Ohnmacht ist ein schönes Gefühl

Ob ich mich für Politik interessiere? Ach wissen Sie, da kann man doch eh nichts machen. Die machen doch sowieso was sie wollen. Und wir sind die dummen. Stecken sich doch alles in die eigene Tasche. Was, Demokratie? Sie scherzen wohl? Da ist doch einer wie der andere. Sind doch alle gleich. Alle in einen Sack und draufhaun, sag ich immer. Trifft immer den richtigen, sag ich immer.
Was sagen Sie, da wären schon Unterschiede? Na Sie Spaßvogel, glauben Sie denn, die erzählen Ihnen die Wahrheit? Wenn die Kamera dabei ist, dann tun sie so, ja ja. Aber glauben Sie mir, nachher stecken die die Köpfe zusammen und lachen sich tot über uns! Sind doch alles Schauspieler, einer wie der andere. Spielen uns was vor, in Wirklichkeit machen sie gemeinsame Sache, grad wie es ihnen passt, ja.
Was meinen Sie, wählen könnt ich doch, wen ich will? Sagen Sie mal, wo leben Sie denn? Glauben Sie, das hätte irgend eine Bedeutung, wo ausgerechnet ich mein Kreuz mache. Die schieben sich doch die Posten und Pöstchen zu, wie’s ihnen beliebt. Das ist ein Geschacher ich sag’s Ihnen. Nee nee, die machen mit uns was sie wollen, können Sie mir glauben. Ich weiß, wovon ich rede.
Was, die Presse? Na, Sie sind mir ja vielleicht ein Komiker! Glauben Sie, die Zeitungen schreiben die Wahrheit? Ha, dass ich nicht lache! Die schreiben doch auch nur, was genehm ist. Ab und zu mal ein kleiner Skandal, ist alles abgesprochen. Einer muss über die Klinge, damit wir glauben, es gibt Gerechtigkeit. Aber glauben Sie mir, der fällt weich! Da sorgen schon die Geheimdienste für.
Was die Geheimdienste damit zu tun haben?? Mann, Sie sind wohl nicht von dieser Welt! Die steuern doch alles, alles, ich sag’s ihnen. Die haben alles in der Hand! Denken Sie nur an den 11. September. Wie, was Osama Bin Laden?! Ist doch längst erwiesen, dass das die CIA war. Wissen Sie, ich glaube ja, der Osama ist selbst einer von denen. Das ist doch logisch, das ist die einzige Erklärung. Passt auch zu denen. Meint mein Schwager auch.
Da kann man nichts machen. Kommen Sie, trinken wir noch ein Bier.

Hat Second Life seine Zukunft schon hinter sich?

Einen interessanten Erfahrungsbericht las ich soeben über Second Life. Vor allem die Diskussion danach macht stutzig: Kaum jemand kann mit Second Life so richtig etwas anfangen, keiner kann den Rummel wirklich verstehen. Interessant auch, dass diese Virtuelle Welt scheinbar nicht auf zukünftige Möglichkeiten der Kommunikation sondern auf längst vergangenes oder wenigstens angestaubtes Mobilar aus dem wirklichen Leben zurückgreift. Und da wundert sich noch einer, dass Unternehmen in dieser Welt zurückhaltend sind!

Internetnutzung in Führungspositionen

Die Bemerkung von Gloß, er habe seine Leute, die das Internet bedienen könnten, wird in verschiedenen Blogs diskutiert. Tatsächlich ist es ein Massenphänomen, dass Leute in Führungspositionen das Internet nicht selbst nutzen und sich kaum darin auskennen. Die 80jährige zum Maßstab zu nehmen, trifft aber nicht den Punkt. Um das Internet wirklich nutzen zu können, muss man entweder viel Zeit haben oder seinen Arbeitstag vor dem Computer verbringen. Politiker, Konzernchefs, Professoren u.ä. tun das nicht: Sie sind unterwegs, sitzen in Sitzungen, halten Reden u.ä. Da haben sie kaum eine Chance.

Wohin das dann führt? Warten wir es ab. Besser jedenfalls, man hat dafür schon heute seine Leute als dass man’s ganz ignoriert.

