Archiv der Kategorie: Kultur

Flüchlinge zu Gast in der Demokratie

Vorweg gesagt: Ich habe bisher noch nichts für Flüchtlinge getan. Aber seit meine Tochter vor rund einem Monat dieses Video online gestellt hat, denke ich über das Thema immer wieder nach. Hier meine aktuellen Gedanken dazu.

Mit den anwachsenden Flüchtlingsströmen umzugehen und menschliche Tragödien wie etwa im Mittelmehr zu verhindern, ist ein globales Problem, bei dem internationale Organisationen und nationale regierungen gefragt sind. Aber gleichzeitig ist es bei diesem Thema wie bei keinem anderen möglich, globales Denken mit lokalem Handeln zu verbinden.
Flüchtlinge kommen nicht „nach Deutschland“ sondern nach Münster, direkt in unsere Nachbarschaft. In der Begegnung mit ihnen treffen die globalen Probleme direkt mit dem alltäglichen Leben zusammen. Auch wenn sie in Heimen am Stadtrand leben: Wir können hingehen, wir können direkt mit ihnen in Kontakt kommen. Wir können durch einfachste Dinge (Anika bringt in ihrem Video Beispiele) das Leben dieser Menschen erträglicher machen.
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Ist das Netz ein erweiterter Geist?

Die Idee des erweiterten Geistes setzt bei der Tatsache an, dass ich zum Denken und Entscheiden oft Hilfsmittel aus meiner Umgebung benötige. Ich mache mir Notizen, führe Telefonbücher, schreibe Einkaufszettel usw. Das alles entlastet mein Gehirn und hilft mir beim Denken prednisone 20mg dosage. Man könnte sagen, dass diese ganzen externen Hilfsmittel Teil meines Denkens sind, weil sie sozusagen ins Denken einbezogen sind. So, wie eine Liedtextzeile, die ich auswendig gelernt habe, zum Denken gehört, so gehört dazu auch die Zeile, die ich irgendwo nachschlage und ablese.

Dass das Internet zum Teil eines so verstandenen erweiterten Geistes wird, erleben wir heute tagtäglich in alltäglichen Verrichtungen. Das Smartphone ist das Kopplungsglied zwischen dem biologischen Geist im Gehirn und dem erweiterten Geist, der aus Kalender, Notizfunktion und E-Mail-Postfach, Suchmaschinen und Online-Enzyklopädien besteht. Wir rufen bei Bedarf eine Unmenge von Informationen aus dem Netz in einer Präzision und Zuverlässigkeit ab, die das Gehirn nicht liefern könnte, weil wir sie entweder nie gelernt haben oder weil sie längst im Ungewissen der Erinnerung versunken sind.

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Michael Blume: Evolution und Gottesfrage.

Das Buch scheint schon im Untertitel zu provozieren: „Charles Darwin als Theologe“. Der Mann, auf den sich alle berufen, die gegen Schöpfungsmythen und für natürliche Evolution argumentieren, soll ein Theologe gewesen sein? Aber Michael Blumes Buch ist keine Polemik, ist noch auf Provokation angelegt. Ganz nüchtern, in klarer, verständlicher, kurzweiliger Sprache sagt er, was zum Thema „Evolution und Gottesfrage“ bei Charles Darwin zu sagen ist.

Das geschieht in drei Teilen. Im ersten Teil rekonstruiert der Autor anhand vieler Originalzitate von Darwin selbst, aber auch von Begleitern und Diskussionspartnern, den Weg des Naturforschers vom gläubigen Christen zum Agnostiker. Dieser Weg war nicht widerspruchsfrei und voll von Selbstzweifeln, eben ein sehr menschlicher Weg eines großen selbstkritischen Geistes, und er führte ganz gewiss nicht zu einem simplen Atheismus. Man versteht sehr schön, und das ist eine große Leistung des Buchs, dass Naturforschung zwar zum Zweifel an einfachen, kindlichen Glaubensinhalten führt, aber nicht zur Ablehnung eines Schöpfergottes führen muss, dass vorurteilsfreie Naturforschung und Gottesglaube durchaus vereinbar sind.

