Michael Blume: Evolution und Gottesfrage.

Das Buch scheint schon im Untertitel zu provozieren: „Charles Darwin als Theologe“. Der Mann, auf den sich alle berufen, die gegen Schöpfungsmythen und für natürliche Evolution argumentieren, soll ein Theologe gewesen sein? Aber Michael Blumes Buch ist keine Polemik, ist noch auf Provokation angelegt. Ganz nüchtern, in klarer, verständlicher, kurzweiliger Sprache sagt er, was zum Thema „Evolution und Gottesfrage“ bei Charles Darwin zu sagen ist.

Das geschieht in drei Teilen. Im ersten Teil rekonstruiert der Autor anhand vieler Originalzitate von Darwin selbst, aber auch von Begleitern und Diskussionspartnern, den Weg des Naturforschers vom gläubigen Christen zum Agnostiker. Dieser Weg war nicht widerspruchsfrei und voll von Selbstzweifeln, eben ein sehr menschlicher Weg eines großen selbstkritischen Geistes, und er führte ganz gewiss nicht zu einem simplen Atheismus. Man versteht sehr schön, und das ist eine große Leistung des Buchs, dass Naturforschung zwar zum Zweifel an einfachen, kindlichen Glaubensinhalten führt, aber nicht zur Ablehnung eines Schöpfergottes führen muss, dass vorurteilsfreie Naturforschung und Gottesglaube durchaus vereinbar sind.

Es gibt  aber neben der Frage, in wie fern der Glaube an Gott mit der Evolutionstheorie vereinbar ist, einen weiteren Aspekt, der unter dem Thema „Religion und Evolution“ betrachtet werden muss, und zwar die Frage, in wie fern die Evolutionsforschung selbst die Entwicklung von Religionen erklären kann. Das ist ein spannendes und vielfältiges Feld, das Blume im zweiten Teil seines Buches verständlich aufbereitet. In wie fern ist der Mensch biologisch zur Religion veranlagt, und ist diese Veranlagung vielleicht sogar ein Evolutionsvorteil? Ich muss gestehen, dass mich Blumes Buch hier zu einem Nachdenken angeregt hat, das noch lang nicht abgeschlossen ist.

So vorbereitet, kann man sich als Leser an den dritten Teil des Buchs machen, in dem Blume ausführlich den Standpunkt des so genannten „evolutionären Theismus“ beschreibt, der letztlich gerade im Wirken der Naturgesetze, insbesondere in denen der Evolution, das Wirken Gottes erkennt. Gerade diesen Teil sollte sich jeder, den die Frage umtreibt, ob in einer Zeit der Herrschaft eines gottlosen oder genauer gesagt gott-freien wissenschaftlichen Weltbildes Gottesglauben überhaupt noch möglich ist oder gerechtfertigt werden kann, sehr genau durchlesen prednisone 10mg tablets.

Alles in allem ein Buch, das zum Weiterdenken anregt, und das, gerade zu einem kontroversen Thema, in einer bewundernswerten Ruhe und Gelassenheit geschrieben ist.

Evolution und Gottesfrage: Charles Darwin als Theologe (HERDER spektrum)

Medien und Debatten

Solange es Medien gibt, werden sie für Debatten genutzt. Das Feuilleton der großen Zeitungen ist für seine Debatten bekannt, und seit es das Fernsehen gibt, wird dort debattiert, inzwischen vor allem im Format der Talk-Shows. Dass soziale Netzwerke im Internet inzwischen zu den Medien zählen, könnte man daran festmachen, dass der Begriff der Debatte inzwischen zur Kennzeichnung bestimmter Nachrichtenwellen verwendet werden, die durch die Meldungsströme der angemeldeten Benutzer schwappen und inzwischen immer häufiger die alten Medien erreichen, um dort in eben jenen Talkshows oder in den Feuilletonspalten zu versanden.

Weiterlesen bei Telepolis