Archiv der Kategorie: Münster

Schön hier!

Dieser Tage bat mich ein Bekannter um einen Tipp, wohin er am Abend mit ein paar Verwandten, die sich zum Besuch in unserer schönen Stadt angesagt hatten, zum Essen gehen könne. Alle Cafés und Bistros, die ihm selbst eingefallen waren, kannten die Besucher schon und er wollte ihnen mal was Neues zeigen.

Ich empfahl ihm ein Restaurant in der Nähe meiner Wohnung, etwas außerhalb des Zentrums. Ich schilderte das gute Essen, die fruchtigen Weine, die ruhige Lage, den gepflegten Biergarten. Er bedankte sich für den Rat und meinte, das höre sich sehr gut an.

Am nächsten Tag fragte ich meinen Bekannten, wie ihm und seinem Besuch das Restaurant gefallen habe. Er überraschte mich mit den Worten, er habe seinen Besuch dann doch an einen anderen Ort geführt. Zum Glück habe er nach unserem Gespräch noch einmal in Internet geschaut und in einem bekannten Bewertungsportal feststellen müssen, dass das von mir so gelobte Lokal in den letzten Monaten drei schlechte Bewertungen gehabt habe. Schlechtes Essen, unfreundliche Bedienung, kein angenehmes Ambiente.

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Reiseruf

Die braunen Tulpenblätter fallen wieder
In hohes Gras, und dichter wird das Laub.
Auf trocknes Holz legt sich der Blütenstaub,
Vor dunklen Sträuchern steht schon weißer Flieder.

Bald werden sie zu einer grünen Mauer,
Dann wird die Hitze überm Garten stehn.
Die Farben werden kommen, werden gehn,
Die schönen Stunden sind von kurzer Dauer.

Soll ich nun all das noch einmal bestaunen,
Auch dieses Jahr so wie im Jahr zuvor.
Und soll ich noch einmal der Dinge harren,

Schon lange lockt mich dieses leisen Raunen,
Ruft mich hinaus, zur Straße, vor das Tor,
Zum Aufbruch in das fremde Land der Narren.

Leise nieselt’s – oh weh

Leise nieselt’s – oh weh
Still liegt Nebel am See
Und feuchter Matsch liegt im Wald –
Freue Dich – Weihnacht kommt bald

Im Dezember wird’s warm
Schneeschuh könnt ihr euch spar’n
Hört nur wie lieblich es schalt
Wenn Regen auf’s Fensterbrett knallt.

In der heiligen Nacht
Finst’re stürmische Pracht
bringt Schauer und Wind uns geballt
Freue Dich – Weihnacht kommt bald

Münsters Musikhalle: Ist Großes möglich?

Welche großen kulturellen Meisterwerke sind unter Bedingungen einer funktionierenden Demokratie entstanden? Soweit ihre Erstellung teuer ist, wie bei Architektur, die zudem noch nicht zu ignorieren im öffentlichen Raum stehen, ist die Zahl wohl gering.

Das Schloss, vor dem am Sonntag das Carmina-Burana-Konzert der Musikhallen-Befürworter stattfand, wäre in einer modernen demokratischen gesellschaft vielleicht nie gebaut worden. Der Massengeschmack hätte rebelliert, ein Bürgerentscheid hätte es verhindert.
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Münsters Musikhalle: Du bist die Elite.

Elite ist ein merkwürdiger Begriff. Er ist Lob und Verurteilung zugleich. Elite steht für große Leistung, für Besonderes, aber auch für Abgrenzung, für fehlende Kommunikation mit den anderen.
Die Gegner der Musikhalle in Münster behaupteten unter anderem, diese Haus sei nur etwas für die Eliten, und wenn sie so eine Halle haben wollten, sollten sie sich diesen Wunsch auch selbst finanzieren.
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Schwänin Petra und Verwandte

Man darf eigentlich als aktiver Blogger aus Münster in diesen Tagen zum Thema Schwanenliebe (Petra und das weiße Tretboot) nicht schweigen, auch wenn man sich sonst zu lokalen Themen eher nicht äußert. Die Liebe der schwarzen Schwänin zu dem schwanenförmigen Tretboot auf dem münsterschen Aasee ist auch keine lokale Angelegenheit, ebensowenig wie Eisbär Knut nur die Berliner oder Eisbärin Flocke nur die Stuttgarter etwas anging.

