Alle Beiträge von Joerg

Die Angst beim Spiel mit dem Luxus

Lambert Wiesing ist Phänomenologe, und in seinem Buch über den Luxus kann man ganz wunderbar lernen, was diese philosophische Methode leistet und wie sie vorgeht. Allein dafür lohnt es sich schon, das Buch zu lesen. Aber es lohnt sich auch dann, wenn man eine aktuelle Antwort auf die große philosophische Frage „Was ist der Mensch?“ finden möchte.

Genauer gesagt, lautet die Frage, eben phänomenologisch formuliert: Wie ist es, sich als Mensch zu erleben? Natürlich wissen die meisten Menschen, wenn sie gefragt werden, dass sie Menschen sind. Aber was macht das Menschsein aus, und wann merken wir, dass wir gerade wirklich ganz Mensch sind? In seinem Buch über den Luxus will Wiesing genau diese Frage für die Gegenwart, für unser hier und heute beantworten. Er zieht dabei eine Linie von Schiller über Heidegger zu seiner eigenen Sicht, in der er ausgerechnet dem Luxus einen entscheidenden Platz zuweist.

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Luthers 95 Thesen

Wir bereiten uns auf den 500. Jahrestag des Ereignisses vor, mit dem die Reformation begann: Die Veröffentlichung der 95 Thesen Martin Luthers. Eifrig wird über die Frage gestritten, ob er nun wirklich ein Blatt mit diesen Thesen an die Kirchentür genagelt hat, oder nicht. Aber was steht da drin? Und hat es was mit uns im Hier und jetzt zu tun? In 95 Folgen werde ich die 95 Thesen darauf prüfen, ob wir ihnen heute noch Sinn geben können. Hier geht es zur Übersicht.

Terror und Masern

Es war so etwas wie das Entspannungsmantra der letzten Tage: Wir müssen keine Angst haben, bei einem Amoklauf ums Leben zu kommen.

Experten aller Fachrichtungen, Medien aller Couleur, Facebook-Nutzer aller Überzeugungen haben es eingesetzt, in der Hoffnung, die deutsche Seele zu beruhigen.

Wir sollen in den Urlaub fliegen, wir sollen weiterhin in Einkaufszentren und zu Konzerten gehen, im Café sitzen, mit der Regionalbahn fahren. Mit einem Wort: Wir sollen keine Gefahrensituation meiden aus Angst, dass ein Irrer dort auf uns schießen oder eine Bombe zünden könnte.

Argumentiert wird dabei gern mit Statistiken. (Weiterlesen auf Welt.de)

Schirach ohne Moral

Es wird wohl das erfolgreichste Theaterstück der kommenden Spielzeiten an deutschsprachigen Bühnen werden. Schon jetzt haben 312.000 Menschen das Stück gesehen, und viele Theater haben für die kommende Spielzeit die Premiere im Programm.

Dabei ist „Terror“ von Ferdinand von Schirach gar kein „richtiges Theaterstück“. Es ist sozusagen die Live- und Echtzeitdarstellung einer Gerichtsverhandlung, mit „Anklageverlesung“, „Zeugenvernehmungen“, „Plädoyers“ und einem „Urteil“ – und die Zuschauer, die sind bei dem ganzen Schauspiel auch nicht einfach das Publikum, sie sind die „Richter“, oder die „Schöffen“, die ein „Urteil“ sprechen, die über „Freispruch“ oder „Schuldig“ zu befinden haben. Schirach ohne Moral weiterlesen

Über sexuelle Orientierung

In einem Beitrag für Die Kolumnisten gehe ich der Frage nach, welche Konsequenzen sich ergeben würden, wenn die sexuelle (oder genauer: die erotische) Orientierung des Menschen nicht biologisch festgelegt wäre. Natürlich gibt es dazu heftigen Widerspruch. Aber die Wissenschaft liefert für keine These stichhaltige Beweise oder sichere Belege. Nachdenken muss erlaubt sein, egal, wem man damit „das Wort redet“.

Was heißt Denken?

Menschliche Intelligenz besteht darin, über eigene Schwächen, Sehnsüchte, Ziele, Wünsche nachdenken zu können, ihnen nachzusinnen, auf den Grund zu gehen. Spiele zu gewinnen ist zwar ein schöner Zeitvertreib und Wettkampf, hat aber nichts mit dem Wesen des menschlichen Denkens zu tun. Etwa die Gründe für die eigenen Handlungen zu finden, das Gewissen zu befragen, die Intuitionen und Wertvorstellungen kritisch zu reflektieren, das ist der Kern menschlicher Intelligenz. Phantasien zu entwickeln und über diese Phantasien nachzugrübeln, das ist menschliches Denken. Warum sollten Computer sich mit so etwas abgeben? Wie sollte man sich einen Algorithmus überhaupt denken (!) der so etwas tut?

Frozen – überraschend.

Endlich wieder Disney-Filme gucken! Nachdem die erste Enkelin nun 3 1/2 Jahre alt ist, ist die Disney-Trickfilm-Abstinenz nach bald 20 Jahren endlich vorbei. An diesem Wochenende sah ich „Frozen“ – und war überrascht: Keine Königssöhne mehr, die schwache Prinzessinnen retten, statt dessen starke junge Frauen, die sich selbst – im wahrsten Sinne des Wortes – durchschlagen, dabei aber immer noch mein klassisches Frauenbild bedienen. Und am Ende ist der „Kuss der wahren Liebe“ nicht der zwischen dem hilfsbereiten tapferen Jungen aus einfachen Verhältnissen und der Prinzessin sondern… ach nein, schaut es euch selbst an.