Der korrekte Name

Wer hat das Recht, Namen zu vergeben und auf der Benutzung des „richtigen Namens“ zu bestehen? Bei Menschen ist die Sache noch ziemlich einfach: Die Eltern legen fest, wie das Neugeborene heißt und fortan muss man sich im Allgemeinen bis zu seinem Tode damit abfinden. Die richtige Schreibweise wird in der Geburtsurkunde geregelt und bleibt unverändert, wenn man sich nicht einem recht aufwändigen Prozess der Namensänderung unterzieht. Die Regeln dafür sind hart und gesetzlich definiert.

Ganz anders liegt die Sache bei Ländern, Städten oder Landschaften. Meist liegt es im Dunklen der Vergangenheit, wie Orte und Gegenden zu ihren Namen kamen. Fast scheint es, als seien sie mit der Sprache zusammen entstanden und hätten sich mit ihr über die Jahrhunderte verändert und entwickelt. Schaut man in alte Atlanten, staunt man, dass der Name von manchem Ort vor 500 Jahren noch etwas anders war als heute – und doch hat niemand per Dekret den Namen jemals festgelegt oder geändert. Der korrekte Name weiterlesen

Tanztheater als Spiegel der Gesellschaft?

Vielleicht will das Tanztheater Münster ein Spiegel der Gesellschaft sein, vielleicht gestalten die Tänzerinnen und Tänzer um Daniel Goldin ihre Rollen so, wie sie ihr Leben sehen.
Sie sind jung, sie sind sportlich, sie sehen gut aus – und sie sind allein.
Auch wenn es Momente gibt während der anderthalbstündigen Aufführung, in denen alle acht Mitwirkenden auf der Bühne sind und ein buntes Durcheinander vortäuschen, ist jeder von ihnen offenbar allein, mit sich beschäftigt, und kaum auf das bezogen, was die anderen tun. Nur kurz kommt es zu gemeinsamen Bewegungen von zwei oder drei Personen, ein Gleichklang, der kurz sichtbar wird, um nach Sekunden wieder zu zerfallen.
Und wenn tatsächlich einmal ein Paar sich findet, dann fragt sich der Zuschauer, ob die Bewegungen zuneigend oder anstoßend sind, ob da Annäherung oder Distanzierung passiert. Berührungen gibt es kaum, Liebkosungen bleiben auf Abstand. Sehnsucht nach Nähe wird von der Angst vor dem unbekannten Anderen in Schach gehalten.
Ballett, das war früher Paartanz und synchrone Gruppenbewegung. Im heutigen Tanztheater ist das unmöglich geworden.

Der neue Star des Hamburger Kinderbuchverlags

Die Stars des Hamburger Kinderbuchverlags hießen bisher Lea und Lottchen, Alexandra, Axel und Ernst – und natürlich die Tropfenbande. Es waren Kätzchen, Schweinchen, Pferde und kleine Mädchen und Jungen. Nun aber bekommen die kleinen Stars einen ganz großen Bruder: „Marco W.“

Der junge Mann hat ein Buch geschrieben, über seine Zeit im türkischen Gefängnis, das ist an sich nicht überraschend. Es erscheint im Hamburger Kinderbuchverlag – das ist schon eher eine Überraschung. Dass er seinen Anwalt nicht um Rat gefragt hat, mag der für einen Fehler halten – dem Buch selbst sichert diese Tatsache nur umso mehr Aufmerksamkeit. Der neue Star des Hamburger Kinderbuchverlags weiterlesen

Drei Mal Gemetzel

Manche sehen sich drei Mal den gleichen Film an, einige gehen immer wieder in das aktuelle Konzert ihres Lieblingskünstlers. Trotzdem war es ein ungewöhnliches Projekt, drei Mal innerhalb von wenigen Monaten an verschieden Orten Inszenierung des gleichen Theaterstückes anzusehen.

Drei Mal, das ist aus verschiedenen Gründen in diesem Fall aber eine naheliegende Idee: Vor wenigen Jahren zeigten die Städtischen Bühnen Münster das Stück „Drei Mal Leben“ der französischen Autorin Yasmina Reza, in dem das gleiche Treffen zweier Ehepaare in drei verschiedenen Versionen durchgespielt wurde. In Rezas aktuellem Stück „Der Gott des Gemetzels“ treffen sich auch zwei Ehepaare, allerdings gibt es nur eine Version des Gemetzels, das angerichtet werden kann, wenn „zivilisierte Menschen“ die Beherrschung verlieren und die Masken fallen lassen.