Wenn gestern die Meldung, dass es zwischen Petra und dem Tretboot aus ist, unter den Top Ten der Google News stand, wenn ich bei einem Geschäftsessen nahe Bremen auf diese Tatsache Angesprochen werde, wenn heute morgen im Radio zu Ehren der verflossenen Schwanen-Liebe „Es ist vorbei -ei -ei …“ gesungen wird, dann muss ein Blogger zugeben, dass er in der Stadt seine Artikel schreibt, in der sich anderthalb Jahre lang die offenbar rührendste Liebesgeschchichte der Tierwelt abgespielt hat.
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Bürgerentscheid über Kultur und Kunst?

Der Fall ist exemplarisch für den Umgang mit Kunst und Kultur in einer demokratischen Gesellschaft. Braucht die Gesellschaft Orte für „große“, für „aufwändige“ und teure Kunst? Oder sollten nur kleinere, autome, plurale Projekte gefördert werden?

In Münster soll eine Musikhalle gebaut werden. Vor dem Krieg hat es in Münster eine solche Halle gegeben, die aber nach der Zerstörung der Stadt nicht wieder aufgebaut wurde. Seit 1989 stezt sich ein Förderverein für die Errichtung einer Musikhalle auf der wohl größten deutschen innerstättischen Brachfläche ein. Ein privater Förderverein hat 18 Mio. Euro zusammengebracht, weitere 12 Mio € soll die Stadt Münster aufbringen. Am 24.10.2007 hat der Rat der Stadt Münster beschlossen, dieses Geld bereitzustellen.
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Skulp-Tour-isten

Zuerst waren da 34 Baustellen im ganzen Stadtgebiet, dann waren es 34 Skulptur-Projekte. Nun sind die Touristen über Münster gekommen…

Das Interessanteste an der Ausstellung sind nicht die Projekte selbst, sondern die, welche sie besichtigen: die Skulp-T(o)ur-Isten. Meistens sitzen sie, wie es sich für Münster gehört, auf dem Fahrrad und halten einen Faltplan in der Hand. Der suchende Blick, der zwischen Plan und umgebender Architektur hin und her flackert, gehört ebenfalls zu den untrüglichen Erkennungsmerkmalen des Skulp-T(o)ur-Isten.

Dabei erkennt der Suchende vor allem am massenhaften Auftreten von Seinesgleichen, dass er sein Ziel erreicht hat. Er stellt das Rad beseite und beginnt mit der Betrachtung des jeweiligen Kunstewerks. Er umschleicht es zunächst, dabei prüfende Blicke auf die Umstehenden werfend („Bin ich der einzige hier, der das nicht kapiert?“). Sodann kniet er nieder, um die Sache aus der Kinderperspektive zu betrachten, streckt sich, um einen Über-Blick zu bekommen. Der Gesichtsausdruck schwankt immer schneller zwischen ernst-verstört und belustigt-spöttisch.

Sodann sucht der Skulp-T(o)ur-Ist Rat in den mitgeführten Unterlagen. Nur selten wird sein Blick nun vom Lichte der Erkenntnis erhellt. Schließlich greift der Skulp-T(o)ur-Ist zum Fotoapparat und schießt ein Erinnerungs-Bild, darauf bedacht, weitere Skulp-T(o)ur-Isten nahe beim Kunstwerk mit auf sein Foto zu bannen, dokumentiert doch deren Gesichtsausdruck das gleiche Unverständnis wie das, was er selbst empfindet.

Sodann schwingt der Skulp-T(o)ur-Ist sich wieder aufs Rad – nicht, ohne einen Blick auf sein Faltblatt geworfen zu haben, auf dem er den Or der nächsten Skulptur schon ausgemacht hat.

Send und Klimawandel

Kaum war ein Sendtag regenfrei, meint 50hz, dass ein Beweis für den Klimawandel erbracht ist: Schließlich regnet’s immer in Münster, wenn Send ist, und das seit Jahrtausenden!

Als ich das heute morgen las, konnte ich noch lachen: der Send ist noch nicht vorbei und für morgen und Sonntag (wenn zum Regnen in Münster bekanntlich das Glockenläuten kommt) war Regen angekündigt. Doch nun werde ich stutzig: Die aktuelle Prognose zeigt keinen Regen mehr!

Die Klimakatastrophe ist da: Eintritt exakt zum Fühjahrssend 2007!