Ich will nie wieder Sozialismus

Viele Leute glauben wirklich, die LINKE hätte nichts mehr mit der SED zu tun. Sie denken bei SED und DDR an Stasi, Mauer, Diktatur, Zensur und sehen das alles nicht bei den LINKEn. Und das ist ja soweit auch richtig.
Es gab auch unter den Sozialisten und Kommunisten in der DDR natürlich viele gute Menschen, die fürs Volk nur das Gute wollten und gegen die Ausbeuter waren usw usf. Ich weiß das, ich habe doch selbst lange dazu gehört! Ja, ich bin mit 18 in die SED eingetreten, aus Überzeugung für den Sozialismus, gegen die Ausbeuter, die Kapitalisten, all diese Sachen.
Ich glaube, dass die LINKE vor allem aus lauter guten Menschen besteht, die die armen schwachen ausgebeuteten vor der Macht des Kapitals schützen wollen. Das ihr Weltbild nichts oder wenig mit der Realität zu tun hat, ist dabei erst mal egal.
Das Problem ist, und das hat die DDR und alle anderen sozialistischen Länder gezeigt: Mauer, Stasi, Diktatur, das kommt nicht zufällig zum Sozialismus dazu, weil da ein paar böse Verbrecher eine gute Idee missbrauchen. Was mir selbst erst spät klar geworden ist: Man muss die Menschen einsperren und überwachen, man muss Zeitungen zensieren, wenn man Sozialismus machen will. Weil jede Eigeninitiative und jeder Zweifel die „große gute Sache“ kaputt machen kann.
Deshalb ist es ganz egal, ob die heutige LINKE aus lauter guten Menschen besteht. Am Ende steht die Diktatur. Und deshalb macht es mir solche Angst, wenn heute immer mehr Menschen sagen, man sollte denen doch mal eine Chance geben, die sind doch alle so klug und nett und freundlich und wollen nur das Beste für alle.
Ich will nie wieder Sozialismus. Ich weiß, das ist so eine schöne Phantasie, so eine grandiose Illusion. Aber den Menschen würde es da nicht besser gehen.

Der freie Wille im Netz

Der Wille, zumal der „Freie Wille“ ist in die Defensive geraten. Nicht erst, seit die Neurobiologie meint, nachweisen zu können, dass das Gehirn schon eine Entscheidung über die Auswahl einer von zwei Optionen getroffen hat, bevor das Ich selbst etwas davon weiß, haftet dem Willen der Ruf an, etwas Unnötiges oder sogar Unerwünschtes zu sein. Schon in meinen Kindertagen wurde ich darauf hingewiesen, dass das Wollen etwas Unerhörtes ist. „Ich will ein Eis!“ Das auszusprechen war ungehörig, „ich möchte gern“ oder „ich möchte bitte“, das hatte ein wohl erzogenes Kind zu sagen. Nietzsches „Wille zur Macht“ geistert als Phrase durch die politischen Kommentare der Gegenwart, machtwillige Politiker sind uns suspekt, auch wenn wir sie heimlich bewundern.

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