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Die SPD weint Wolfgang Clement keine Träne nach

„Reisende soll man nicht aufhalten“ so lassen sich heute, am dem Tag, an dem Wolfgang Clement die SPD verließ, führende Genossen zitieren. Das klingt schon ein bisschen nach SED-Zentralorgan, die älteren werden sich erinnern, im Frühjahr 1989 ließen die alten Männer vom Politbüro angesichts von tausenden DDR-Flüchtlingen  verlautbaren, sie „weinten ihnen keine Träne nach“. Die SPD weint Wolfgang Clement keine Träne nach weiterlesen

Die Lücke

Mit zunehmendem Erfolg bemühen sich die Wissenschaftler, die sich die Erforschung der Geschehnisse in der Atmosphäre auf die Fahnen geschrieben haben, das Wetter der nächsten Tage vorherzusagen. Tatsächlich gelingt ihnen das, wie uns der tägliche Wetterbericht zeigt, immer genauer. Die Meteorologen haben in der vergangenen Woche z.B. schon am Wochenanfang den Wintereinbruch für Freitag recht genau vorhergesagt.

 

Sollten wir daraus nicht schlussfolgern können, dass auch die Vorhersage der langfristigen klimatischen Trends immer besser und genauer werden muss? Schließlich ist Klima nichts anderes als mittleres Wetter, um es einmal etwas locker zu formulieren. Und wenn die Vorhersage genauer Wetterentwicklungen immer besser wird, dann sollte doch die Prognose von Mittelwerten erst recht immer einfacher werden?

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Was ist Zukunft?

Wenn ich gar keine Vorstellungen darüber hätte, was demnächst passiert, könnte ich kaum handeln. Beipielsweise werde ich heute abend einen Vortrag besuchen, ich bin mir ziemlich sicher, dass diese Veranstaltung stattfinden wird, ich werde also aufs Rad steigen und zur Universität fahren um einem aus Bonn angereisten Philosophen zu lauschen.

Zu sagen, dass ich in Zukunft einem Philosophen aus Bonn bei einem Vortrag zuhören werde, klingt irgendwie unpassend, auch wenn diese Veranstaltung von jetzt aus gesehen „in der Zukunft liegt“.

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Regierungsfähigkeit und Fraktionen

Deutsche Abgeordnete sind in ihren Entscheidungen frei und nur ihrem Gewissen verpflichtet. Solche Grundsätze stehen in den Verfassungen jedes Landes wie auch der des Bundes. Auf der anderen Seite schließen sich Abgeordnete zu Fraktionen zusammen, das erleichtert ihnen auf der einen Seite die Arbeit, auf der anderen Seite soll es Stabilität und Regierungsfähigkeit sichern.

Fraktionen sind eine praktische Erfindung der parlamentarischen Demokratie – keine Frage. Schon bei der Wahl macht sich das bemerkbar: Jeder Wähler weiß eigentlich und geht bei seiner Wahlentscheidung auch davon aus, dass er nicht einen einzelnen Abgeordneten wählt, sondern dass er über die Stärke einer Fraktion mit bestimmt. So muss er sich nicht mit den Anschauungen und Zielen, den Arbeitsweisen, Stärken und Schwächen des einzelnen Kandidaten beschäftigen, statt dessen liest er die Überschriften der Wahlprogramme oder beobachtet, was die Führungsmannschaften von Parteien und Fraktionen sagen und tun. Das reduziert die Komplexität und macht eine klare Entscheidung in der Wahlkabine überhaupt erst möglich.

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Nachdenken über eine Woche in Hessen

Es gibt viele, die den vier hessischen SPD-Migliedern, die ihrer Vorsitzenden in der vergangenen Wochen die Wahl zur Ministerpräsidentin verweigert haben, niedere Motive unterschiedlicher Art unterstellen. Ich halte diese Unterstellungen allesamt nicht für plausibel, vor allem aber lenken solche Überlegungen von viel wichtigeren Fragen ab: Ist Ehrlichkeit und Schwimmen gegen den Strom in einer Parteiendemokratie für den Einzelnen möglich? Und wenn nicht, welche Konsequenzen hat das für das Funktionieren einer Demokratie? Nachdenken über eine Woche in Hessen weiterlesen

Andrea Ypsilanti und Barack Obama

Irgendwie kann man zwischen zwei Menschen immer ein paar Gemeinsamkeiten finden, um sie in einer Überschrift zusammen zu bringen. Und bei der SPD-Politikerin Andrea Ypsilanti, die heute hessische Ministerpräsidentin werden wollte und dem demokratischen Politiker Barack Obama, der heute amerikanischer Präsident werden will, ist das gar nicht so schwer. Andrea Ypsilanti und Barack Obama weiterlesen