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Hat Second Life seine Zukunft schon hinter sich?

Einen interessanten Erfahrungsbericht las ich soeben über Second Life. Vor allem die Diskussion danach macht stutzig: Kaum jemand kann mit Second Life so richtig etwas anfangen, keiner kann den Rummel wirklich verstehen. Interessant auch, dass diese Virtuelle Welt scheinbar nicht auf zukünftige Möglichkeiten der Kommunikation sondern auf längst vergangenes oder wenigstens angestaubtes Mobilar aus dem wirklichen Leben zurückgreift. Und da wundert sich noch einer, dass Unternehmen in dieser Welt zurückhaltend sind!

Offene Interviews in der Anforderungsanalyse

Wir können verschiedene Interviewformen nach dem Grad ihres strukturierten oder standardisierten Ablaufes unterscheiden. Offene Interviews sind dann solche, deren Ablauf hinsichtlich der behandelten Fragestellungen und besprochenen Themen nicht klar vorherbestimmt sind. Beides wird eher durch den Interviewpartner als durch den Interviewer bestimmt. Letzterer fungiert hier zunächst vor allem als Stichwortgeber und Nachfrager. Er lenkt den Ablauf, indem er aus den Antworten weitere Fragen ableitet und damit bestimmte Aspekte vertieft, Anknüpfungspunkte sucht um weitere Themen zu erschließen und ähnliches.
Das typische offene Interview ist das narrative (erzählende) Interview, welches in der journalistischen Praxis besonders häufig anzutreffen ist, insbesondere wenn es um Unterhaltung eines Publikums durch die Präsentation der Person des Interviewpart-ners geht.
In der empirischen Sozialforschung werden offene Interviews mit explorativer Ziel-setzung geführt (exploratives Interview). Diese Interviewform wird eingesetzt, wenn der Forscher vor dem Interview kein oder nur geringes Wissen über den Forschungs-gegenstand besitzt. Er wird dann durch offene Fragen den Interviewpartner (Exper-ten) zum Erläutern des Gegenstandes, zur Darstellung seines Handlungs- und Kon-textwissens ermuntern.
In der Anforderungsanalyse findet das explorative Interview Anwendung wenn der Analyst noch nichts oder wenig über die Geschäftsprozesse und die Ziele der Kunden oder Benutzer weiß. Mit Hilfe dieser Interviewform verschafft er sich einen Über-blick über das notwendige Geschäftswissen und über die Ziele der Anspruchsgruppen im Projekt.

Interviewtechniken in der Anforderungsanalyse

Interviewsituationen gibt es in ganz unterschiedlichen Zusammenhängen. Schaltet man morgens das Radio ein, hört man die Moderatorin im Gespräch mit einem Politi-ker oder einer Wissenschaftlerin zu einem aktuellen Thema. Abends kann es gesche-hen, dass das Telefon klingelt und ein Marktforschungs- oder Meinungsinstitut unsere Ansichten zu bestimmten Themen, unsere Vorlieben, unsere Verhaltensweisen er-fragt. Später sehen wir im Fernsehen vielleicht noch ein Gespräch eines Journalisten mit einem Schriftsteller über sein neuestes Buch.
All das sind Interviews. Sie haben Gemeinsamkeiten, aber auch viele Unterschiede hinsichtlich ihrer Zielsetzung und ihrer Methode. Für Interviews in der Anforde-rungsanalyse für Softwareprojekte kann man aus diesen verschiedenen Methoden eine Menge lernen, wenn man das eigene Ziel richtig in die verschiedenen Zielstel-lungen der Interviewführung einordnet.
Die Methode der Interviewführung ist unterschiedlich systematisch untersucht. Die umfangreichsten Untersuchungen, die auch in Lehrmethoden münden, gibt es wohl zum journalistischen Interview.
Weitere methodische Ansätze zur Interviewführung finden sich in der systematischen Grundlegung der empirischen Sozialforschung, auch wenn hie immer wieder ein Mangel an Methode beklagt wird. Das Ziel der Interviewführung in diesem Gebiet weist jedoch eine große Ähnlichkeit mit den Zielen der Anforderungsanalyse in Softwareprojekten auf. Hier wie dort geht es um das Gewinnen gültiger, stabiler, letztlich objektivier Informationen gesellschaftlicher oder organisatorischer Zusam-menhänge und Handlungsgrundlagen.
Letztlich finden alle Interviewformen bei der Anforderungsanalyse Anwendung. Wichtig ist, sich darüber klar zu werden, welche Formen bei welcher Zielsetzung sinnvoll sind und wie sie erfolgreich benutzt werden können.

wird fortgesetzt…

Objektmodelle kommunizieren

Ziel der Anforderungsanalyse ist es nicht nur, zu konsistenten Modellen zu kommen, welche die Anforderungen an das neue Softwaresystem adäquat beschreiben, sondern diese Modelle auch mit den Partnern kommunizieren zu können. Ein Modell ist nur dann praktisch effektiv, wenn alle Partner des Analyseprozesses es verstehen und bearbeiten können.
Es hat sich deshalb als effektiv erwiesen, nicht übermäßigen Gebrauch von Begriffen und Symbolen der Objektorientierten Designverfahren zu machen, insbesondere dann, wenn die Partner aus den Fachabteilungen mit dieser Terminologie nicht hinreichend vertraut sind. Statt immer wieder auf die Existenz von Klassen und Instanzen oder Objekten zu verweisen, sollte konkret über Dokumente und Akteure sowie über andere Elemente des Systems gesprochen werden.
Objekteigenschaften oder Attribute sind nichts anderes als diejenigen Merkmale, welche zur genauen Bestimmung eines Elementes nötig sind bzw. diejenigen, welche im Zusammenhang mit unserem Geschäftsprozess relevant sind, weil sie durch ihn geändert werden oder weil Entscheidungen auf ihnen basieren.