Aus Angst

Ich kann Kuchen backen. Einfach aus Mehl, Zucker, Milch und Eiern, mal mit Obst und mal mit Kakao oder Zitrone verfeinert. Auch Brot, sogar aus Sauerteig und ohne Hefe.

Aber glauben Sie nicht, ich mache das aus Spaß. Es ist die bloße Angst.

Jeden Tag jogge ich, mache anschließend Dehnungsübungen und leichte Gymnastik. Nichts, worunter meine Knochen langfristig leiden könnten. Ich halte mich über die Forschungen auf diesem Gebiet auf dem Laufenden.

Halten Sie mich nicht für einen Gesundheitsfanatiker. Ich tue das auch erst, seit ich weiß, dass ich davon nicht länger lebe. Aber ich werde gesünder sterben. Deshalb esse ich jetzt auch mehr Obst und Gemüse, ich rauche nicht und trinke nur das eine bekömmliche Glas Wein am Abend.

Mein Problem ist, dass ich mich so gut in andere Menschen hinein versetzen kann. Versuchen Sie das auch mal, dann werden Sie bald so denken wie ich. Dann werden Sie auch Angst bekommen.

Wenn Sie Kinder haben, versetzen Sie sich in die hinein. Wenn nicht, nehmen Sie natürlich Ihr Patenkind. Das haben Sie, das ist klar. Dafür reichen die Kinder noch.

Damit es nicht so schwer wird, stellen Sie sich die Zeit vor, wenn Ihre Kinder so alt sind, wie Sie jetzt. Stellen Sie sich vor, Sie kommen zu Ihren Kindern zu Besuch, zum Kaffee. Wundern Sie sich nicht, Ihre Kinder werden Ihnen vielleicht keinen Kaffee geben, Ihre Patenkinder schon gar nicht. Bei einem Glas Wasser aus der Leitung werden Sie sich Vorwürfe anhören müssen.

„Was habt Ihr Euch dabei gedacht“, werden Sie gefragt werden, „das Geld auszugeben, das Ihr gar nicht verdient habt? Ständig Schulden zu machen, die wir jetzt zurück zahlen müssen?“

Glauben Sie nicht, Sie könnten denen weismachen, das ging nicht anders. Denken Sie daran, die werden das ganze Leben schuften, um unsere Schulden zurück zu zahlen. Erzählen Sie denen nichts von armen Bergarbeitern, denen man das Kohleabbauen subventionieren musste. Reden Sie nicht von Oma und Opa, die auch eine ordentliche Rente brauchten. „Ordentlich?“ werden diese Leute fragen, von denen Sie nicht mehr glauben werden, dass das mal die braven Steppkes von einst waren, „ist das vielleicht ordentlich, was uns zum Leben bleibt, nachdem Ihr Eure Rente von unserem Gehalt abgezweigt habt?“

Ja, das wird spannend, wenn dann die vielen Patentanten und –onkels um zwei, drei junge Erwachsene herum sitzen. „Warum habt Ihr nicht wenigstens genug Kinder in die Welt gesetzt? Dann wären wir jetzt ein paar Leute mehr, die Euch durchfüttern müssen!“

Werden Sie dann von Ihren Karriereplänen reden wollen, vom eigenen Leben, dass Sie aufbauen wollten, von Ihren Plänen. Die Sie hatten als Sie jung waren und in die Kinder nun mal leider nicht passten? Wohl eher nicht, denn Sie sind zwar in der Überzahl, aber Sie sind abhängig von den Almosen, die Ihnen die paar jungen reichen werden.

Vielleicht wird man Sie das nicht fragen, aber Sie werden den Vorwurf nicht übersehen können in den Augen der müden jungen Menschen: „Und warum sterbt Ihr nun nicht wenigstens? Warum werdet Ihr immer älter?“

Nein, das wird man nicht fragen. Wir werden unsere Kinder und Patenkinder ja gut erzogen haben. Schweigend wird man Ihnen das Wasser und das Brot hinreichen, und Sie werden beschämt die Augen senken.

Und Sie werden Angst haben, dass doch jemand fragt.

Sie können nichts mehr dagegen tun. Es ist zu spät. Es wird so kommen. Deshalb sorge ich dafür, dass ich mit dem nötigsten auskommen kann. Dass ich hoffentlich nicht krank werde. Ich will mich wenigstens allein versorgen können, ich will nicht die Augen niederschlagen.

