Die Vernunft der Community

Die menschliche Vernunft ist nicht nur im Kopf, der Geist erweitert sich mit Denkhilfen, die der Mensch sich außerhalb seines Gehirns schafft. Im zweiten Teil dieser Serie (Ist das Netz ein „erweiterter Geist“?) ging es um diese Erweiterungen, von Notizen fürs Gedächtnis bis hin zu Services, die uns Entscheidungen und vielleicht sogar das Denken abnehmen.

Dabei stand aber der einzelne Geist, also der einzelne Mensch mit seinen persönlichen Gedanken, Wünschen und Zielen, immer im Zentrum. Von ihm aus erweiterte sich der jeweils eigene Geist in die Welt. Wie ein Spinnennetz bindet er seinen Geist an die Welt an. Im Zentrum des Netzes sitzt der Einzelne mit seinem Geist, seinem Denken und Entscheiden.

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Unfug Mietpreisbremse

Wenn es für bestimmte Einkommensgruppen keinen erschwinglichen Wohnraum gibt, dann ist eine „Mietpreisbremse“ sicherlich kein vernünftiges Mittel, den Missstand zu beenden – zumal, wenn das Regelwerk ein unübersichtliches bürokratisches Monster ist.

Vielmehr muss man doch fragen, warum es auf dem Markt kein Angebot an preiswertem Wohnraum gibt? Ob man freund oder Gegner der Marktwirtschaft ist, darüber besteht weitgehend Einigkeit: Wo eine Nachfrage ist, wächst auch ein Angebot. Das gilt auch für das untere Preissegment, sonst gäb es keine Discounter, keine Generika-Medikamente und keine No-Name-Produkte. Unfug Mietpreisbremse weiterlesen

Wer zahlt die Steuern in Deutschland?

Statistiken zeigen immer wieder, dass ein kleiner Teil der Bevölkerung mit hohem Einkommen den großen Teil der Einkommensteuern in Deutschland bezahlt. Etwa 50% der Steuerzahler zahlen 80% der Einkommensteuer, und das sind die mit den hohen Einkommen. Die 8% mit den höchsten Einkommen zahlen 50% der Einkommensteuer, von den rund 10.000 Einkommensmillionären zahlt jeder durchschnittlich rund 1 Mio Steuern im Jahr. Bei den Verbrauchssteuern dürfte die Sache analog aussehen, denn da ist klar: Wer viel verbraucht, zahlt viel Steuern. Ebenso sieht die Sache bei transaktionsbezogenen Steuern aus, wie Grunderwerb, Schenkungen und Erbschaften. Wer zahlt die Steuern in Deutschland? weiterlesen

Impfpflicht und Freiheit

Dass BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und Die Linke sich jetzt gegen die Impfpflicht wenden, die von Gesundheitspolitikern der Großen Koalition ins Spiel gebracht wird, hat vermutlich mit ihrer Position im parlamentarischen System zu tun: Als Opposition ist man nunmal gegen das, was die Regierungsparteien vorschlagen. Konsequent aus ihren politischen Programmen ergibt es sich nicht, und wenigstens die Linke stand vor zwei Jahren noch eigentlich, entsprechend ihrer Tradition, auch zur Pflicht zur Impfung.

Die Sache ist für einen Liberalen gar nicht so einfach, wie es scheinen mag. Aufklärung über das Für und Wider, über Risiken der Impfung und über das Risiko einer Epidemie bei Nicht-Impfung hat ihre Grenzen. Genau genommen bleibt es für den Einzelnen eine Abwägung, bei der auch Angst vor einem möglichen Schaden eine legitime Rolle spielt. Es kann niemandem zugemutet werden, dass er ohne aktuelle Notsituation bewusst etwas tut, was ihm schaden kann, damit eine abstrakte Gefährdung abgewendet wird. Impfpflicht und Freiheit weiterlesen

Flüchlinge zu Gast in der Demokratie

Vorweg gesagt: Ich habe bisher noch nichts für Flüchtlinge getan. Aber seit meine Tochter vor rund einem Monat dieses Video online gestellt hat, denke ich über das Thema immer wieder nach. Hier meine aktuellen Gedanken dazu.

