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Ist das Suchen eine Kulturtechnik?

Das Wort „Kulturtechnik“ ist ein starker Begriff. Obwohl er kaum klar definiert sein dürfte, sind die menschlichen Handlungsmuster, die mit diesem Begriff eingeordnet werden, zentral für das Strukturieren unseres Selbstverständnisses. Religion, Wissenschaft, Kunst, Ackerbau und Viehzucht, das sind einige der zentralen Kulturtechniken. Gehört die Internet-Suche auch dazu?

Jürgen Lübeck greift das Stichwort aus einer anderen Diskussion über Google auf und regt mich so zum Nachdenken an.

Kulturtechniken sind benennbare und abgrenzbare Wege des Menschen, sich die Welt zu erschließen und anzueignen. Die Idee, das „googlen“ dazuzuzählen, ist interessant: Tatsächlich nutzen immer mehr Menschen nicht nur die Suchmaschine, um bestimmte Informationen zu finden, sie entwickeln auch Verfahren, sich Kontextinformationen und neues Wissen zusammenzustellen, zu priorisieren und für eigenes Handeln zur Grundlage zu machen. Der Blick auf die Welt wird durch dieses Handlungsmuster geprägt.

Dabei ist das Googlen aber weit mehr als Informations-Suche. Es ist auch eine charakteristische Art, die gefundenen Informationen schnell aufzunehmen, zu ordnen, zu priorisieren und in (meist wiederum Internet-gestützer) Kommunikation einzusetzen.

Deshalb sollte man sich davor hüten, die Rolle der Suchmaschine Google in diesem Prozess überzubewerten. Vielleicht ist Googlen tatsächlich eine Kulturtechnik wie die Religion oder die Wissenschaft, aber Google ist nicht Gott, und sobald das Unternehmen versucht, sich zum Gott aufzuspielen, werden andere neben ihm stark werden.

Allerdings bietet die Kulturtechnik googlen denen Chancen, denen es gelingt, das Material Information so bereitzustellen, dass es optimal auf das Verhalten der Menschen innerhalb dieses Systems passt.

Wie entsteht ein Mindestlohn?

Linke Politiker meinen, sie könnten vorschreiben, wieviel ein Arbeitnehmer in Deutschland für eine Arbeitsstunde mindestens zu verdienen hat. Sie nennen das Mindestlohn und zeigen damit, dass sie die Prinzipien, auf denen der Wohlstand der Gesellschaft basiert, nicht begriffen haben.

Mindestlohn definiert die SPD-Spitze als den Verdienst, den ein Arbeitnehmer zu bekommen hat, damit er als Vollzeitbeschäftigter nicht auf die Hilfe des Staates angewiesen ist.

Mindestlohn und Sozialhilfeniveau

Ab wann ist man auf die Hilfe des Saates angewiesen? Landläufig wird das über den Sozialhilfesatz definiert. Aber ist das richtig? Vielleicht ist der Satz zu hoch? Um das zu prüfen, muss man sich ansehen, wie diese Sozialleistung berechnet wird. Es wird dazu ein Warenkorb gebildet, der das zum Leben notwendige (unter Beachtung des Artikel 1 des Grundgesetzes, also dem Schutz der Würde des Menschen) enthält.

Im internationalen Vergleich ist dieser Warenkorb in Deutschland prall gefüllt. Das mag richtig sein, weil die gesamte Gesellschaft sich auf einem hohen Konsumniveau befindet und ein zu starkes Auseinanderklaffen von durchschnittlichem Lebensniveau und Sozialhilfe-Niveau kein würdevolles Leben ermöglichte.

Problematisch wird die Sache wenn man bedenkt, wie dieses Mindest-Lebensniveau finanziert wird. Über Steuern und Sozialabgaben finanziert jeder, der arbeitet, diese Leistungen mit, das erhöht die Preise, da die Arbeitskosten steigen, letztlich auch die Preise, die der Sozialhilfeempfänger zu zahlen hat, was zur Folge hat, dass die Sozialhilfekosten steigen müssen usw.

Mindestlohn und Mindestpreis

Das gleiche gilt natürlich für Mindestlöhne, die an das Sozialhilfeniveau gekoppelt sind. Hier kommt aber eines erschwerend hinzu: Wenn durch Mindestlöhne die Preise so weit verteuert werden, dass die damit angebotene Dienstleistung oder das damit produzierte Produkt keiner mehr kaufen will, fällt die Arbeit einfach weg. Viele Produkte und Dienstleistungen können im Ausland hergestellt werden, wa das nicht der Fall ist, stellt sich immer ein Preis ein, der die gesamten in der Dienstleistung oder in dem Produkt enthaltenen Arbeitskosten widerspiegelt. Wenn der Unternehmer dieses Produkt nicht wenigstens zu diesem Preis zuzüglich eines für ihn selbst ausreichenden Gewinns anbieten kann, wird er es auch nicht tun (können).