Und wenn sie kommen, um zu fragen, kann ich ihnen wenigstens einen Kuchen backen. Das hift.

Kaum Unternehmen bei Second Life?

Unternehmensaktivitäten enttäuschen lese ich gerade über Second Life. Enttäuscht sein kann aber nur, wer mehr erwartet. Wer bei Second life als Unternehmen der wirklichen Welt aktiv wird, tut dies im Moment vor allem, um nichts zu verpassen. Da wird natürlich vorsichtig agiert. Niemand will sich lächerlich machen und seinen Ruf im wirklichen Leben aufs Spiel setzen.

Enttäuschend ist das nur für Leute, die virtuellen Spaß und realen Ernst nicht auseinander halten wollen oder können.

Was ist Erfolg?

Wieder einmal lese ich über der Erfolg eines Web 2.0 Internet-Portals. Was den Erfolg dieses Portals ausmache, wird gefragt. Was aber ist überhaupt Erfolg? Hohe Zugriffszahlen, viele Klicks und (in den Zeiten von Social Software) viele Uploads, viele Beiträge.

All das erinnert mich schon wieder fatal an die erste große Blase des Internet, die vor einem guten halben Jahrzehnt geplatzt ist. Scheinbar sind wir sehr vergesslich: Erfolg ist, wenn man ein funktionierendes Geschäftsmodell hat, welches langfristig so viel Ertrag bringt, dass wenigstens die Kosten gedeckt sind. Damals wie heute sind viele Portale weit davon entfernt, nachhaltig erfolgreich zu sein. Damit werden sie auch die Leistung, die sie anbieten, kaum langfristig bereitstellen können. Die Blase schwillt schon wieder an.

Send und Klimawandel

Kaum war ein Sendtag regenfrei, meint 50hz, dass ein Beweis für den Klimawandel erbracht ist: Schließlich regnet’s immer in Münster, wenn Send ist, und das seit Jahrtausenden!

Als ich das heute morgen las, konnte ich noch lachen: der Send ist noch nicht vorbei und für morgen und Sonntag (wenn zum Regnen in Münster bekanntlich das Glockenläuten kommt) war Regen angekündigt. Doch nun werde ich stutzig: Die aktuelle Prognose zeigt keinen Regen mehr!

Die Klimakatastrophe ist da: Eintritt exakt zum Fühjahrssend 2007!

Interviews in der Anforderungsanalyse, Letzter Teil

Interviewdokumentation
Protokoll und Zwischenergebnisse
Wie oben bereits erwähnt ist es nicht üblich, in der Anforderungsanalyse mit Ton-bandprotokollen zu arbeiten, obwohl dies vor allem im explorativen und theoriegene-rierenden Interview sinnvoll sein kann. Umso mehr kommt es auf ein detailliertes, von beiden Partnern bestätigtes Protokoll an. Der Analyst wiederholt dazu zusam-mengefasst die gewonnenen Informationen und notiert diese.
Um den Dokumentationsprozess während des Interviews zu strukturieren und effi-zient zu gestalten empfiehlt sich der Einsatz standardisierter Diagramme. Im explora-tiven Interview kommt vor allem das Kontextdiagramm zum Einsatz, während im systematisierenden Interview Sequenz-, Status-, Objekt- und Datendiagramme erstellt werden. Diese Diagramme können im theoriegenerierenden Interview weiter entwi-ckelt werden, hinzu kommen hier häufig Papierprototypen.
Nachbereitung und Auswertung
Zur Auswertung des Interviews gehört zunächst das Ergänzen und Systematisieren des Protokolls und der erstellten Diagramme. Im Prozess der Auswertung werden die verschiedenen Dokumente (Produktvision und Projektrahmen, Lastenheft, Pflichten-heft) erstellt. Für die Folgeinterviews werden die entsprechenden Leitfäden abgelei-tet.
Wichtig ist, dass die Nachbereitung des Interviews zeitnah erfolgt. Bei der Termin-planung des Interviews muss deshalb die Zeitplanung für die Nachbereitung mit be-rücksichtigt werden. Die in der Nachbereitung erstellten Protokolle und Diagramme müssen vom Experten abgenommen werden, deshalb muss bei der Terminplanung auch dessen Verfügbarkeit nach dem Interview abgefragt werden. Dies ist um so wichtiger, wenn der Experte hier möglicherweise für Rückfragen und Detailklärungen benötigt wird.