Wenn der (objektorientiert denkende) Designer oder Analyst nach Objektmethoden oder Operationen fragt, meint er nichts anderes als die Frage, was man mit den Systemelementen machen kann, wie man sie verändern kann. So sollte die Frage auch gestellt werden.

Letztlich kommt es immer darauf an, dass die drei Partner im Analyseprozess (Fachabteilung, Analyst, Entwickler) eine gemeinsame Sprache finden und sicher sein können, dass sie das gleiche meinen, wenn sie das gleiche sagen. Objektorientierte Denk- und Herangehensweisen sind für den Analysten hilfreich, in der Kommunikation mit der Fachabteilung sollten deshalb objektorientierte Begrifflichkeiten aber nicht unbedingt im Vordergrund stehen.

Der Prozess der Anforderungsanalyse

Im Prozess der Anforderungsanalyse müssen wir zwei Handlungskomplexe unterscheiden:
1. Die eigentliche Anforderungsentwicklung, in deren Verlauf aus Problemen und Zielen plausible und valide Anforderungsdokumentationen spezifiziert werden
2. Das Anforderungsmanagement, in welchem sozusagen auf einer übergeordneten Handlungsebene die Pflege, Versionierung und Weiterentwicklung von Anforderungsspezifikationen während des Gesamtprojektes betrieben wird.
Anforderungsmanagement
Zum Anforderungsmanagement gehört zunächst die Definition der verschiedenen Verfahren, welche im Gesamtprozess der Anforderungsanalyse zum Einsatz kommen. Hierzu gehören insbesondere das Anforderungsentwicklungs- und das Änderungskontrollverfahren.
Ein weiterer Schwerpunkt ist das definieren der Anforderungsbaseline sowie das Änderungsmanagement (Versionierung, Änderungskontrollgremium, Statusüberwachung).
Anforderungsentwicklung
Im Mittelpunkt der Anforderungsentwicklung steht die Kommunikation zwischen dem, der die Anforderung stellt und dem, der sie zu analysieren, zu objektivieren, zu strukturieren und zu dokumentieren hat – dem Anforderungsanalysten. Die Bedeutung der Kommunikation ist dabei nicht zu unterschätzen. Aus der großen Bedeutung der Kommunikation für das Erstellen optimaler Anforderungsspezifikationen ergeben sich zwei entscheidende Bedingungen:
1. Anforderungssteller und Anforderungsanalyst müssen eine gemeinsame Sprache sprechen.
2. Anforderungssteller und Anforderungsanalyst müssen vor allem viel Zeit in die Anforderungsanalyse investieren.
Die Anforderungsentwicklung kann – entsprechend der oben genannten Tätigkeiten des Analysten – im wesentlichen in vier Phasen unterteilt werden: Erhebung, Analyse, Spezifikation und Validierung.
Ein gut strukturiertes und definiertes Anforderungsmanagement ist Voraussetzung für erfolgreiche Anforderungsentwicklung. Zu Beginn des Projektes wird das Anforderungsentwicklungsverfahren definiert, dies ist genau genommen ein Bestandteil des Anforderungsmanagements. Wenn Standards im Unternehmen definiert sind, sind diese auf ihre Anwendbarkeit und Aktualität zu prüfen.
Vor der eigentlichen Erhebung steht die Benennung Anspruchsgruppen und die Auswahl von geeigneten Repräsentanten für die Durchführung der Anforderungsanalyse, insbesondere die Anspruchsgruppe der Benutzer ist dann weiter zu differenzieren, Benutzerklassen werden gebildet und Produktchampions identifiziert.
Neben der Durchführung spezieller Veranstaltungen (Interviews, Workshops) gehören auch das Studium von Dokumenten und die Beobachtung der Benutzer bei der Arbeit zur Anforderungserhebung.
Unter Analyse verstehen wir hier das Sichten, Strukturieren, Klassifizieren und Objektivieren der erhobenen Fakten. Mit einem aus der Meteorologie übernommenen Begriff können wir diese Phase auch als Synopsis (Zusammenschau) bezeichnen. Das Ergebnis sind insbesondere die identifizierten Anwendungsfälle.
Bei der Spezifikation kommen die verschiedenen Modellierungsansätze zum Einsatz. Neben weiter ausgeprägten Anwendungsfalldokumentationen entstehen hier Prozess- und Objektmodelle sowie logische Datenmodelle und (Papier-)Prototypen.

Bei der Validierung steht wiederum die Kommunikation mit den (Vertretern der) Anspruchsgruppen im Vordergrund. Anforderungstests werden durchgeführt, die Spezifikationen werden nach formalen und inhaltlichen Kriterien bewertet.