Der wirkliche Mindestlohn

Das erstaunliche ist bei der ganzen Betrachtung zunächst, dass überhaupt Löhne gezahlt werden, die oberhalb dieses imaginären Mindestlohns liegen.

Es gibt viele Produkte und Dienstleistungen, für die wir entweder einen ziemlich hohen Preis zu zahlen bereit sind, oder die so massenhaft nachgefragt werden, dass die einzelkosten sehr gering sind. Auf solchen Märkten tummeln sich viele Anbieter. Um bestehen zu können, müssen sie eine hohe Qualität liefern und Alleinstellungsmerkmale haben.

Das schaffen sie nur mit hochqualifizierten und motivierten Mitarbeitern. Um Qualifikation und Motivation zu erhalten, ist jedoch ein hohes Lohnniveau nötig. Die Zahl dieser idealen Mitarbeiter ist immer begrenzt.

So ergibt sich für jede Branche in konkreten Umständen ein Mindestlohn, nähmlich der, der gezahlt werden muss, damit Mitarbeiter mit hohem Leistungspotenzial gefunden und gehalten werden.

Mindestlohn ist keine Konstante

Bedingungen ändern sich, das, was heute nur hochqualifizierte Leute vor Ort machen können, will morgen vielleicht kaum noch jemand haben, oder wird von angelernten Kräften in Fernost produziert. Abschottung wäre hier der ganz falsche Weg, da letztlich auch der Wettbewerb im Preisniveau für allgemeinen Wohlstand sorgt.

Mindestlohn muss deshalb immer wieder neu bestimmt werden. Es gibt keinen Automatismus nach oben. Nur wenn es immer neue Innovationen gibt, kann Mindestlohn stabil sein oder wachsen.

Kaum Unternehmen bei Second Life?

Unternehmensaktivitäten enttäuschen lese ich gerade über Second Life. Enttäuscht sein kann aber nur, wer mehr erwartet. Wer bei Second life als Unternehmen der wirklichen Welt aktiv wird, tut dies im Moment vor allem, um nichts zu verpassen. Da wird natürlich vorsichtig agiert. Niemand will sich lächerlich machen und seinen Ruf im wirklichen Leben aufs Spiel setzen.

Enttäuschend ist das nur für Leute, die virtuellen Spaß und realen Ernst nicht auseinander halten wollen oder können.

Was ist Erfolg?

Wieder einmal lese ich über der Erfolg eines Web 2.0 Internet-Portals. Was den Erfolg dieses Portals ausmache, wird gefragt. Was aber ist überhaupt Erfolg? Hohe Zugriffszahlen, viele Klicks und (in den Zeiten von Social Software) viele Uploads, viele Beiträge.

All das erinnert mich schon wieder fatal an die erste große Blase des Internet, die vor einem guten halben Jahrzehnt geplatzt ist. Scheinbar sind wir sehr vergesslich: Erfolg ist, wenn man ein funktionierendes Geschäftsmodell hat, welches langfristig so viel Ertrag bringt, dass wenigstens die Kosten gedeckt sind. Damals wie heute sind viele Portale weit davon entfernt, nachhaltig erfolgreich zu sein. Damit werden sie auch die Leistung, die sie anbieten, kaum langfristig bereitstellen können. Die Blase schwillt schon wieder an.

Hannover, Messe

Um 5:00 Uhr stehe ich vor dem Spiegel und binde die Krawatte, soweit ich sie durch die noch halb geschlossenen Augen erkennen kann. Eine halbe Stunde später stehe ich bereits an der Bushaltestelle, frierend, weil das Sakko nicht wärmt, aber ein Mantel für diesen Tag zu viel Ballast bedeuten würde. Die Akkus von Notebook und Handy sind restlos gefüllt, also bin ich gut gerüstet.

Der ICE nach Hamm benötigt nur zwanzig Minuten, in der ich beobachten kann, wie es im Münsterland hell wird. Pferde und Dorfkirchen stecken noch im Bodennebel fest.

