Auch Mitgefühl ist vernünftig

Die menschliche Vernunft zeichnet aus, dass sie sowohl die Freiheit als auch das Mitgefühl kennt. Ein Mensch weiß, dass er sich frei Ziele setzen kann, dass er nach Mitteln suchen kann, diese Ziele zu erreichen, und dass er diese Mittel praktisch nutzen kann, um ans Ziel zu kommen.

Das Ziel selbst muss dabei keineswegs vernünftig sein in dem Sinne, dass es selbst wieder Mittel zu einem Zweck ist. Man kennt das befriedigende Gefühl, ein selbst gesetztes Ziel erreicht zu haben, genauso wie die Unzufriedenheit, wenn das Ziel verbaut und unerreichbar ist – das ist die Unfreiheit.

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Das Regime des nackten Überlebens

Anfang November veröffentlichte die katholische „Tagespost“ ein Thesenpapier von fünf Medizinern, vier von ihnen anerkannte Hochschullehrer und Institutsdirektoren an Universitätskliniken, das den Titel „Weltweite Gesundheit ist eine Utopie“ trägt. Das Dokument wird mit einem Satz von Hannah Arendt eingeleitet, welcher, wenn man ihn als Kommentar zur Corona-Pandemie und zur Pandemie-Politik liest, die Sorgen der Autoren auf den Punkt bringt:

„Gekommen ist heute die furchtbare Zeit, in der jeden Tag bewiesen wird, dass der Tod seine Schreckensherrschaft genau dann beginnt, wenn das Leben das höchste Gut geworden ist.“

Nun ist Hannah Arendts Satz aber kein Kommentar zu einer Pandemie oder überhaupt zu einer Politik der Gesunderhaltung und Lebensbewahrung. Der Satz stammt aus einer Kolumne von 1942.

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Karlsruhes Werk und Drostens Beitrag

Das Bundesverfassungsgericht kann nicht abschließend feststellen, was richtig ist. In seinen Beschlüssen kann das Gericht nicht darüber entscheiden, ob eine staatliche Institution richtig oder falsch gehandelt hat – das ist auch nicht die Aufgabe des Gerichts. Es hat zu entscheiden, ob alles – im buchstäblichen Sinne – mit rechten Dingen zugegangen ist.

Das Gericht prüft, ob Maßnahmen und Entscheidungen der Verfassungsorgane den Ansprüchen des Grundgesetzes genügen. Es wägt Grundrechte gegeneinander ab und prüft die Verhältnismäßigkeit von Grundrechtseingriffen. Karlsruhe entscheidet also nicht, ob diese oder jene Meinung richtig ist, sondern ob der Gesetzgeber zum Zeitpunkt der Gesetzgebung verfassungsrechtlich vertretbar zu seinem Ergebnis kommen durfte.

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Corona, die Jugend – und die fehlenden Nullen

Gemeinsam mit Marit Schnackenberg habe ich mich mit der Frage beschäftigt, warum altersspezifische Hospitalisierungszahlen zu Covid 19 auf Bundeslandebene veröffentlicht werden sollten und warum das nicht ausreichend geschieht. Hier auf welt.de zum Nachlesen.

Eine tagaktuelle Aufbereitung dieser Zahlen hat Marit Schnackenberg auf der Seite zahlen.nadann.de bereitgestellt. Die Daten werden täglich aktualisiert.

Das fragwürdige Lockdown-Papier der Leopoldina

Es ist fast genau ein Jahr her, dass die Leopoldina mit einer Ad-hoc-Stellungnahme massiven Druck auf die Politik und die Öffentlichkeit in Deutschland aufgebaut hat, um harte Maßnahmen zur Beschränkung sozialer Kontakte und zur Einschränkung des öffentlichen und privaten Lebens zu erreichen. Die Argumentation, die den Kurs des Bundeskanzleramts unterstützte, und die schmale wissenschaftliche Basis dieser Stellungnahme wurden damals kritisiert – einige Kultusminister hegten den Verdacht, das Papier sei von Kanzleramtsminister Helge Braun „bestellt“ worden, um Schulschließungen durchzudrücken.

