgenommen wurden, waren Flüchtlinge“. Öffnet man den Link, wird man sofort stutzig, denn die Überschrift geht noch weiter „… aus Syrien oder dem Irak“. Neugierig geworden, liest man den ganzen Text und findet dann die Information, die auch nicht neu ist, dass die meisten anderen eben aus Marokko, Afghanistan usw. stammten.

Ja, das würde man zumindest lesen, wenn man auf den Link auch klicken würde, den man da teilt. Macht aber keiner. Der kleine Schnipsel vom Anfang reicht ja völlig aus, um sich über irgendwas aufzuregen, hier übrigens meistens über die böse deutsche Presse, die das natürlich nicht meldet, was der Independent da ermittelt hat – Lügenpresse! Witziges Zusammentreffen, denn auf die Presse schimpfen doch sonst eigentlich immer die vom bösen rechten Rand „wink“-Emoticon

 

O.F. Weidling

„In Traueranzeigen kann man oft lesen: Herr Soundso starb viel zu früh. Man möchte die Hinterbliebenen immer fragen: Wann wäre es Ihnen denn recht gewesen?“ Ich kann mich noch gut an diese Sätze von O. F. Weidling erinnern, der 1985 im Alter von 61 Jahren übrigens viel zu früh gestorben ist.

Allahu Akbar

Da kommt mir doch eben im Regen auf der Münsteraner Promenade ein ca. 12jähriger fetter Junge entgegengeradelt, zugegeben, mit krausem schwarzem Haar und einem dunkleren Teint als ich den habe, und schreit laut “Allahu Akbar”! Echt wahr. Ich muss gestehen, der hat mir keine Angst gemacht.

Zwei Wochen DieKolumnisten

Vor zwei Wochen, am 30.09., saßen nachmittags rund ein Dutzend Autoren mit Hochspannung vor den Bildschirmen und verfolgten aufgeregt, wie die Seite DieKolumnisten.de allmählich ihre jetzige Gestalt annahm. In einer Beta-Version hatten wir in den Wochen zuvor gemeinsam das Layout und das Konzept entwickelt, erste Kolumnen waren vorbereitet. Spätabends war alles wie geplant fertig, denn am 01.10. sollte die Seite Live geschaltet werden und die ersten Debattenbeiträge sollten erscheinen.

Ich finde, uns ist ein fulminanter Start gelungen und die viele Arbeit in den Wochen davor hat sich voll gelohnt. Vom ersten Tag an erscheinen bei den Kolumnisten zwei bis vier kompetente, herausfordernde Meinungsartikel. die Vielfalt der Autorinnen und Autoren besteht nicht nur in ihren politischen Ansichten und ihren persönlichen Sichten auf die Welt, sondern auch in den stilistischen Mitteln, mit denen sie ihren Meinungen Ausdruck geben. Zwei Wochen DieKolumnisten weiterlesen

In eigener Sache: Die Kolumnisten

Logo der Debattenplattform DieKolumnisten
Logo der Debattenplattform DieKolumnisten

Bis vor einem Jahr habe ich mehr oder weniger regelmäßig Kolumnen auf der Debattenplattform The European geschrieben. Gerade hatte ich in den letzten Wochen darüber nachgedacht, wie ich diese Kolumne nachhaltig reaktivieren könnte, da las ich, dass The European überraschend eingestellt werden muss. Das war ein schwerer Schlag. Am meisten natürlich für die betroffenen Mitarbeiter und Autoren, aber auch für alle Freunde der öffentlichen Debatte.

Umso erfreulicher war es, als ich erfuhr, dass der harte Kern der The-European-Kolumnisten eine eigene Plattform plant: Die Kolumnisten. Und die größte Freude für mich: die Autoren nahmen mich freundlich in ihren Kreis auf. Das heißt: Ab Anfang Oktober wird Arte-Fakten wieder regelmäßig zu lesen sein. Bis dahin ist allerdings noch viel zu tun. Erfreulicherweise kann ich mich als Kenner von WordPress dabei auch ein bisschen nützlich machen.

Stay tuned!

Ich wäre auch ein Flüchtling

Ich stelle mir vor, ich wäre in einem anderen Land zur Welt gekommen. In Syrien oder in Eritrea oder in Somalia. Würde ich glauben, dass sich in meinem Heimatland die Dinge so zu Guten wandeln lassen, dass das Leben für mich und meine Familie lebenswert würde, dass ich meine Ziele und Träume realisieren könnte? Wohl kaum. Was also würde ich tun? Wenn ich genug Mut und Kraft hätte, würde ich versuchen, dort wegzukommen. Wenn ich selbstbewusst und aktiv genug wäre, um mir mir in der Fremde ein besseres Leben vornehmen zu können, würde ich versuchen, nach Europa zu kommen. Ich würde hoffen, dass ich dort durch Beharrlichkeit, Arbeit und Kreativität meine Träume erfüllen könnte.
Wäre ich in Somalia, Eritrea oder Syrien geboren, säße ich jetzt in einem Schlauchboot auf dem Mittelmeer. Oder in einem Asylbewerberheim irgendwo in Deutschland.
Ich wäre ein Flüchtling, wenn ich dort geboren wäre.

Update in eigener Sache: Eine Software für die Verwaltung von Informationen bei der Betreuung und Unterbringung von Flüchtlingen ist bei INDAL entstanden. Hier gibt es dazu detaillierte weitere Informationen: Refugee Care Software zur Flüchtlingsverwaltung

Drei Mal Sonnenfinsternis

An meine erste Sonnenfinsternis kann ich mich noch gut erinnern. Wir standen auf dem Schulhof, es waren Fernrohre aufgebaut, unter die ein Papierschirm gespannt war. Darauf beobachteten wir das Geschehen, ich sehe noch heute das Bild der verschatteten Sonne vor mir. Um uns zu demonstrieren, wie gefährlich es wäre, direkt durch das Fernrohr zu schauen, zündete sich der Lehrer seine Zigarette in dem Lichtstrahl an, der aus dem Fernrohr kam. Drei Mal Sonnenfinsternis weiterlesen

Gleicher Lohn für gleiche Arbeit. Ja, und?

Die SPD will alle Gehälter öffentlich machen. Mal abgesehen davon, dass das ein unverschämter Eingriff in die Privatsphäre von Arbeitnehmern ist, würde es für das angebliche Ziel, die Einkommensunterschiede zwischen Männern und Frauen (Gender Pay Gap) zu beseitigen, überhaupt nichts bringen. Ich las kürzlich, dass die bereinigte Einkommenslücke nach Berücksichtigung unterschiedlicher Berufe und Qualifikationen noch ca. 7% beträgt, berücksichtigt man zudem noch unterschiedliche Berufserfahrungen und Unterbrechungszeiten, bleiben noch 2%.
Man kann Ähnliches z.B. hier 
nachlesen.

Das Problem ist also nicht, dass Männer und Frauen unter gleichen Bedingungen unterschiedlich verdienen, da ist die Differenz kaum messbar, sondern, dass die Bedingungen verschieden sind. Da muss man ansetzen. Die Forderung der SPD klingt toll, geht aber an den Problemen vorbei. Eine Veröffentlichungspflicht für Gehälter wird an den Problemen nichts ändern, weil die Differenzen fast komplett „erklärbar“ sind. Ob sie gerecht sind, steht auf einem anderen Blatt. Gleicher Lohn für gleiche Arbeit. Ja, und? weiterlesen