Wissenschaftsjournalismus: It’s a blogging world

Schon die Zeichnung, mit der nature den Artikel „Supplanting the old media?“ (nature 458, 19.03.2009, pp 274-277) von Geoff Brumfiel illustriert, spricht Bände: Um eine halbverfallene Steinsäule mit der Aufschrift „Science Journalism“ rankt sich frisches Grün, an dessen Spitzen kleine Notebooks blühen.

Der Wissenschaftsjournalismus ist in der Krise. In den klassischen Medien werden weltweit die Wissenschaftsredaktionen abgebaut und der Umfang der Berichterstattung sowie die Recherche-Budgets gekürzt. Das ist die schlechte Nachricht.

Die gute Nachricht ist, dass immer mehr Wissenschaftler zu Bloggern werden. Sie nutzen das Netz, um schnell über ihre Forschungen berichten zu können und unmittelbare Reaktionen von Kollegen zu erhalten, aber auch, um der Öffentlichkeit über ihre Forschungen unmittelbar und ohne den Filter des Journalisten zu berichten. Wissenschaftsjournalismus: It’s a blogging world weiterlesen

Im Kino: Inside Hollywood

Ich kann es kurz machen: Man bekommt sein Geld nicht zurück, man bekommt schon gar keine Entschädigung für Zeit, die man sinnlos im Kinosessel verbracht hat. Ich hab an der Kasse gefragt, als ich aus dem Kinosaal kam, und ich war vermutlich nicht der erste.

Wer unbedingt wissen will, was ein paar Hollywood-Promis gern für ein Bild von ihrem Alltag in der Welt verbreiten wollen, der muss sich „Inside Hollywood“ natürlich ansehen. Man kann sich den Verlust von Illusionen aber auch ersparen. Im Kino: Inside Hollywood weiterlesen

Wer soll nun die Kinder lehren?

Max und Moritz haben bekanntlich ihren Lehrer Lämpel durch Streiche, mit denen sie in heutiger Zeit zum Thema von Talkshows und Politiker-Reden werden würden, ins Krankenbett gebracht. „Wer soll nun die Kinder lehren…“ fragte Wilhelm Busch und legte damit über seine Zeit dreifaches Zeugnis ab.

  1. Schon damals gab es ungezogene Kinder, die ihren Lehrern das Leben schwer machten.
  2. Die Lehrer dieser Zeit verfügten offenbar auch nicht alle über die nötige Autorität, um mit solchen Schülern souverän umgehen zu können
  3. Es gab offenbar auch im Schulsystem der Busch-Zeit einen Lehrermangel, denn eine geeignete Vertretung für einen erkrankten Lehrer scheint nicht der Normalfall gewesen zu sein. Wer soll nun die Kinder lehren? weiterlesen

Gier

Wenn die Ökonomie das ist, was sich in den Kategorien „nützlich“ und „schädlich“ ausdrücken lässt und Ethik all das umfasst, was sich in den Kategorien „gut“ und „böse“ ausdrücken lässt, dann markiert der Begriff „Gier“ offenbar einen Berührungspunkt zwischen dem Ökonomischen und dem Ethischen. Aber kann es solche Berührungspunkte überhaupt geben? Ist nicht jedes ökonomisch nützliche Verhalten – je nach Perspektive, je nach Zeithorizont – mal ethisch gut und mal verwerflich? Sollte man deshalb nicht ökonomische s und ethisches säuberlich trennen um nicht in heillose Argumentationsschwierigkeiten angesichts der Komplexität der wirklichen Zusammenhänge zu geraten?

 

Der Sinn solcher Überlegungen, das Ziel der richtigen Einordnung eines Begriffes wie „Gier“ ist, herauszufinden, unter welchen Bedingungen wir uns wirklich gegen Gier zur Wehr setzen müssen, was wir tun müssen, damit Gier nicht unser Leben gefährdet. Wenn Gier ein ökonomisches Phänomen ist, dann muss sie ökonomisch bekämpft werden, dann kann man ökonomische Instrumente, die Gier befördern, verbieten oder bekämpfen, ist es ein moralisches Problem, dann kann es mit moralischem Druck und ethischer Bildung angegangen werden. Gier weiterlesen

Das Kinder-Rätsel

Zu den größten Rätseln der modernen westlichen Gesellschaft gehört es, dass überhaupt noch Kinder geboren werden. Früher, zu Beginn des 20. Jahrhunderts, sprachen biologische, kulturelle und rationale Gründe für das Kinderkriegen. Heute, 100 Jahre später, ist davon quasi nichts mehr übrig geblieben.

Vor 100 Jahren hätten die Menschen ganz auf Sex verzichten müssen, um sicher vermeiden zu können, dass Kinder gezeugt werden. Das wusste die Natur jedoch zu verhindern. Heute gibt es eine ganze Vielzahl von Möglichkeiten, zu entscheiden, ob eine Frau sich dem Risiko, schwanger zu werden, überhaupt aussetzen möchte.

Aber vor 100 Jahren stellte sich auch niemand diese Frage. Es war ganz selbstverständlich, dass sich junge Männer und Frauen spätestens mit 20 Jahren zusammen taten, um eine Familie zu gründen. Es war keine Entscheidung nötig, kulturelle Prägung, Tradition, machte es zu einer nicht hinterfragten Selbstverständlichkeit. Das Kinder-Rätsel weiterlesen

Carl Schmitt und der Begriff des Politischen

Politiker unterlassen, was wir von ihnen erwarten, oder sie mischen sich in Dinge ein, von denen sie lieber die Finger lassen sollten. Aber was ist eigentlich das Politische? Was unterschedet es vom Ökonomischen, vom Kulturellen, vom Ethischen und vom Religiösen? Carl Schmitt hat schon 1932 dazu einen interessanten Text geschrieben. Um diesen Text geht es im aktuellen philosophischen Podcast. Carl Schmitt und der Begriff des Politischen weiterlesen

Sieg oder Niederlage bei Call-In-TV?

Die Call-In-TV-Sender haben ihr Verhalten geändert. In weit größerem Maße als noch vor wenigen Wochen werden Anrufer durchgestellt, auf den Glücksspielcharakter der Sendungen wird deutlicher hingewiesen. Grund dafür ist eine neue Satzung, die seit Anfang März in Kraft ist.

 

Ist das ein Sieg der Kritiker von 9Live, DSF und Verwandten? Können die, die mit bewundernswertem Einsatz und unter Einsatz ihres persönlichen Vermögens gegen die Missstände bei den Anrufsendern gekämpft haben, nun die Korken knallen lassen? Sieg oder Niederlage bei Call-In-TV? weiterlesen

Diese Woche gelesen

Auch wenn der Artikel beim Fragezeichner schon etwas älter ist, lohnt sich ein später Link, vor allem auch wegen der interessanten Diskussion über Freunde, Bekannte und Kontakte.

Andrea Diener ist auf der Leipziger Buchmesse, und ihre kleine Geschichte vom Tag 0 lässt auf weitere schöne Detail-Einblicke hoffen.

Und dann möcht ich noch auf einen schönen Text hinweisen, von jenem Twitter-Fachmann geschrieben, auf dessen Texte hinzuweisen ich zuvor nicht für möglich gehalten hätte.