Die Leute, die in Hamm aus dem Zug steigen und vergeblich nach Informationen zu ihrem Anschlusszug suchen, sehen alle so aus wie ich, einer spricht mich an, weil er richtig vermutet, dass auch ich auf den zusätzlichen Zug nach Hannover warte. Im Tunnel finden wir einen kleinen gelben Aushang, der uns die Abfahrt von Bahnsteig 8 innerhalb der nächsten 10 min verspricht.

Der Anblick der in dunklen Anzügen und schwarzen Notebooktaschen uniformierten Männer auf dem kalten, immer noch dämmrigen Bahnsteig hat etwas gespenstisches.

Pünktlich zur geplanten Abfahrtzeit kommt die Durchsage aus den Lautsprechern, der zusätzliche Intercity-Express nach Hannover Messe habe 30-40 min Verspätung, wegen Bereitstellungsproblemen, und ich bin froh, dass es mehrere Probleme sind, so dass mir die Überlegung erspart bleibt, ob wegen den Dativ oder den Genitiv regiert, wobei ich sie natürlich trotzdem anstelle, schließlich habe ich nun Zeit dafür.

Um diese Zeit und bei diesen Temperaturen ist die Besichtigung des Hammer Bahnhofsgebäudes recht schnell abgeschlossen, auch wenn ich gestehen muss, dass es durchaus besichtigenswert ist, jedenfalls im Vergleich zum Münsterschen. Der einzige warme Ort ist der Bücher- und Zeitschriftenladen, weshalb ich die Wartezeit damit verbringe, mir wieder einmal vor Augen zu führen, welche unglaubliche Menge mir unbekannter Autoren es gibt. Jedem Autoren, der die Absicht, jemals veröffentlichen zu wollen, nicht vollständig bestreiten kann und will, ist dringend vom Besuch eines solchen Geschäftes abzuraten.

Der ICE benötigt von Hamm bis Hannover immerhin mehr als anderthalb Stunden, weshalb es sich, dem Ziel der Reise angemessen, lohnt, das Notebook aufzuklappen und ein paar Excel-Sheets zu öffnen. Hin und wieder ein sinnierender Blick in die Ferne genügt, einerseits die Wichtigkeit des gerade Gedachten oder Geschriebenen zu demonstrieren und andererseits einen dem Autofahrer ungewohnten Eindruck von der vorbeirasenden Landschaft zu erhaschen.

Kurz vor neun treffen wir am Ziel ein, die Menge meiner Geschwister, die dem Zug entsteigt und energisch dem Eingang West des Messegeländes zustrebt, ist beängstigend. Der Weg bis zu den Kassen wird zum ersten Spießroutenlauf: Unmengen junger Leute stehen uns mit Paketen von Journalen, Prospekten, CD-ROMs im Wege und versuchen, sich ihrer Last zu entledigen, indem sie jedem, der vorbeieilt, ein Exemplar zustecken. Ich aber habe an meinem Notebook genug zu schleppen, hinzu kommen die zwei Wasserflaschen und die Powerriegel, meine Notversorgung, die ich bei dieser Reise mit mir führe um mir den Blick auf die unverschämten Preislisten der Würstchenverkäufer ersparen zu können.

Die CeBit gliedert sich in drei Bereiche, die freundlicherweise farblich markiert sind, mich interessiert genau genommen nur der grüne Bereich, „Business Process“, auf dem Weg dorthin liegen die blau gekennzeichneten Hallen des Bereichs „Communications“, die ich durcheile ohne etwas spannendes zu sehen.

Ein Phänomen dieser Veranstaltung fasziniert mich jedes Jahr aufs Neue: es ist die Arbeitsteilung zwischen den jungen Damen an der Vorderkante der Messestände, und den Herren an den Bildschirmen, die den Besuchern aufs Haar gleichen, auch wenn man Aussteller und Besucher natürlich sofort daran unterscheiden kann, dass erstere immer ein Namensschild tragen.

Im Kampf der konkurrierenden Aussteller um das Interesse der Besucher sind die jungen Frauen die entscheidende Waffe, die geübten unter ihnen fangen ihr irritiert und suchend blickendes Opfer mit einem aufmunternden Blick und führen es dann ohne viele Worte zu verlieren dem im Hintergrund bereitstehenden Vertriebsmitarbeiter zu.

Ich habe ein Gegenmittel gegen dieses Verfahren gefunden, welches ich hier aber nicht verrate, ich fürchte, sobald die andere Seite davon Wind bekommt, kann sie sich darauf einstellen und wird immun.