Hannover, Messe

Um 5:00 Uhr stehe ich vor dem Spiegel und binde die Krawatte, soweit ich sie durch die noch halb geschlossenen Augen erkennen kann. Eine halbe Stunde später stehe ich bereits an der Bushaltestelle, frierend, weil das Sakko nicht wärmt, aber ein Mantel für diesen Tag zu viel Ballast bedeuten würde. Die Akkus von Notebook und Handy sind restlos gefüllt, also bin ich gut gerüstet.

Der ICE nach Hamm benötigt nur zwanzig Minuten, in der ich beobachten kann, wie es im Münsterland hell wird. Pferde und Dorfkirchen stecken noch im Bodennebel fest.

Die Leute, die in Hamm aus dem Zug steigen und vergeblich nach Informationen zu ihrem Anschlusszug suchen, sehen alle so aus wie ich, einer spricht mich an, weil er richtig vermutet, dass auch ich auf den zusätzlichen Zug nach Hannover warte. Im Tunnel finden wir einen kleinen gelben Aushang, der uns die Abfahrt von Bahnsteig 8 innerhalb der nächsten 10 min verspricht.

Der Anblick der in dunklen Anzügen und schwarzen Notebooktaschen uniformierten Männer auf dem kalten, immer noch dämmrigen Bahnsteig hat etwas gespenstisches.

Pünktlich zur geplanten Abfahrtzeit kommt die Durchsage aus den Lautsprechern, der zusätzliche Intercity-Express nach Hannover Messe habe 30-40 min Verspätung, wegen Bereitstellungsproblemen, und ich bin froh, dass es mehrere Probleme sind, so dass mir die Überlegung erspart bleibt, ob wegen den Dativ oder den Genitiv regiert, wobei ich sie natürlich trotzdem anstelle, schließlich habe ich nun Zeit dafür.

Um diese Zeit und bei diesen Temperaturen ist die Besichtigung des Hammer Bahnhofsgebäudes recht schnell abgeschlossen, auch wenn ich gestehen muss, dass es durchaus besichtigenswert ist, jedenfalls im Vergleich zum Münsterschen. Der einzige warme Ort ist der Bücher- und Zeitschriftenladen, weshalb ich die Wartezeit damit verbringe, mir wieder einmal vor Augen zu führen, welche unglaubliche Menge mir unbekannter Autoren es gibt. Jedem Autoren, der die Absicht, jemals veröffentlichen zu wollen, nicht vollständig bestreiten kann und will, ist dringend vom Besuch eines solchen Geschäftes abzuraten.

Der ICE benötigt von Hamm bis Hannover immerhin mehr als anderthalb Stunden, weshalb es sich, dem Ziel der Reise angemessen, lohnt, das Notebook aufzuklappen und ein paar Excel-Sheets zu öffnen. Hin und wieder ein sinnierender Blick in die Ferne genügt, einerseits die Wichtigkeit des gerade Gedachten oder Geschriebenen zu demonstrieren und andererseits einen dem Autofahrer ungewohnten Eindruck von der vorbeirasenden Landschaft zu erhaschen.

Kurz vor neun treffen wir am Ziel ein, die Menge meiner Geschwister, die dem Zug entsteigt und energisch dem Eingang West des Messegeländes zustrebt, ist beängstigend. Der Weg bis zu den Kassen wird zum ersten Spießroutenlauf: Unmengen junger Leute stehen uns mit Paketen von Journalen, Prospekten, CD-ROMs im Wege und versuchen, sich ihrer Last zu entledigen, indem sie jedem, der vorbeieilt, ein Exemplar zustecken. Ich aber habe an meinem Notebook genug zu schleppen, hinzu kommen die zwei Wasserflaschen und die Powerriegel, meine Notversorgung, die ich bei dieser Reise mit mir führe um mir den Blick auf die unverschämten Preislisten der Würstchenverkäufer ersparen zu können.

Die CeBit gliedert sich in drei Bereiche, die freundlicherweise farblich markiert sind, mich interessiert genau genommen nur der grüne Bereich, „Business Process“, auf dem Weg dorthin liegen die blau gekennzeichneten Hallen des Bereichs „Communications“, die ich durcheile ohne etwas spannendes zu sehen.