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Die Rationalität der Impfentscheidung

Menschen, die sich nicht impfen lassen, wird oft vorgeworfen, dass sie sich irrational verhalten würden, dass sie nicht auf die Wissenschaft und die Erfolge der Medizin achten würden. Mit zunehmender Emotionalisierung der Debatte werden die Attribute stärker: „wirr“ seien sie, „nicht mehr bei Verstand“. Aber ganz so einfach ist es nicht. Dieser Text versucht, die Vernunft in der Impfentscheidung zu entschlüsseln. Achtung, Spoileralarm: Wer sich impfen lassen hat und sich über die Rationalität dieser Entscheidung auf keinen Fall verunsichern lassen will, sollte hier nicht weiterlesen. Alle anderen sollten sich in aller Ruhe und ohne die heimliche Frage „was will er denn damit suggerieren?“ auf den Gedankengang einlassen. Noch ein Spoiler: Am Ende steht, warum (und in welchem Sinn) es rational ist, sich impfen zu lassen.

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Ein Leben mit Stromausfall

Werden wir nach dem Gipfel von Glasgow realistisch: Nichts deutet darauf hin, dass die CO2-Ziele, die erreicht werden müssten, um den Klimawandel erträglich zu halten, global eingehalten werden können. Es ist an der Zeit, sich einmal zu fragen, wie man sich auf den realen Klimawandel einstellen könnte.

Der Klimawandel beginnt damit, dass Extremwetterereignisse, Starkregen, Stürme und damit einhergehende Überschwemmungen, häufiger werden, so häufig, dass die Folgen des einen Unwetters noch nicht beseitigt sind, bevor das nächste hereinbricht.

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Im Vakuum zwischen Wissenschaft und Politik

Gleich in der Überschrift der Keynote des Historikers Caspar Hirschi tauchte das Wort „Bermudadreieck“ als Beschreibung für das Feld zwischen Wissenschaften, Politik und Medien in der Coronapandemie auf. Bekanntlich ist das Bermudadreieck eine Meeresregion, in der angeblich immer wieder Schiffe und Flugzeuge auf mysteriöse Weise verschwinden.

Auf der Konferenz „Follow The Science – aber wohin?“, die die Rudolf-Augstein-Stiftung am Montag in Berlin veranstaltete, wurde allerdings nicht so recht klar, was denn im Corona-Bermudadreieck abhandengekommen sei. Überhaupt wurde, auch wenn viel Interessantes gesagt wurde, nur weniges richtig klar. Womöglich ist es das: Verschwunden ist die Klarheit, das gegenseitige Verstehen, das konstruktive Gespräch. Wie im Bermudadreieck nur die Leere bleibt, so bleibt in der aktuellen Coronadebatte zwischen Wissenschaft, Politik und Journalismus vor allem eine große Sprachlosigkeit. Diese Sprachlosigkeit herauszuarbeiten, das ist der Konferenz gelungen – und das ist vielleicht auch schon ein Erfolg.

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Auf dem Weg in die Expertokratie?

Fünfunddreißig Wissenschaftler, Virologinnen und Ärzte, Physiker, Gesundheitsexpertinnen und Soziologen, haben eine Erklärung zur aktuellen Lage in der Pandemie veröffentlicht. Sie machen sich Sorgen und haben Forderungen an die Politik. Sie wollen die Spaltung der Gesellschaft überwinden, so sagen sie, und sie fordern, dass die Politik in ihrem Handeln auf die Wissenschaft hört. Dafür soll, nach dem Willen der 35, ein Expertenrat eingerichtet werden. Einige aus der Gruppe sind aus den Medien gut bekannt, etwa die Virologin Melanie Brinkmann, der Physiker Michael Meyer-Hermann oder der Soziologe Armin Nassehi. Dass diese Personen in der Politik in den letzten Monaten zu wenig Gehör gefunden hätten, klingt überraschend. Bei genauer Lektüre des Textes drängt sich der Eindruck auf, dass die Autoren eine überraschend simple Vorstellung von Politik in der demokratischen Gesellschaft haben.

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