Ich habe den Eindruck, dass in diesem Jahr weniger telefoniert wird als in den Jahren zuvor, in denen ich mich zunehmend des Eindrucks nicht erwehren konnte, man müsse selbst für die Kommunikation mit einem Begleiter das Handy benutzen und in denen ich manchmal das Bedürfnis hatte, die Tasche, die mein Handy barg, in Kopfhöhe zu tragen, um dessen Piepsen von dem der anderen scheiden zu können.

Um 15:00 Uhr habe ich meinen einzigen festen Termin an diesem Tag, ausgerechnet am Microsoft-Partnerstand. Wir versuchen, am Bodygard vorbei die Treppe zur Cafetria hinaufzueilen, aber der Mann weist uns darauf hin, dass mein Gesprächspartner, auch wenn er Aussteller auf diesem Stand ist, nicht den richtigen Sticker im Knopfloch trägt, weshalb er uns den Zugang zunächst verweigert. Nach ein paar Minuten ist der richtige Sticker besorgt, wir sitzen auf unbequemen Designerstühlen und ich trinke auf der größten Computermesse der Welt auf Kosten des größten Softwareherstellers der Welt einen Milchkaffee, der unerwarteterweise auf deutsch und italienisch, nicht aber auf englisch in der Getränkekarte steht.

Gegen 17:00 Uhr verlasse ich diesen gastlichen Ort und irre eine halbe Stunde über Messestände, weil ich inzwischen den Eindruck habe, überall schon einmal gewesen zu sein, überall uniformierte Männer an Stehhockern vor LCD-Displays und auf allen Gängen singen noch immer die jungen Schwestern der Loreley.

Eine von ihnen frage ich erschöpft, wann die Messe für heute endlich schließt, ihre Antwort macht mir klar, dass zwischen diesem Moment und der Abfahrt meines Zuges eine dreiviertel Stunde liegt, erschüttert frage ich sie, wie ich diese Zeit verbringen solle. Sie empfiehlt mir den Besuch einer „Come Together Party“ auf der man mir sicher ein Bier reichen würde.

Tatsächlich steht mir wenig später sie oder ihr Zwilling an einem anderen Stand in einer anderen Halle im Wege, nun als Kellnerin verkleidet, ein Tablett mit gut gefüllten Bierglasern in der Hand.

Aus den Lautsprechern, aus denen tagsüber gewichtige Stimmen über gewichtige Argumente zugunsten des hier ausstellenden Unternehmens gedrungen waren, hört man in diesem Moment Nenas 99 Luftballons, letzte Strophe. Mit einem seligen Lächeln summen die uniformierten Männer „… und auch keine Düsenflieger…“ – ich setze mich. Als jedoch Minuten später die Frage „Lebt denn der alte Holzmichel noch?“ aus dem Lautsprecher das selige Lächeln auf den Gesichtern um mich herum in ein glückliches Strahlen verwandelt, ergreife ich die Flucht.

Der Zug, der mich nach Hamm zurückbringt, steht schon bereit, ich setze mich, klappe mein Notebook auf und beginne, diesen Bericht zu schreiben.

Die Akkus haben durchgehalten.

Studie zum Projektcontrolling

Zwei Ziele hat ein Entwicklungsprojekt: Ein Ergebnis, welches den Auftraggeber
zufrieden stellt und die Einhaltung eines vorgegebenen Kosten- und Zeitplanes.
Aber die Erfahrung fast jedes Projektmanagers zeigt, dass beides zusammen
selten zu haben ist. Und das gilt nicht nur für Softwareprojekte, die gleichen
schmerzhaften Erfahrungen machen Werbefachleute genauso wie
Produktentwickler in der Automobilindustrie.
Wenn Sie diese Seiten gelesen haben, werden Sie nicht nur wissen, warum das so
sein muss. Sie werden nicht nur Verständnis für gestresste Projektverantwortliche
in ehrgeizigen Entwicklungsprojekten bekommen, die sich immer wieder für
Verzögerungen rechtfertigen müssen, die immer wieder nach neuen Mitteln rufen
oder die am Schluss ein Produkt präsentieren, das keiner so recht haben will.
Sie werden beim Lesen eine Vorstellung davon bekommen, wie die
althergebrachten Methoden der Projektplanung, die vor einem Jahrhundert
entwickelt wurden und die heute noch immer den Kern fast aller
Projektmanagementsoftware bestimmen, modifiziert werden müssen, damit
Entwicklungsteams erfolgreich Produkte hervorbringen und sich dabei an einmal
abgegebene Kosten- und Terminzusagen halten können.
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