Ist das Suchen eine Kulturtechnik?

Das Wort „Kulturtechnik“ ist ein starker Begriff. Obwohl er kaum klar definiert sein dürfte, sind die menschlichen Handlungsmuster, die mit diesem Begriff eingeordnet werden, zentral für das Strukturieren unseres Selbstverständnisses. Religion, Wissenschaft, Kunst, Ackerbau und Viehzucht, das sind einige der zentralen Kulturtechniken. Gehört die Internet-Suche auch dazu?

Jürgen Lübeck greift das Stichwort aus einer anderen Diskussion über Google auf und regt mich so zum Nachdenken an.

Kulturtechniken sind benennbare und abgrenzbare Wege des Menschen, sich die Welt zu erschließen und anzueignen. Die Idee, das „googlen“ dazuzuzählen, ist interessant: Tatsächlich nutzen immer mehr Menschen nicht nur die Suchmaschine, um bestimmte Informationen zu finden, sie entwickeln auch Verfahren, sich Kontextinformationen und neues Wissen zusammenzustellen, zu priorisieren und für eigenes Handeln zur Grundlage zu machen. Der Blick auf die Welt wird durch dieses Handlungsmuster geprägt.

Dabei ist das Googlen aber weit mehr als Informations-Suche. Es ist auch eine charakteristische Art, die gefundenen Informationen schnell aufzunehmen, zu ordnen, zu priorisieren und in (meist wiederum Internet-gestützer) Kommunikation einzusetzen.

Deshalb sollte man sich davor hüten, die Rolle der Suchmaschine Google in diesem Prozess überzubewerten. Vielleicht ist Googlen tatsächlich eine Kulturtechnik wie die Religion oder die Wissenschaft, aber Google ist nicht Gott, und sobald das Unternehmen versucht, sich zum Gott aufzuspielen, werden andere neben ihm stark werden.

Allerdings bietet die Kulturtechnik googlen denen Chancen, denen es gelingt, das Material Information so bereitzustellen, dass es optimal auf das Verhalten der Menschen innerhalb dieses Systems passt.

Harry Potter und die Dunkle Seite der Macht

Gestern habe ich den neuen Harry-Potter-Film gesehen. Das Kino war nur dürftig gefüllt, was an den hohen Außentemperaturen gelegen haben mag. Vielleicht auch, weil wir den Film alle irgendwie schon mal gesehen hatten.

Ich muss zugeben, dass ich kein einziges Buch von J.K. Rowling bisher gelesen habe. Somit ist mir der Verlauf der Saga als ganzes bisher unbekannt geblieben. Umso erstaunter war ich, dass ich die Story schon kannte.

Der Held wird zunehmend auf die dunkle Seite der Macht gezogen. „Harry Potter und der Orden des Phönix“ entspricht ziemlich genau „Star Wars Episode II“ mit leichten Anleihen beim „Highlander“ (Es kann nur einen geben!). Bis ins Detail folgt der Plot dem großen Vorbild von George Lucas. Jeder Kenner der Star Wars Filme wird z.B. an das berühmte Lichtschwertduell zwischen Yoda und Count Dooku denken, wenn Dumbledore und Lord Voldemort sich duellieren. Von diversen Parallelen zwischen dem „Orden des Phönix“ und den Jedi-Rittern will ich gar nicht reden.

Man kann einwenden, dass es nur wenige Plots für Geschichten des Kampfes der Guten gegen die Bösen gibt. Der Autorin der Bücher selbst ist also vielleicht gar kein Vorwurf zu machen. Schlimm ist allerdings, dass die Leite, die bei diesem Film für Kostüme und Spezial-Effekte zuständig waren, offenbar überhaupt keine eigene Phantasie hatten und sich deshalb ganz hemmungslos bei dem großen Vorbild bedient haben.

Das ist wohl der Hauptgrund, warum ich ständig dachte, ich sitze im falschen Film. Ganze Sequenzen erschienen so, als wenn man den berühmten Träger der großen runden Brille in die neuen Star-Wars-Filme hineinmontiert hätte. Und dafür waren die 2 ½ stunden des Films dann doch einfach zu lang.

Überwachung von „Staat und Wirtschaft“?

Stoppt den Überwachungswahn! Das ist gegenwärtig ein Slogan, dem man als Demokrat gerne zustimmt. Bei manch einem Aufruf wird dann aber gern „Staat und Wirtschaft“ in einem Atemzug genannt. Ist das hilfreich?

In Berlin soll eine Demonstration von Bürgerrechtlern gegen den Überwachungswahn von Staat und Wirtschaft stattfinden. Das macht stutzig: Schließlich gibt es zwar „den Staat“ als handelndes Subjekt, aber nicht „die Wirtschaft“.

Wenn ich mich durch die Kundenkarte eines Unternehmens ausspioniert fühle, muss ich keine benutzen. Wenn ich Sorge vor der Verwertung meiner Kreditkarten-Informationen für Werbezwecke habe, zahle ich in bar. Wenn ein Unternehmen mein Geburtsdatum wissen will, bevor es zum Geschäft kommt, gehe ich zur Konkurrenz.

Die „Überwachung durch die Wirtschaft“ ist kein wirkliches Problem, da ich mich ihr entziehen kann. Das ist bei staatlicher Überwachung anders.

Wenn man diese beiden Dinge, die nichts miteinander zu tun haben, zusammenwirft, schadet man der eigenen Idee, weil man Leute, die nicht gegen die Wirtschaft demonstrieren wollen, ausschließt. Das sollte schnell wieder aufhören.