Es gibt  aber neben der Frage, in wie fern der Glaube an Gott mit der Evolutionstheorie vereinbar ist, einen weiteren Aspekt, der unter dem Thema „Religion und Evolution“ betrachtet werden muss, und zwar die Frage, in wie fern die Evolutionsforschung selbst die Entwicklung von Religionen erklären kann. Das ist ein spannendes und vielfältiges Feld, das Blume im zweiten Teil seines Buches verständlich aufbereitet. In wie fern ist der Mensch biologisch zur Religion veranlagt, und ist diese Veranlagung vielleicht sogar ein Evolutionsvorteil? Ich muss gestehen, dass mich Blumes Buch hier zu einem Nachdenken angeregt hat, das noch lang nicht abgeschlossen ist.

So vorbereitet, kann man sich als Leser an den dritten Teil des Buchs machen, in dem Blume ausführlich den Standpunkt des so genannten „evolutionären Theismus“ beschreibt, der letztlich gerade im Wirken der Naturgesetze, insbesondere in denen der Evolution, das Wirken Gottes erkennt. Gerade diesen Teil sollte sich jeder, den die Frage umtreibt, ob in einer Zeit der Herrschaft eines gottlosen oder genauer gesagt gott-freien wissenschaftlichen Weltbildes Gottesglauben überhaupt noch möglich ist oder gerechtfertigt werden kann, sehr genau durchlesen prednisone 10mg tablets.

Alles in allem ein Buch, das zum Weiterdenken anregt, und das, gerade zu einem kontroversen Thema, in einer bewundernswerten Ruhe und Gelassenheit geschrieben ist.

Evolution und Gottesfrage: Charles Darwin als Theologe (HERDER spektrum)

Absatzschwierigkeiten

Kaum ein Kleidungsstück der europäischen Tradition ist so umstritten, ja umkämpft, wie der Absatzschuh. Kritiker sehen in den High Heels das Symbol der Sexualisierung der Erscheinung der Frau, mit der Männer die Frauen darauf reduzieren, ein Sexobjekt zu sein.

Männer würden Frauen letztlich auf den unbequemen hohen Schuh zwingen, um sich an den dann besser sichtbaren oder verstärkten weiblichen Reizen, den langen Beinen und den wiegenden Hüften, ergötzen zu können. Der Absatzschuh, so kann man, diesem Argument folgend, kritisieren, trägt dazu bei, sexuelle Reize zu betonen und damit andere Attribute der Trägerin in den Hintergrund treten zu lassen.

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Willst du mit mir gehen?

Als Kinder schrieben wir Zettel, auf denen Fragen standen wie „Willst du meine Freundin sein?“ Allerdings stellte sich schnell heraus, dass eher diejenigen positive Antworten auf solche Fragen bekamen, die gar nicht erst fragten, sondern handelten. Und woher sollte die Angebetete auch wissen, ob sie es wollte, bevor sie nicht wusste, wie es sich anfühlt? „Ja, ich will“ – ein solcher Satz konnte sich vielleicht auf entfernte Filmstars beziehen, aber doch  nicht auf die konkreten Jungs aus der eigenen Schulklasse. Ohne die praktischen Erfahrungen, in denen wir erfuhren, was eine Annäherung auf uns selbst für eine Wirkung hat, hätten wir nicht herausfinden können, ob wir sie wollten oder nicht.

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Schön hier!

Dieser Tage bat mich ein Bekannter um einen Tipp, wohin er am Abend mit ein paar Verwandten, die sich zum Besuch in unserer schönen Stadt angesagt hatten, zum Essen gehen könne. Alle Cafés und Bistros, die ihm selbst eingefallen waren, kannten die Besucher schon und er wollte ihnen mal was Neues zeigen.

Ich empfahl ihm ein Restaurant in der Nähe meiner Wohnung, etwas außerhalb des Zentrums. Ich schilderte das gute Essen, die fruchtigen Weine, die ruhige Lage, den gepflegten Biergarten. Er bedankte sich für den Rat und meinte, das höre sich sehr gut an.

Am nächsten Tag fragte ich meinen Bekannten, wie ihm und seinem Besuch das Restaurant gefallen habe. Er überraschte mich mit den Worten, er habe seinen Besuch dann doch an einen anderen Ort geführt. Zum Glück habe er nach unserem Gespräch noch einmal in Internet geschaut und in einem bekannten Bewertungsportal feststellen müssen, dass das von mir so gelobte Lokal in den letzten Monaten drei schlechte Bewertungen gehabt habe. Schlechtes Essen, unfreundliche Bedienung, kein angenehmes Ambiente.

