Reflexe #11: Die Kraft der Sprache

Was ist Logik? Heute herrscht allgemein die Vorstellung, Logik sei die Lehre vom formal korrekten Sprechen und Schließen. In der Logik, so meint man, treffen sich die Philosophie und die Mathematik. In dieser Sicht hat die Logik von der Mathematik das formal Exakte, während sie von der Philosophie das grundsätzliche Fragen nach den Bedingungen der Möglichkeit des richtigen Urteilens und Schlussfolgern habe.

In dieser Partnerschaft von Mathematik und Philosophie ist ein weit verzweigtes Wissenschaftsgebiet entstanden, in dem es nicht nur um die einfache Verknüpfung von schlichten Aussagen über Tatsachen geht, sondern auch um Urteile über Mögliches und Notwendiges, um Erlaubtes und Verbotenes oder um Erwünschtes und Unerwünschtes geht. Und trotzdem umfasst all das nur einen ganz kleinen Teil dessen, worum es in der Logik von ihrem Ursprung her geht und gehen kann.

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Reflexe #10: Gegenwart und Vergangenheit

Inwiefern tragen wir heute lebenden Verantwortung für das, was unsere Vorfahren getan haben? Gibt es eine Verantwortung für die Vergangenheit, haben Menschen, die geboren wurden, als ein böses Geschehen längst vorbei war, irgendeine Verantwortung für das, was da passiert ist? Das ist eine Frage, die gerade in Deutschland die Gemüter bewegt. „Verantwortung für die Vergangenheit“ heißt auch der Beitrag von Susan Neiman zu dem Sammelband „Alles relativ?“, aus dem ich schon in meiner vorhergehenden Kolumne einen Beitrag besprochen habe. Dort habe ich gesagt, dass es interessant ist, diese beiden Beiträge einmal gedanklich zusammenzuführen. Aber der Reihe nach.

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Nur, weil wir hinschauen, sind wir keine Gaffer

Der Gaffer ist auf den Autobahnen zum neuen Bösewicht geworden. Er verursacht Staus und behindert Rettungsarbeiten. Jeden Tag wird inzwischen über ihn berichtet, es scheint sich um eine Epidemie zu handeln, eine neue Volkskrankheit, vor der keiner geschützt ist. Vor allem auf den Gegenfahrbahnen wimmelt es nur so von Gaffern, wenn man den Verkehrsmeldungen Glauben schenken darf.

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Reflexe #9: Kinder-Pflichten, Eltern-Sorgen

Philosophische Sammelbände, in denen mehrere Beträge verschiedener Autoren ein Thema aus unterschiedlichen Perspektiven untersuchen, haben einen besonderen Reiz. Als Leser kann man etwas tun, was den Autoren verwehrt bleibt: Man kann die verschiedenen Sichtweisen miteinander verbinden, man kann aus der Sicht des einen den Beitrag des anderen reflektieren.

Allerdings sind solche Beiträge oft an ein Fachpublikum gerichtet, sie zeigen einen Ausschnitt aus einer aktuellen akademischen Diskussion, und so ist dann auch die Sprache der Beiträge oft sehr formal, blutleer. Das macht das Lesen solcher Aufsätze besonders anstrengend.

Eine angenehme Ausnahme bildet der schmale Band »Alles relativ«, der von Mathias Lindenau und Marcel Meier Kressing gerade herausgegeben wurde und der vier anspruchsvolle, aber kurzweilige und verständliche Beiträge über »Ethische Orientierungen zwischen Beliebigkeit und Verantwortung« enthält.

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Reflexe #8: Figuren auf der Schwelle

Die politische Philosophie wird von „Figuren“ bevölkert. Da gibt es den Anderen und den Fremden, natürlich den Freund und den Feind. Diesen Figuren hat Dieter Thomä nun eine weitere hinzugefügt: Den Störenfried. Genauer gesagt: in seinem Buch „Puer Robustus“ hat er den Störenfried in der Philosophiegeschichte aufgespürt und über die Jahrhunderte begleitet, um eine Theorie des Störenfrieds zu entwickeln.