Mit den anwachsenden Flüchtlingsströmen umzugehen und menschliche Tragödien wie etwa im Mittelmehr zu verhindern, ist ein globales Problem, bei dem internationale Organisationen und nationale regierungen gefragt sind. Aber gleichzeitig ist es bei diesem Thema wie bei keinem anderen möglich, globales Denken mit lokalem Handeln zu verbinden.
Flüchtlinge kommen nicht „nach Deutschland“ sondern nach Münster, direkt in unsere Nachbarschaft. In der Begegnung mit ihnen treffen die globalen Probleme direkt mit dem alltäglichen Leben zusammen. Auch wenn sie in Heimen am Stadtrand leben: Wir können hingehen, wir können direkt mit ihnen in Kontakt kommen. Wir können durch einfachste Dinge (Anika bringt in ihrem Video Beispiele) das Leben dieser Menschen erträglicher machen.
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Keine Armut in Deutschland

Was in Deutschland und vergleichbaren Ländern als „Armut“ bezeichnet wird, sagt über die tatsächlichen Lebensverhältnisse derer, die arm genannt werden, genau genommen gar nichts aus. Spontan würde ich jemanden als Arm bezeichnen, der nicht über die Mittel verfügt, um sich zu ernähren, zu kleiden und um ein Dach überm Kopf zu haben. Die statistische Messgröße, die verwendet wird, um „Armut“, genau gesagt, „relative Armut“ zu bestimmen, sagt dazu allerdings nicht direkt etwas aus. Sie geht von dem Einkommen aus, bei dem die Bevölkerung genau in der Mitte geteilt wird. Die Hälfte hat mehr Einkommen, die andere Hälfte hat weniger. Wer nun nur 50% dieses Einkommens hat, gilt als Arm, wer 60% hat, gilt als Armutsgefährdet. Ob man von den 50 oder 60% Leben kann, hat damit erst mal nichts zu tun.  Keine Armut in Deutschland weiterlesen

Hat die Parteiendemokratie eine Zukunft?

Über die vielen kleinen und großen Krisen, die Finanz- und Wirtschaftskrisen, die Euro-Krise und die Krisen im nahen und im fernen Osten, gerät die tiefgreifenste und langfristig vielleicht entscheidende Krise manchmal aus dem Blick: die Krise des repräsentativen Parteiensystem, der parlamentarischen Demokratie, die sich auf politische Parteien stützt. Diese Krise kommt in einer schleichend zunehmenden Entfremdung zwischen dem Volk, dem Demos, und seinen Repräsentanten, den als politische Klasse organisierten Parteien, zum Ausdruck. Nicht nur der Mitgliederschwund und die sinkende Wahlbeteiligung sind Zeichen dieser Krise, auch die Tatsache, dass das Handeln der regierenden Politiker und der Parlamentarier auf allen Ebenen von der Bevölkerung und in der Öffentlichkeit nur noch als politisches Theater wahrgenommen wird, als Schauspiel, von dem man zwar betroffen ist, das jedoch nicht die eigenen Interessen und Ziele repräsentiert sondern völlig losgelöst davon in einer eigenen, politischen Sphäre stattfindet, die man zwar benötigt, aber in Grunde doch verabscheut.

Diese Kluft zwischen dem Volk und seiner politischen Vertretung hat im Kern nichts mit den mangelnden Qualitäten des politischen Personals zu tun. Ihre Ursache liegt vielmehr darin, dass der Parteien-Parlamentarismus auf einer Idee beruht, die vielleicht nie ganz der Wirklichkeit entsprach und die heute überhaupt keine reale Grundlage mehr hat. Hat die Parteiendemokratie eine Zukunft? weiterlesen

Ist das Netz ein erweiterter Geist?

Die Idee des erweiterten Geistes setzt bei der Tatsache an, dass ich zum Denken und Entscheiden oft Hilfsmittel aus meiner Umgebung benötige. Ich mache mir Notizen, führe Telefonbücher, schreibe Einkaufszettel usw. Das alles entlastet mein Gehirn und hilft mir beim Denken prednisone 20mg dosage. Man könnte sagen, dass diese ganzen externen Hilfsmittel Teil meines Denkens sind, weil sie sozusagen ins Denken einbezogen sind. So, wie eine Liedtextzeile, die ich auswendig gelernt habe, zum Denken gehört, so gehört dazu auch die Zeile, die ich irgendwo nachschlage und ablese.

Dass das Internet zum Teil eines so verstandenen erweiterten Geistes wird, erleben wir heute tagtäglich in alltäglichen Verrichtungen. Das Smartphone ist das Kopplungsglied zwischen dem biologischen Geist im Gehirn und dem erweiterten Geist, der aus Kalender, Notizfunktion und E-Mail-Postfach, Suchmaschinen und Online-Enzyklopädien besteht. Wir rufen bei Bedarf eine Unmenge von Informationen aus dem Netz in einer Präzision und Zuverlässigkeit ab, die das Gehirn nicht liefern könnte, weil wir sie entweder nie gelernt haben oder weil sie längst im Ungewissen der Erinnerung versunken sind.

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