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Kunstwerk oder Ware

In der Diskussion um das Urheberrecht mischt sich immer wieder die Frage nach der Finanzierung des Lebens der Urheber. Das Urheberrecht wird dann als Bedingung dafür gesehen, dass Künstler von ihrer Kunst auch leben können. Fraglich ist natürlich, ob ein Urheberrecht tatsächlich vorrangig diese Funktion haben sollte. Das gilt nicht nur, weil damit andere Aspekte der Verfügungsrechte in den Hintergrund treten, sondern vor allem, weil damit das Kunstwerk als Ware, als vermarktbares Produkt betrachtet werden muss, und es nicht sicher, ob das überhaupt sinnvoll möglich ist.

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Was heißt eigentlich „relativieren“

„Man kann nicht Äpfel und Birnen vergleichen“ das ist so eine Floskel, bei der ich mich jedes Mal frage, was für einen Unsinn sie eigentlich behauptet. Natürlich kann man Äpfel und Birnen vergleichen: So z.B. hinsichtlich der Größe, der Haltbarkeit, des Zuckergehaltes, aber auch in Bezug auf den Geschmack. Man kann Äpfel auch mit Pflaumen vergleichen, sogar mit Kartoffeln oder mit Blumenkohl, erst wenn jemand beginnt, Äpfel z.B. mit Hunden oder Mobiltelefonen zu vergleichen, wird es schwierig, noch an sinnvolle Vergleichskriterien zu glauben, und wer versucht, Äpfel mit Mondlandungen zu vergleichen, der wird Schwierigkeiten bekommen, sich verständlich machen zu können.

Man kann also vieles miteinander vergleichen, das kann eine spaßige Sache sein. Nur, wenn jemand verschiedenes miteinander gleichsetzt, dann kann der Spaß ganz schnell vorbei sein: Wer sagt, Äpfel und Birnen seien im Grunde das Gleiche, der fordert die Obst-Spezialisten heraus, die auf die feinen Unterschiede zwischen der runden und der Kanzlerkopf-förmigen Frucht verweisen und bemerken, man dürfe diese Unterschiede nicht relativieren. Relativieren heißt: Unterschiede verwischen, nicht wahrnehmen oder bewusst ausblenden. Was heißt eigentlich „relativieren“ weiterlesen

Im Kino: Zwischen uns das Paradies

Der Film ist der hilflose Versuch, die Veränderung eines durchschnittlichen jungen bosnischen Muslim zum fundamentalistischen Wahabiten irgendwie erklärbar oder plausibel zu machen. Wobei „Hilflosigkeit“ vielleicht der angemessene und ehrliche Umgang mit diesem Phänomen ist.

In Sequenzen, die fast eine Dia-Show sind, sieht man in den ersten 10 Minuten dieser Kooproduktion Bosnien-Herzegowinas, Kroatiens, Östereichs und Deutschlands zunächst Luna und Amar, ein glückliches junges Paar, noch unverheiratet, hoffen Sie in einer bescheidenen Wohnung auf das erste Kind. Im Kino: Zwischen uns das Paradies weiterlesen

Im Kino: Knowing

Die Idee vom Propheten, dem niemand glaubt, beschäftigt die Autoren seit der Entstehung des Kassandra-Mythos. Auch der neue Film mit Nicolas Cage basiert auf dieser Idee. Scheinbar gehört die Konstellation, dass jemand mit Sicherheit die Katastrophe vorhersagen kann, ihm aber niemand Glauben schenkt, zu den großen Erzählungs-Mustern der Menschheit.

Zu den kleineren Mustern gehört seit ein paar Jahren, dass in amerikanischen Filmen immer wieder das Scheitern der eigenen Kultur vor einem übermächtigen Ereignis thematisiert wird. Vor ein paar Jahren war es die plötzliche Klimakatastrophe, die New York in Eis erstarren lies, dieses Mal ist es eine gigantische Sonneneruption, die alles verbrennen lässt. Im Kino: Knowing weiterlesen