Was heißt eigentlich „relativieren“

„Man kann nicht Äpfel und Birnen vergleichen“ das ist so eine Floskel, bei der ich mich jedes Mal frage, was für einen Unsinn sie eigentlich behauptet. Natürlich kann man Äpfel und Birnen vergleichen: So z.B. hinsichtlich der Größe, der Haltbarkeit, des Zuckergehaltes, aber auch in Bezug auf den Geschmack. Man kann Äpfel auch mit Pflaumen vergleichen, sogar mit Kartoffeln oder mit Blumenkohl, erst wenn jemand beginnt, Äpfel z.B. mit Hunden oder Mobiltelefonen zu vergleichen, wird es schwierig, noch an sinnvolle Vergleichskriterien zu glauben, und wer versucht, Äpfel mit Mondlandungen zu vergleichen, der wird Schwierigkeiten bekommen, sich verständlich machen zu können.

Man kann also vieles miteinander vergleichen, das kann eine spaßige Sache sein. Nur, wenn jemand verschiedenes miteinander gleichsetzt, dann kann der Spaß ganz schnell vorbei sein: Wer sagt, Äpfel und Birnen seien im Grunde das Gleiche, der fordert die Obst-Spezialisten heraus, die auf die feinen Unterschiede zwischen der runden und der Kanzlerkopf-förmigen Frucht verweisen und bemerken, man dürfe diese Unterschiede nicht relativieren. Relativieren heißt: Unterschiede verwischen, nicht wahrnehmen oder bewusst ausblenden. Was heißt eigentlich „relativieren“ weiterlesen

Im Kino: Zwischen uns das Paradies

Der Film ist der hilflose Versuch, die Veränderung eines durchschnittlichen jungen bosnischen Muslim zum fundamentalistischen Wahabiten irgendwie erklärbar oder plausibel zu machen. Wobei „Hilflosigkeit“ vielleicht der angemessene und ehrliche Umgang mit diesem Phänomen ist.

In Sequenzen, die fast eine Dia-Show sind, sieht man in den ersten 10 Minuten dieser Kooproduktion Bosnien-Herzegowinas, Kroatiens, Östereichs und Deutschlands zunächst Luna und Amar, ein glückliches junges Paar, noch unverheiratet, hoffen Sie in einer bescheidenen Wohnung auf das erste Kind. Im Kino: Zwischen uns das Paradies weiterlesen

Wer soll hungern in Tansania?

Quer durch den Serengeti-Nationalpark, den europäische Fernsehzuschauer durch den eindringlichen Appell eines Dokumentarfilmers, die Serengeti nicht sterben zu lassen, lieb gewonnen haben, soll eine Schnellstraße gebaut werden, eine Autobahn.  Die Trasse verläuft quer zu den Zugrichtungen von Gnu- und Zebraherden, weshalb es die verschiedenen europäischen Naturschutzverbände natürlich als Tragödie bezeichnen, wenn die Straße gebaut werden würde. Wer soll hungern in Tansania? weiterlesen

Das Sprach-Netz

Die Sprache, in der Gruppen von Menschen sich verständigen, gehört zu den zentralen Bestandteilen ihrer Kultur. Durch eine gemeinsame Sprache ist Verständigung, Abstimmung des Handelns und damit das gemeinsame Schaffen einer Kultur überhaupt erst möglich. Unterschiedliche Sprachen führen aber auch zur Abgrenzung von anderen Gemeinschaften. Wittgensteins berühmter Satz „Die Grenzen meiner Sprache sind die Grenzen meiner Welt“ bringt auf den Punkt, wie sehr wir in unserem Umgang mit anderen und bei der Erschließung der Umwelt durch die Sprache begrenzt sind.

Das ist so lange unproblematisch, wie mir in der Welt nur Menschen begegnen, mit denen ich eine gemeinsame Sprache habe – und das ist ja zunächst der Normalfall: Ich lerne als Kind die Sprache meiner Eltern und die der anderen Kinder, in der Schule werde ich mit der Sprache der Lehrer vertraut gemacht, die Sprache meines Berufes lerne ich von Menschen, die mir in der Ausübung dieses Berufes begegnen. Wenn mein Handeln nur von Menschen abhängt, die die gleiche Sprache wie ich sprechen und wenn dieses Handeln nur für diese Menschen relevant ist, dann gibt es kein Problem in der Vermittlung von Handlungen und Sprache. Die Grenzen meiner Sprache sind dann auch die Grenzen der anderen, es sind die Grenzen unserer gemeinsamen Welt. Das Sprach-Netz weiterlesen

Willkommen zurück

Lange war hier Ruhe, aber nun habe ich mich entschlossen, mein ScienceBlogs-Experiment wenigstens vorläufig einzustellen. Da ich das Bloggen nicht lassen kann, werde ich erst einmal hier ganz privat weitermachen. Also: Feedreader abonnieren und auf den ersten „echten“ Eintrag warten – es dauert nicht lange!