Luthers 95 Thesen

Wir bereiten uns auf den 500. Jahrestag des Ereignisses vor, mit dem die Reformation begann: Die Veröffentlichung der 95 Thesen Martin Luthers. Eifrig wird über die Frage gestritten, ob er nun wirklich ein Blatt mit diesen Thesen an die Kirchentür genagelt hat, oder nicht. Aber was steht da drin? Und hat es was mit uns im Hier und jetzt zu tun? In 95 Folgen werde ich die 95 Thesen darauf prüfen, ob wir ihnen heute noch Sinn geben können. Hier geht es zur Übersicht.

Terror und Masern

Es war so etwas wie das Entspannungsmantra der letzten Tage: Wir müssen keine Angst haben, bei einem Amoklauf ums Leben zu kommen.

Experten aller Fachrichtungen, Medien aller Couleur, Facebook-Nutzer aller Überzeugungen haben es eingesetzt, in der Hoffnung, die deutsche Seele zu beruhigen.

Wir sollen in den Urlaub fliegen, wir sollen weiterhin in Einkaufszentren und zu Konzerten gehen, im Café sitzen, mit der Regionalbahn fahren. Mit einem Wort: Wir sollen keine Gefahrensituation meiden aus Angst, dass ein Irrer dort auf uns schießen oder eine Bombe zünden könnte.

Argumentiert wird dabei gern mit Statistiken. (Weiterlesen auf Welt.de)

Schirach ohne Moral

Es wird wohl das erfolgreichste Theaterstück der kommenden Spielzeiten an deutschsprachigen Bühnen werden. Schon jetzt haben 312.000 Menschen das Stück gesehen, und viele Theater haben für die kommende Spielzeit die Premiere im Programm.

Dabei ist „Terror“ von Ferdinand von Schirach gar kein „richtiges Theaterstück“. Es ist sozusagen die Live- und Echtzeitdarstellung einer Gerichtsverhandlung, mit „Anklageverlesung“, „Zeugenvernehmungen“, „Plädoyers“ und einem „Urteil“ – und die Zuschauer, die sind bei dem ganzen Schauspiel auch nicht einfach das Publikum, sie sind die „Richter“, oder die „Schöffen“, die ein „Urteil“ sprechen, die über „Freispruch“ oder „Schuldig“ zu befinden haben. Schirach ohne Moral weiterlesen

Über sexuelle Orientierung

In einem Beitrag für Die Kolumnisten gehe ich der Frage nach, welche Konsequenzen sich ergeben würden, wenn die sexuelle (oder genauer: die erotische) Orientierung des Menschen nicht biologisch festgelegt wäre. Natürlich gibt es dazu heftigen Widerspruch. Aber die Wissenschaft liefert für keine These stichhaltige Beweise oder sichere Belege. Nachdenken muss erlaubt sein, egal, wem man damit „das Wort redet“.

Was heißt Denken?

Menschliche Intelligenz besteht darin, über eigene Schwächen, Sehnsüchte, Ziele, Wünsche nachdenken zu können, ihnen nachzusinnen, auf den Grund zu gehen. Spiele zu gewinnen ist zwar ein schöner Zeitvertreib und Wettkampf, hat aber nichts mit dem Wesen des menschlichen Denkens zu tun. Etwa die Gründe für die eigenen Handlungen zu finden, das Gewissen zu befragen, die Intuitionen und Wertvorstellungen kritisch zu reflektieren, das ist der Kern menschlicher Intelligenz. Phantasien zu entwickeln und über diese Phantasien nachzugrübeln, das ist menschliches Denken. Warum sollten Computer sich mit so etwas abgeben? Wie sollte man sich einen Algorithmus überhaupt denken (!) der so etwas tut?

Frozen – überraschend.

Endlich wieder Disney-Filme gucken! Nachdem die erste Enkelin nun 3 1/2 Jahre alt ist, ist die Disney-Trickfilm-Abstinenz nach bald 20 Jahren endlich vorbei. An diesem Wochenende sah ich „Frozen“ – und war überrascht: Keine Königssöhne mehr, die schwache Prinzessinnen retten, statt dessen starke junge Frauen, die sich selbst – im wahrsten Sinne des Wortes – durchschlagen, dabei aber immer noch mein klassisches Frauenbild bedienen. Und am Ende ist der „Kuss der wahren Liebe“ nicht der zwischen dem hilfsbereiten tapferen Jungen aus einfachen Verhältnissen und der Prinzessin sondern… ach nein, schaut es euch selbst an.

Rechts und Links – was soll das sein?

Immer diese Debatten über Links und Rechts. Wer ist links, wer ist rechts. Ich lege das jetzt hier mal ein für alle mal fest und bitte euch, in Zukunft folgende Begriffsbestimmungen zu benutzen:
Sowohl die Linken als auch die Rechten sind Anwälte des „kleinen Mannes“ von dem sie sagen, dass er sich nicht um sich selbst kümmern kann weil er zu schwach oder zu doof ist, sondern dass man sich um ihn kümmern muss, damit es ihm gut geht und die großen Starken ihn nicht so ausbeuten.
Die Linken meinen, dass man dazu die Welt verändern muss, dass die Gesellschaft da im Kleinen wie im Großen umgebaut werden muss. So, wie die Welt ist, ist sie schlecht für die Schwachen und gut für die Starken, also muss man den Starken was wegnehmen und es den Schwachen geben, und dafür muss man ständig neue Gesetze oder gleich Revolutionen machen.
Die Rechten sagen, dass die Welt so, wie sie ist, schon ganz gut eingerichtet ist für die Schwachen und Doofen, und dass man, wenn das heute nicht so ganz gut läuft, eher schauen muss, wie es noch früher war, weil da alle glücklicher waren. Sie geben den Veränderungen die Schuld daran, dass es den Schwachen heute nicht so toll geht.
So einfach ist das.