Ein Phänomen dieser Veranstaltung fasziniert mich jedes Jahr aufs Neue: es ist die Arbeitsteilung zwischen den jungen Damen an der Vorderkante der Messestände, und den Herren an den Bildschirmen, die den Besuchern aufs Haar gleichen, auch wenn man Aussteller und Besucher natürlich sofort daran unterscheiden kann, dass erstere immer ein Namensschild tragen.

Im Kampf der konkurrierenden Aussteller um das Interesse der Besucher sind die jungen Frauen die entscheidende Waffe, die geübten unter ihnen fangen ihr irritiert und suchend blickendes Opfer mit einem aufmunternden Blick und führen es dann ohne viele Worte zu verlieren dem im Hintergrund bereitstehenden Vertriebsmitarbeiter zu.

Ich habe ein Gegenmittel gegen dieses Verfahren gefunden, welches ich hier aber nicht verrate, ich fürchte, sobald die andere Seite davon Wind bekommt, kann sie sich darauf einstellen und wird immun.

Ich habe den Eindruck, dass in diesem Jahr weniger telefoniert wird als in den Jahren zuvor, in denen ich mich zunehmend des Eindrucks nicht erwehren konnte, man müsse selbst für die Kommunikation mit einem Begleiter das Handy benutzen und in denen ich manchmal das Bedürfnis hatte, die Tasche, die mein Handy barg, in Kopfhöhe zu tragen, um dessen Piepsen von dem der anderen scheiden zu können.

Um 15:00 Uhr habe ich meinen einzigen festen Termin an diesem Tag, ausgerechnet am Microsoft-Partnerstand. Wir versuchen, am Bodygard vorbei die Treppe zur Cafetria hinaufzueilen, aber der Mann weist uns darauf hin, dass mein Gesprächspartner, auch wenn er Aussteller auf diesem Stand ist, nicht den richtigen Sticker im Knopfloch trägt, weshalb er uns den Zugang zunächst verweigert. Nach ein paar Minuten ist der richtige Sticker besorgt, wir sitzen auf unbequemen Designerstühlen und ich trinke auf der größten Computermesse der Welt auf Kosten des größten Softwareherstellers der Welt einen Milchkaffee, der unerwarteterweise auf deutsch und italienisch, nicht aber auf englisch in der Getränkekarte steht.

Gegen 17:00 Uhr verlasse ich diesen gastlichen Ort und irre eine halbe Stunde über Messestände, weil ich inzwischen den Eindruck habe, überall schon einmal gewesen zu sein, überall uniformierte Männer an Stehhockern vor LCD-Displays und auf allen Gängen singen noch immer die jungen Schwestern der Loreley.

Eine von ihnen frage ich erschöpft, wann die Messe für heute endlich schließt, ihre Antwort macht mir klar, dass zwischen diesem Moment und der Abfahrt meines Zuges eine dreiviertel Stunde liegt, erschüttert frage ich sie, wie ich diese Zeit verbringen solle. Sie empfiehlt mir den Besuch einer „Come Together Party“ auf der man mir sicher ein Bier reichen würde.

Tatsächlich steht mir wenig später sie oder ihr Zwilling an einem anderen Stand in einer anderen Halle im Wege, nun als Kellnerin verkleidet, ein Tablett mit gut gefüllten Bierglasern in der Hand.

Aus den Lautsprechern, aus denen tagsüber gewichtige Stimmen über gewichtige Argumente zugunsten des hier ausstellenden Unternehmens gedrungen waren, hört man in diesem Moment Nenas 99 Luftballons, letzte Strophe. Mit einem seligen Lächeln summen die uniformierten Männer „… und auch keine Düsenflieger…“ – ich setze mich. Als jedoch Minuten später die Frage „Lebt denn der alte Holzmichel noch?“ aus dem Lautsprecher das selige Lächeln auf den Gesichtern um mich herum in ein glückliches Strahlen verwandelt, ergreife ich die Flucht.

Der Zug, der mich nach Hamm zurückbringt, steht schon bereit, ich setze mich, klappe mein Notebook auf und beginne, diesen Bericht zu schreiben.

Die Akkus haben durchgehalten.