Was hat es mit diesen Figuren auf sich? Es handelt sich sozusagen um idealtypische Modelle von Menschen, die auf dem politischen Feld miteinander umgehen, die handeln, Ziele verfolgen, gegeneinander oder miteinander agieren. Die Figur trennt die Geschichte und den Journalismus von der politischen Philosophie und Theorie. Figuren sollen politische Prozesse verständlich machen. Sie helfen, zu verstehen, wie das Politische überhaupt entsteht und wie es in der menschlichen Gesellschaft wirkt.

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Es geht um Macht

Wer in der gegenwärtigen Welt Hilfe in der politischen Philosophie sucht, um Pegida und AfD, den Arabischen Frühling und die Occupy Bewegung oder den Wahlsieg Donald Trumps und den Brexit zu verstehen, dem seien die Bücher der Philosophin Chantal Mouffe dringend empfohlen. Ihr Werk ist politische Philosophie im besten Sinne des Wortes: es liefert prägnante Begriffe und grundsätzliche Thesen, mit denen sich die Nachrichten und Ereignisse aus der politischen Sphäre der Gesellschaft verständlich machen lassen. Es ist nicht übertrieben, zu sagen, dass Chantal Mouffe eine der wichtigsten Stimmen der gegenwärtigen politischen Philosophie überhaupt ist.

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Das Böse und das böse Denken

Erwachsene verwenden ungern das Wort „Böse“, schon gar nicht wenn es um politische Themen, historische Ereignisse oder das aktuelle Weltgeschehen geht. Es erscheint merkwürdig irrational, so, als wenn wir eine vernünftige Erklärung dessen, was passiert oder geschehen ist, zugunsten der Annahme einer mystischen, dunklen Macht aufgeben würden. Aber angesichts erschreckender und unverständlicher Terroranschläge, Kriege, Vergewaltigungen und Entführungen, beim Lesen von Leidensgeschichten von unmenschlichen Quälereien und Folterungen fragt man sich schon, ob es das Böse gibt. Ist da im Wesen des Menschen irgendetwas, das als böse bezeichnet werden und nicht anders erklärt werden kann als dass es eben das extreme Gegenteil des Guten ist, zu dem wir Menschen ja ebenfalls fähig sind und an das wir genau so gerne glauben, wie wir die Existenz des Bösen gern bestreiten würden?

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Wir brauchen keine Zinsen

Es gibt keine Zinsen mehr! Seit Jahren ist das Gejammer groß, und es nimmt zu, während die Zinsen abnehmen. Politiker schwingen sich zum Anwalt des „kleinen Sparers“ auf, der Geld für seine Altersvorsorge zurücklegen will, dafür aber keine Verzinsung mehr bekommt. Die Banken, ohnehin seit Jahren Lieblingsfeind von Politik und Medien, werden zum Hauptschuldigen für drohende Altersarmut erklärt.

Sicher haben die Banken weltweit und immer wieder im Laufe der Jahrzehnte große Fehler gemacht und Probleme in der Weltwirtschaft verursacht. Ob ihr Scheitern alle paar Jahrzehnte tatsächlich und auf lange Sicht zum Systemrisiko und zu Wohlstandsverlusten führt, muss man sicherlich im Einzelfall analysieren, und das Urteil kann unterschiedlich ausfallen.

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Woher willst du wissen, was ich empfinde?

Michael Pauen hat sich in seinem neuen Buch viel vorgenommen. Der Titel verspricht, „Die Natur des Geistes“ zu erklären. Der Titel spielt mit der philosophischen Doppeldeutigkeit des Begriffs „Natur“, der im Deutschen ja zum einen so etwas wie „Wesen“ bedeutet, zum anderen aber die Welt meint, die uns umgibt, zumindest diejenige, die nicht durch die menschliche Technik und Phantasie geschaffen ist. Man könnte also erwarten, dass das Buch entweder das Wesen des Geistes bestimmt, oder aber den Geist als etwas natürliches erklärt, etwas, das zur Natur gehört und ganz natürlich verstanden werden kann. Pauen geht es vor allem um letzteres.

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